Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 15 (1936-1937)
- Issue
- 10 (7.1937)
- Date
- 1937-07-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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FRANKFURTER ISRAELITISCHES GEMEINDEBLATT Amtliches Organ der Israelitischen Gemeinde Das Gemeindeblatt erscheint monatlich. Bezugspreis für Gemeindemitglieder vierteljährlich 45 Rpfg. (einschl. Znstellungs- und Erbebungskosten). — Preis der Einzelnummer 25 Epfg. — Jahres bezug für Nichtmitglieder der Gemeinde BM. 3.- zuzüglich Porto. — Schriftleitung: Fahrgasse 146; Fernsprecher: SammelnummerH. 27544. — Postscheckkonto: Frankfurt a. M. 33521. — Anzeigen- Verwaltung: M. Isaac & Co., Beineckstr. 17/19, Telefon: 24888. — Anzeigen nach Tarif. — Anzeigenschluss für die nächst» Nummer: 19. Juli 1937 — Die Schriftleitung übernimmt für den Inhalt des Gemeindeblattes nur die preßgesetzliche Verantwortung. Nachdruck nur mit Erlaubnis der Schriftleitung gestattet. 15. Jahrgang m Frankfurt a. M., Juli 193? Nr. 10 Leistungen und Aufgaben Aus der Arbeit tles Z.ntralausschuss für Hilfe und Aufbau von Dr. Friedrich Brodnitz-Berlin In diesen Tagen wird der Zentralausschuss für H i 1 f e _u n d Aufbau bei der Reichsvertretung der Juden in Deutschland sich gemeinsam mit dem Vorstand der Frankfurter Gemeinde an die Gemeindemitglieder wenden, um ihre tätige Hilfe für das grosse Hilfswerk der Juden in Deutschland zu erbitten. Die Mitglieder der Gemeinden, an deren Hilfsbereitschaft appelliert werden wird, haben ein Recht darauf, Rechenschaft über die bisherigen Leistungen der Reichsvertretung auf dem Gebiete der sozialen Arbeit zu erhalten, ein Bild der neu zu lösenden Aufgaben zu bekommen und zu wissen, warum trotz aller Lasten, die dem Einzelnen schon von seiner Gemeinschaft auferlegt werden, die freiwillige Opferbereitschaft des Einzelnen zur Bewältigung der vor uns liegenden Aufgaben nötig ist. Der Zentralausschuss ist, als Zusammenfassung aller konstruktiven Hilfskräfte, im Leben unserer Gemeinschaft ein fester Begriff geworden. Gewaltige Summen waren zur Bewältigung der dem Zentralausschuß gestellten Aufgaben notwendig. Ueber 4 Millionen Mark sind im vergangenen Jahre für die Arbeiten auf dem Gebiet der Wohlfahrtspflege, des Schulwesens, der Wirtschaftshilfe, der Berufsumschichtung und. der Wanderung ausgegeben worden. Auf dem Gebiet der Wohlfahrtspflege lag die Leitung der beiden grossen Sammlungen für die Jüdische Winterhilfe und die blaue Beitragskarte in den Händen der Zentralwohlfahrtsstelle. Unterstützt von den Gemeinden, die mit einem grossen Apparat von überwiegend ehrenamtlichen Helfern die Sammlungen in den einzelnen Gemeinden durchführten, wurde Hilfe für jeden winterhilfsbedürftigen Juden in Deutschland sicher gestellt und gleichzeitig die Kräfte auch der wirtschaftlich schwächsten Spender mobilisiert. Im Winter 1935/36 wurden so insgesamt 83.761 Hilfsbedürftige betreut, für die RM. 3.644.000.