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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1937-05-01 · 8 (5.1937) · p. Seite 21

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
15 (1936-1937)
Issue
8 (5.1937)
Date
1937-05-01
Page
Seite 21 (sequence 23)
Language
German
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Seite 21 Corsets, Corselettes S. LÖHREN linilll!l(llllllllllllllllllllll!llll!llll!IIIIIIIIIIli!lilll!!llllffl 2üiZEIL85 »«r Für die Frau Mitteilungen aus den Interessengebieten der Frau Beitrage und Zuschriften sind zu richten an Frau Stephanie Forrhheimer. Frankfurt a. M.. Schumannstr. 9 Büfienhalfer.Damenwäfche S. LÖHREN nur ZEIL 85ü!ü: Jüdische Frauennamen von Ella Seligmann „Wie nennst du dich?" „Die Frage scheint mir klein Für einen, der das Wort so sehr verachtet, Der, weit entfernt von allem Schein, Nur in der Wesen Tiefe trachtet." „Bei euch, ihr Herrn, kann man das Wesen Gewöhnlich aus dem Namen lesen." Nicht nur hei den Phantasiegestalten der Dichter, auch hei Menschen aus Fleisch und Blut gilt das dem römischen Lustspieldichter Plautus entlehnte „nomen est omen", „der Name ist eine Vorbedeutung". Auch unsere Bibel kennt den innigen Zusammenhang zwischen Namen und Charakter eines Menschen, so, wenn Abigail zu David spricht: „denn wie sein Name, so ist er: Nabal (Nichtswürdiger) ist sein Name, und Nichtswürdiges haftet an ihm" (1. Samuel 25,25). Und so hatten die alten biblischen Namen wohl alle ihre Bedeutung und Vorbedeutung. Sie waren Ausdruck der Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Zukunftswünsche der Eltern für ihre Kinder. Adam heisst der Erdgeborene, Eva (Chawa) bedeutet Lebengebende. Kajin wird erklärt als der (durch den Segen Gottes) Erworbene, Abel (Hewel) heisst Vergänglichkeit und deutet auf die kurze Lebenszeit hin, die ihm gegeben wurde. Und so werden die Namen Tubal, Set, Noah und vor allem die Namen der Söhne des Stammvaters Jakob, die bezeichnenderweise alle Von der Mutter ihren Namen erhielten, aus der Stimmung der Mütter erklärt. Reuben ist der Jubelruf der Lea: „Sieh da, ein Sohn!" Schimeon heisst: Erhörung, Levi: Anhänglichkeit, Jehuda: Gottdank. Nur Benjamin erhielt von Vater und Mutter einen Namen. Der Vater nannte ihn Benjamin: Glückskind, die sterbende Mutter aber nannte ihn Benoni: Schmerzenskind. Nur bei der Tochter Dina wird in der Heiligen Schrift keine Deutung des Namens hinzugefügt, ebensowenig bei Naama, der Tochter Lemechs. Und manche Erklärer der Bibel meinen, daß die Geburt einer Tochter nicht mit Freude begrüsst wurde, was eben schon in der Tatsache zum Ausdruck komme, daß aus ihrem Namen nicht viel Wesens gemacht werde. Damit würde ein Ausspruch des berühmten Babbi Jehudä-ha-Nassi übereinstimmen: „Die Welt kann weder des männlichen noch des weiblichen Geschlechts entbehren; wohl dem aber, dessen Kinder Knaben, wehe dem, dessen Kinder Mädchen sind". Im Gegensatz dazu steht eine schöne, vielfach bekannte Deutung des Satzes aus der Lebensgeschichte Abrahams. Es heisst dort: „Abraham war alt geworden und in die Jahre gekommen, und Gott hatte den Abraham gesegnet mit allem". Die alten Bibelforscher fragen, was das Wort „mit allem" bedeuten solle, und antworten, Gott habe ihn mit einer Tochter gesegnet, und das erst habe sein Gück vollkommen gemacht. Ja, einer der alten Erklärer meint sogar, „Bakol" (das hebräische Wort für „mit allem") sei der Name dieser Tochter gewesen. Auch von Rabbi rChisda wird erzählt, daß er gesagt habe: „Mir sind Töchter lieber als Söhne", und „ist die Erstgeborene eine Tochter, so ist das eine gute Vorbedeutung, weil sie einen günstigen Einfluß auf die später geborenen Brüder nimmt". Wie dem aber auch sein mag, ob die Geburt einer Tochter mit Freude begrüsst oder als unerfreulich angesehen wurde, ob bei der Namensgebung der Mädchen eine Erklärung hinzugefügt wurde oder nicht, niemals kam es in der älteren Zeit vor, daß Eltern ihren Töchtern einen Namen gaben, dessen Bedeutung sie nicht kannten und der nicht in irgend einer Beziehung