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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1937-04-01 · 7 (4.1937) · p. Seite 10

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
15 (1936-1937)
Issue
7 (4.1937)
Date
1937-04-01
Page
Seite 10 (sequence 12)
Language
German
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Seite 10 Alles preiswert F l i Mä ifliia jw 4M 4M ,„rr.r.„. oeitgmann an der Bockenheimer Warle . Leipzigerstrasse 14 Damen- und Damenkleidung Kleiderstoffe Herren-Wäsche Strickwaren Manufacturwaren Strumpfwaren Schürzen Bettwäsche Unterkleidung Berufskleidung]{ Haushaltswäsche kung der Kinderlosen verbunden! Und wenn bei den liebenden jungen Menschen das Herz spricht, dann wird Wort und Stimmung des Hohen Liedes lebendig. Dieses Werk unseres Schrifttums hatte Bernstein in einer feinsinnigen Uebersetzung, die Leopold Zunz eingeleitet hatte, herausgegeben: auch, hier ward ihm, wie immer, Lernen zum Leben. In „Mendel G i b b o r" gewann der Erzähler, nach Laistners richtigem Urteil, erst die volle Sicherheit eines eigenen Stils. Grossartig ist die Geschichte des riesenstarken und doch so weichherzigen elternlosen Mendel, der von seiner Schwermut geheilt wird, als ihm die ehrf urehtgebietende, angesehenste Frau der Gemeinde, die „aus königlichem Geblüt", von Schoul Wahl, stammende Malkoh vom Heldentod seines Vaters und von der edlen Selbstaufopferung seines Großvaters erzählt, als ihm die Liebe von Malkohs Enkelin, der anmutigen Hendele, zuteil wird und als er, seiner Sehnsucht und seiner ererbten Neigung entsprechend, ein Bauer werden kann. Voll Stimmung zieht die Geschichte an uns vorüber, belebt durch die ernsten und die heiteren Gestalten; „ein Hauch urältesten epischen Wesens liegt über den Hauptszenen der einfachen Handlung, aus der dürftigen Enge des bescheidenen Daseins treten Verhältnisse und Charaktere hervor, deren schlichte Grösse auf einzelnen Höhepunkten in die stillen Aether des hohen Stils hineinragt". Für Bernstein waren die* beiden prachtvollen Novellen nur - Episoden in. seinem Schaffen. Er war, neben seinem fortschrittlichen und immer selbstlosen Wirken im Leben der Oeffentlichkeit, mit Leib und Seele Naturwissenschaftler. Seine Untersuchung über die Rotation der Planeten war von dem grossen Astronomen Bessel besonders anerkannt worden. Aber ihn hielt nicht ein einzelnes Gebiet fest; sein Geist drang in die Weite und Tiefe aller Naturkräfte. Für eine kleine Existenz, die in einem Antiquariat und einer Leihbibliothek bestand, sorgte ihm sein Freund Willibald Alexis, der erste Schöpfer von Romanen aus der Geschichte der Mark Brandenbürg. Die Naturwissenschaftlichen Volksbücher begründeten dann Bernsteins Erfolg. Dass sie, über 50 Jahre nach dem Tode des Verfassers, von einer unaufhörlichen gewaltigen Entwicklung des Forschens und Entdeckens überholt sind, darf uns nicht verkennen lassen, was sie für lange/ lange Zeit gewesen und welche Anregungen von ihnen ausgegangen sind. Die „Naturwissenschaftlichen Volksbücher" wurden in fast alle europäischen Sprachen, aber auch ins Hebräische übersetzt. 1869, als Bernstein auf der Höhe seines Lebens stand, nannte ihn Abraham .Geiger den „eingeweihtesten, begabtesten Dolmetscher von dem geheimen Walten der Natur und von der ihr abgelauschten Lösung ihrer Rätsel". Und Geiger rühmte das Jüdische dieses grossen Volksschriftstellers, bei dem die Naturbetrachtung sieh immer wieder zu den Menschen zurückwende, immer sinnig, immer herzlich und menschlich sei. „Ich glaube nicht, dass man fehl geht, wenn man diese Art der Behandlung der Lebens- und Wissensfragen eine jüdische nennt." Mit Recht hob Abraham Geiger hervor, dass sich in allen Arbeiten Bernsteins, auch wo sie dem religiösen Gebiet fern seien, die Eigentümlichkeit des jüdischen Geistes unverkennbar auspräge. Schön, wie Bernstein in seinem „Deutsehen Kalender für Achtung 1 Auswanderer! Verwaltungen für zurückbleibendes Vermögen und Grundbesitz übernimmt Sm Feitier Wolf»gangstr. 