— aufgewendet wurden, wobei die Zentralwohlfahrtsstelle durch einen Ausgleichsfonds Hilfe für notleidende Mensehen in den Kleingemeinden, die aus eigener Kraft keine Mittel hätten aufbringen können, brachte. Durch ein Netz von Bezirksfürsorgerinnen würde die ständige Betreuung der Mensehen in den Kleingemeinden durchgeführt. Durch die Abteilung zur Unterbringung jüdischer Kinder aus Deutschland würden bis Ende 1936 237 Kinder nach den Vereinigten Staaten gebracht, wo sie in jüdischen Familien Aufnahme und- Ausbildung erfahren werden. Durch besondere Fonds wurde die Betreuung von Schulkindern und Heilkurbedürftigen durchgeführt. Zahlreichen Einzeleinrichtungen der jüdischen Wohlfahrtspflege, insbesondere der Kriegsopferabteilung des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten, wurden erhebliche Beträge zur Durchführung ihrer Arbeiten zur Verfügung gestellt. Die Ausbildung von Wohlfahrtspflegern, L ehr Schwestern, Säuglingsschwestern, Kindergärtnerinnen und Hortnerinnen wurde in besonderen Kursen ermöglicht. Die Ausdehnung und der Ausbau des jüdischen Schulwesens erfolgte durch die Schulabteilung der Reichsvertrerung, die für ihre Arbeiten über RM. 670.000.— aufwandte. Es ist eine grosse Leistung der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland, daß von den etwa 42.000 volksschulpflichtigen jüdischen Kindern heute bereits 22.000 52% jüdische Schulen besuchen. In 130 Schulen mit 1237 Lehrkräften werden die jungen Menschen durch die jüdischen Schulen unterwiesen, für die in Aufbau, Lehrplangestaltung und Lehrmittelbeschaffung eine Arbeit von umwälzender pädagogischer Bedeutung getan werden musste. Die Erstausbildung der schulentlassenen Jugend hat Einrichtungen eine immer grössere Bedeutung gewinnen lassen, die zwischen dem Abschluß der Schulbildung und dem Beginn der Berufsausbildung in Form eines neunten Schuljahres die notwendige Abrundung der Schulbildung und die Vorbereitung auf die Ausbildung im gewählten Beruf bringen (Vorlehren, Grundlehren). Voraussetzung für die Ausbildung und die Durchführung der Auswanderung der jungen Generation ist die Erhaltung der wirtschaftlichen Kräfte der mittleren und älteren, im Berufsleben stehenden Menschen. Durch ein Netz von 66 Wirtschaftshilfsstellen, die in der Zentralstelle für jüdische Wirtschaftshilfe bei der Reichsvertretung zusammengefasst sind, wurde die Beratung und Hilfe im Rahmen der vorhandenen Mittel durchgeführt. Die Zentralstelle für jüdische Darlehnskassen E. V. mit den ihr angeschlossenen 41 Orts- und 27 Bezirks-Darlehnskassen gab einer grossen Zahl im Wirtschaftsleben stehender Menschen durch Kredithilfe die Möglichkeit zur Weiterführung ihres Berufs. Daneben wurde für Wirtschaftshilfskredite im Etat des Zentralausschusses ein Betrag von RM. 100.000.— zur Verfügung gestellt. Die Vorbereitung und Ausbildung der heranwachsenden Generation durch die Abteilung für Berufsumschichtung und Berufsausbildung bildete und bildet das Kernstück der Arbeit des Zentralausschusses. In der Berufsumschichtung befanden sich Ende 1936 im Inlande 1850 Personen, in der Erstausbildung 4806 Personen, zu denen 920 Menschen hinzukommen, die in Ausbildungsstellen des' Auslandes untergebracht sind. Insgesamt mussten also 7576 junge Menschen betreut werden, für die ein' Betrag von fast einer Million Mark aufgewendet wurde. Immer'weniger Eltern sind in der Lage, die Ausbildung ihrer Kinder aus eigenen Mitteln aufzubringen; immer grösser wird daher der Bedarf der zu leistenden Zuschüsse, in die sich die Gemeinden und der Zentralausschuss teilen.