Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 15 (1936-1937)
- Issue
- 8 (5.1937)
- Date
- 1937-05-01
- Page
- Seite 22 (sequence 24)
- Language
- German
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Seite 22 Marken -Hüte irr.besten Qualitäten Das einzige jüdische Herren-Hut-Geschäft, am Platz MOtzen Ra BendkOver Telefon 28408 / Jetzt nur Trierischegasse 7 Die schönen biblischen Namen sind zu bekannt und geläufig, und unsere Töchter werden heute wieder weit mehr als in vielen vergangenen Zeiten nach unseren Stammüttern und anderen grossen Frauengestalten der Bibel benannt, als daß sie hier angeführt werden müssten. Aber schon während des ersten Jahrhunderts der Persischen Epoche, fünfhundert Jahre vor der gewöhnlichen Zeitrechnung, trifft man viele neuere Bildungen auch unter den Namen der Jüdinnen. Wir begegnen vor allem aramäischen, bisweilen auch arabischen Namen. Jeder folgte frei wie ihn Wunsch oder Stimmung antrieben, dem Fortgang der lebenden Sprache, die sich ganz Vorderasien erobert hatte. Solche aramäische Namen sind z. B. Martha (die Herrin), Schaphira (die Schöne), Telutha (die Gazelle). Die Herrschaft der Griechen brachte den. Juden dann griechische Namen, zuerst den höheren Ständen, aber bald auch den unteren Klassen der Juden in ihren verschiedenen Wohnsitzen Palästina, Syrien, Griechenland, Italien, Alexandrien und Kyrene. Die bekanntesten dieser griechischen Frauennamen sind: Alexandra, Akme, Berenike, Doris, Eunike. M^. am am n a aa a* a* Sportartikel % ]flDTaalE%% SPORT-KLEIDUNG aj| ■BF BT ■ a^H r J J Auswandererbedarf WI^ B B BBBJBFBF MOSKITONETZE etc. Am Schauspielhaus 2—4, Tel. 29335 Bei der zunehmenden Abhängigkeit von Born drangen auch römische Frauennamen wie Drusilla, Priscilla, Beruria (aus Veluria), Ospesta in die jüdischen Familien ein. Einheimisches und Fremdes, Neues und Altes sehen wir nebeneinander, und von etwa fünfzig Frauennamen der Jüdinnen, die zwischen dem Untergang des Babylonischen und dem des Weströmischen Reiches genannt werden, ist noch nicht einmal der sechste Teil mehr. altbiblisch. Teilweise werden auch altbiblische Namen nach griechischer oder römischer Aussprache abgeändert. So witrd aus Channa: Anna, aus Elischeba: Elisabeth, aus Mirjam: Maria, (auch Marianne), aus Zippor: Zippora. Zuweilen auch ging neben dem fremden Namen ein jüdischer einher und bewirkte alsdann einen Doppelnamen. So hieß Hadässa auch: Esther, die Königin Salome: Salome Alexandra. Vermutlich hat man sich des fremden Namens nur beim Gebrauch der fremden Sprache oder im Verkehr mit Behörden bedient. Seit der Mitte des ersten nachchristlichen Jahrhunderts beginnen die ausländischen Namen geradezu einheimisch zu werden, und bis zur Schwelle der neueren Zeit war den Juden weder vom herrsehenden Staat noch durch den jüdischen Brauch und das Gesetz verboten, Sprache und Namen der Völker, unter denen sie lebten, anzunehmen. Unübersehbar gross und mannigfaltig ist die Zahl der jüdischen Frauennamen, die aus dem deutschen und romanischen Kulturkreis des frühen Mittelalters stammen und die uns heute, da sie aus dem Gebrauch geschwunden sind, oft recht seltsam anmuten. Da lesen wir von Frauen und Mädchen mit dem Namen Alsguta, Beladonna, Contessa, Dolee, Ephrosyne-, Galantina, Guthilde, Gutrud, Heilswindis, Himmeltrud, Jasmin, Jutta, Matrone, Minne, Meehtilde, Muskatole, Pulcelle. Richedis, Richmodis, Scholastica, Schönfrauen, Zuccarina. JUWELEN Gold — Silber L. A. HEYMANN Goethestr. 4, i. gegründet 1891 Andere altdeutsche und romanische Frauennamen haben sieh — zum Teil ins Jüdisch-Deutsche umgebogen — bis in unsere Zeit erhalten, und zwar als sogenannte jüdische Namen, neben denen die Mädchen moderne profane Namen erhielten. Zu den gebräuchlichsten dieser Art gehören: Bele (Bella); Bessel oder Pessel, Pessehen (nach Zunz von dem deutschen „Base" oder dem englischen-,,Bess — Elisabeth"); Blume, Blümel, Blümchen; Braune, Breine, Biendel; Dresel (Therese); Freude, Fradchen; Frommet, Frumet, auch Frommaid, wie sich die Mutter Gabriel Riessers nannte; Gella, Gelle, Kele; Glüekel; Golde, Goldchen; Gutchen, Gitel. Giddel; Hendele, Genendel (wahrscheinlich aus Hanna [Channa] abgeleitet); Jachet, Jaehent (entweder aus dem biblischen Jochebed oder aus dem griechischen Agathe gebildet); Kreinle (aus Karoline); Malke, Malka (Königin); Mindel, Mündele (Abkürzung von Minne); Perle, Perlin; Rechle, Reichle, Kachlin, Kaie, Rele (Rahel, Rachel); Reize, Rezil; Schönle, Scheinle; Sprinz (entweder entstanden* aus Esperanza oder — nach Zunz — altdeutsches Wort für Sperber); Sise, Süsse, Suse (Susanna); Trine, Treine (Abkürzung von Katharina); Ugla (von Abigail); Vogel, Vögele, Vögelchen, Veilchen; Zirle, Särlin (aus Zerline). In „Glüekel von Hameln", die von 1646 bis 1724 lebte, finden sich ausser den genannten noch folgende Frauennamen: Elkele (Abkürzung von Ella), Jente (von Gentila, die Edelgeborene); Mate (dahin gehört auch Maita, Maitin, Maidel, Madel (offensichtlich aus dem deutsehen „Maid" gebildet); Sulke (aus Suleika). Von starkem Einfluß auf die Namenbildung war einerseits die landschaftliche Verschiedenheit der einzelnen deutschen Gegenden mit ihrer, alemannischen, fränkischen, schwäbischen, altsächsischen Aussprache, andererseits die Wanderungen der Juden. So entstand, als zwischen den Jahren 1300 und 1500 die Juden, aus West- und Mitteleuropa vertrieben, in. verschiedene Länder zerstreut wurden, da, wo die Flüchtigen; sich wieder ansiedelten, ein Namen-Mischmasch. Man hörte englische und französische Namen unter den deutschen Juden, italienische wurden germanisiert und germanische Namen kamen slawisch verwandelt nach Deutschland zurück. Aber nicht nur die Juden haben sich deutsche Namen beigelegt, sondern auch die Deutschen haben jüdische Namen in ihren Sprachschatz aufgenommen. Und so sind es zum Teil gerade die geläufigsten deutschen Vornamen, die dem Judentum entlehnt sind. Wie der deutsche Name Michel (Michael) und Hans (Jochanan, hellenisiert Johannes), so sind die deutschen Mädchennamen Gretchen (Margarita Perle) und Liese (aus Elisabeth) mit all ihren Abwandlungen Lisette, Elise!,' Lisa, Lisbeth, Lizzy, so sind Anna (Channa) und Maria (Mirjam), Martha und Johanna und viele andere jüdisches Erbgut. Man hatte die Herkunft der Namen allmählich vergessen, und das Deuten der Namen hatte längst aufgehört oder wurde nur zu Gelegenheitsreden und humoristischen Anspielungen angewendet. So gab es in der Judengasse ein bösartiges Wort, das aus dem Namen nicht das Wesen, sondern1 gerade dessen Gegenteil erkennen wollte. Es heisst: „Alle Gütelcher sen bös, alle Schöncher mies". Nachdem schon 1787 die österreichischen Juden durch das Toleranzedikt Kaiser Josephs II. zur Annahme von Familiennamen gezwungen worden waren, mussten im ersten Jahrzehnt des neunzehnten Jahrhunderts die unter französischer Herrschaft stehenden Juden sich Familiennamen geben. Bis dahin gab es wohl auch schon vereinzelt Familiennamen, die aber willkürlich geändert wurden, je nach dem Aufenthaltsort oder nach anderen Gesichtspunkten. Auch die preussisehen Juden mussten sich nach ihrer Emanzipation 1812 entweder selbst Familiennamen wählen, oder sie wurden ihnen aufgezwungen. Und in den osteuropäischen Ländern waren es oft abstossend hässliche Namen, die den Juden aufgenötigt wurden. Soweit sie sich die Familiennamen aber selbst wählen durften, gaben sie sich, namentlich in Norddeutschland, möglichst schön klingende Namen, und die Frauennamen Blume, Veilchen, Rose und andere mehr, wurden vielfach in die Familiennamen verflochten, zum Beispiel: Blumenstein, Veilchenfeld, Rosenbaum und viele andere. ■ ■ « Je weiter aber die Emanzipation der deutsehen Juden voranschritt, je mehr die Frauen in den Kreis ihrer Umwelt eintraten, um so' weniger gibt es ausgesprochene jüdische Namen bei ihnen. Jeder Name, der gerade in der Mode war, findet sich auch bei den jüdischen Frauen und Mädchen. Nur daß in den altfrommen Kreisen, neben dem deutschen Namen, noch ein jüdischer hinzugefügt wird. Manchmal war es ein biblischer, zumeist aber einer der genannten altdeutschen oder romanischen Namen, denen durch ihr ehrwürdiges Alter die Patina der Heiligkeit sich ansetzte, zumal die Vererbung des grossmütterlichen Namens ein stilles Erinnern an liebe Verstorbene wachrief. Heute aber greifen wir immer mehr und mehr zurück auf altes biblisches Erbgut, das bei vielen von uns fast in Vergessenheit geraten war. Wir lernen wieder lieben, was wir einst besassen, wir fühlen, daß auch der Name nicht etwas Aeusserliches ist, sondern ein Glied der Kette, die uns unzerreissbar mit unseren Ahnen verknüpft. Färben, Blondieren, Dauerwellen 8y8tem FUVA ohne Strom Kadu8, Mayer - Karlsbad J O d. Dam e n ■ u. H err en-Friseu r Porzellanhof- Strasse 4 SALON EIS NEU Ecke Zell Tel. 273 88 Manicure, Schönheitspflege, Meth. Rei&alda Berlin Bestgefdiultes Personal Reidih. Auswahl in Toilette-Artikel