zu der Persönlichkeit stand. Bezeichnend hierfür ist der bekannte Ausruf Noomis, als sie verwitwet und ihrer Söhne beraubt nach Betlehem heimkehrte: „Nennt mich nicht mehr Noomi, das heisst die Liebliche, nennt mich Mara (die Betrübte), denn gar sehr hat mich der Allmächtige betrübt". Erst in der Zeit nach Alexander dem Grossen, als der griechische Einfluß auch in Palästina mächtig wurde, kam die von den Griechen entlehnte Sitte auf, den Enkeln den Namen ihrer Großväter, den Enkelinnen die ihrer Großmütter zu geben. Seitdem erhielt sich bis zum heutigen Tage dieser Brauch unter den Juden. Ursprünglich scheute man sich nicht, den Kindern atich den Namen der noch lebenden Grosseltern zu erteilen. Erst seit dem 13. Jahrhundert kam man davon ab und nannte Knaben und Mädchen nur nach den Namen verstorbener Grosseltern oder Ahnen, sodaß der gleiche Vorname in einer ganzen Reihe von Generationen wiederkehrt. Wie bei Knaben in Verbindung mit der Beschneidung, so fand auch bei Mädchen, nachweislich schon seit der Mitte des sechzehnten Jahrhunderts, eine Feier bei der Namensgebung statt. Die älteste Beschreibung einer solchen Feier findet sich in einer spanischen Liturgie aus dem Jahre 1554; sie ist aber wohl noch älteren Ursprungs. Die Feier vollzog sich in folgender Weise: Zuerst wurden Verse aus dem Hohenlied und aus der Geschichte der Brautwerbung des Knechtes Abrahams rezitiert. Alsdann folgte die Namensgebung des Mädchens mit dem schönen Gebet: „Der gesegnet hat Sara und Bebekka und Eahel und Lea, die Prophetin Mirjam, Abigail und die Königin Esther, der segne dieses liebliche Mädchen, und sie erhalte den Namen... zu gutem Glück in segensreicher Stunde. Gott lasse sie heranwachsen in Gesundheit, Frieden und Ruhe. Gott beglücke ihren Vater, ihre Mutter, auf daß sie schauen mögen die Freude dieser ihrer Tochter, ihre Hochzeit, ihre männlichen Nachkommen, ihren Reichtum und ihre Ehre. Frisch und gesund möge sie im Greisenalter noch blühen. Dies sei der Wille Gottes. Amen". In Paris und im ganzen Süden Frankreichs hat sich dies noch bis in die jüngste Zeit erhalten; die Mädchen werden behufs Namensgebung in die Synagoge gebracht, und ein französisches Gebet wird der hebräischen Liturgie vorangeschickt. Bei den Sefardim im Orient ist die Namensgebung ein rein häuslicher Akt und wird mit einem Gastmahl gefeiert. Bei den italienischen Juden erhält das Mädehen am vierten Sabbat nach der Geburt, an welchem die Wöchnerin zum erstenmal in die Synagoge geht, seinen Namen. Bei den deutschen und polnischen Juden wurde schon im fünfzehnten Jahrhundert die Namensgebung sowohl der Knaben wie der Mädchen in der Synagoge und im Haus gefeiert. ZcrliroclieneFenstcrsclieilign?__Glaserei _ ^""^^^.10 Bildereinrahmungen ^ajJn ClemensKahn Tel. 20141 Gegr. 1877 Die besondere häusliche Feier der Namensgebung der Mädchen ist in Süddeutschland in manchen Kreisen noch heute unter dem eigentümlichen Namen Holekreisch Holla-Kreisch bekannt. Eingeladene Kinder heben die Wiege des Mädchens empor und umtanzen sie dann im Reigen, indem sie rufen: „Holla Kreisch, Holla Kreisch, wie soll das Kindchen heissen?" Die Erklärung des Wortes Holekreisch wird von dem berühmten Mainzer Rabbiner Moses MSnz irrtümlich auf das hebräische Wort chol profan zurückgeführt, womit die Bezeichnung des profanen Namens neben dem jüdischen ausgedrückt werden soll. In neuerer Zeit ist insbesondere von dem gelehrten Münchener Rabbiner Josef Perles wissenschaftlich einwandfrei nachgewiesen worden, daß das Wort Holla-Kreisch auf die altdeutsche Märe von der Unholdin Holla zurückzuführen ist, um die ein Zauberkreis gezogen wird, damit sie dem neugeborenen Kind nicht schade. Was nun die Namen selbst betrifft, so spiegeln sie in ihrer bunten Vielfältigkeit all die Länder und Kulturen wider, wohin wir ewig Wandernden in jedem Zeitalter gekommen sind. X ftLEONAl N Füllhalter / Papier / Drucksachen / Schulartikel Füllhalterklinik LEO NATHAN $*meritr. 1 ft&Jft»_____ LEO NA YS

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