49 / Fernspr. 58670 jedermann aus dem Volk" bei einer ethischen Betrachtung der Welt Lehren der Bibel zur Grundlage nahm, wie er die Massen über die Herkunft christlicher Feste aus dem Judentum unterrichtete, wie er bei einem Aufsatz „Etwas Statistik" an ein Wort aus der Jakobs-Geschichte anknüpfte, wie er den Lesern vorführte, dass sehr viele Sätze des alten Testaments durch das Christentum in alle Länder Europas gedrungen seien und so fortwährend einen bildenden und veredelnden Einfluss auf Millionen von Menschen ausübten. — 1876 wurde Bernstein Ehrendoktor der Universität Tübingen. Er hatte diese Anerkennung wohl verdient. Er war ein wahrhafter Lehrer des Volkes. Ein Mann-von neuen fortschrittlichen Gedanken, der mit Erfindungen auf dem Gebiete des Telegraphenwie des Eisenbahnwesens hervortrat. Dabei immer voll idealer Gesinnung: als hervorragender Photograph führte er manchen kostenlos in diese Kunst. ein und verhalf so einer Reihe von jungen Männern zu einem Lebensberuf. Mit der Wissenschaft des Judentums blieb er, der sich warmherzig für Leopold Zunz einsetzte, allezeit verbunden, ein Lernender, bis ihn der Tod im 73ten Jahre abrief. ..... Wie die hohen Gaben Bernsteins auf hervorragende Nachkommen weitergingen, so bleibt vom Erbe dieses Mannes, trotz dem Zeitenwandel, auch für weitere Kreise vieles erhalten. Von seinen zahllosen vortrefflichen Aufsätzen, die in längst vergilhten Zeitungsblättern stehen, gilt das, was er in seiner gemütvollen Plauderei „Verlorene Dinge", ausgeführt hat: „Der Geistesstrom unserer Zeit führt außerordentlich viel von Gedanken an uns vorüber, die kaum geboren, schon verloren zu gehen scheinen. Es haftet wenig von dem, was unsere Volksliteratur bringt, fest im Gedächtnis der Empfänger, und es tut darum not, dass man viel darbietet und von Zeit zu Zeiti die Gabe erneuert. Aber auch dies ist nicht Verlorenes und Verschwendetes für immer; denn in verwandelter Form und in ganz anderer Verbindung und Gestaltung tritt sehr oft ein Gedanke bei uns zu Gast ein, der unerkannt schon einmal dagewesen, und wir nehmen ihn zuweilen in anderer Weise auf, in besserem geistigem Wohlgeschmack und zur Stärkung unserer geistigen Gesundheit". Kulturarbeit des Monats Heiterer Abend Alfons Fink Ein von der Konzertdirektion Koch veranstaltetet Abend stand unter dem Motto „Zwei Stunden Lachen mit Alfons Fink". Eine für heitere Darbietungen aufnahmewillige Zuhörerschaft füllte den grossen Saal des Vereinshauses. In zwangloser Weise erzählte Fink Geschichten und Anekdoten, berichtete von sich, von eigenen Erlebnissen und von Erfahrungen anderer Leute. Es war leichte Kost, aber auch die harmlose Heiterkeit hat Anspruch, gehört zu werden. Die freundliche Aufnahme der Darbietungen des sympathischen Künstlers zeigte, wie gern auch in unseren Kreisen der heiteren Muse, sofern sie so dezent auftritt, wie hier, Aufnahme gewährt wird. — Trade Kanter brachte zwischen den Vorträgen von Fink Chansons, in denen sie ihre musikalische und darstellerische Begabung zeigte. Ghr. Jakob und Esau Uraufführung im Konzert des Jüdischen Kammerchors Dem „Jüdischen Kammerchor", der schon längst ein wesentlicher Faktor der Musikpflege im jüdischen Kreis Frankfurts geworden ist, war im Rahmen des Kulturbundes ein Sonderkonzert eingeräumt, das durch eine Uraufführung. erhöhtes Interesse

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