Mannheim
Compact Memory

Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1937-03-01 · 6 (3.1937) · p. Seite 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
15 (1936-1937)
Issue
6 (3.1937)
Date
1937-03-01
Page
Seite 9 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3094266-3094439-3094445--5621-3100439
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seite 9 Damen- und Herren-Wäscbe Damenkleidung Strickwaren Kleiderstoffe Manufacturwaren ^saHTöeligmann an der Bockenheimer Warte Leipzigerstrasse 14 Strumpfwaren Unterkleidung Schürzen Berufskleidung Bettwäsche Haushaltswäsche Während in der Stadt Frankfurt sich im' August 1936 119 Menschen in Erstausbildung und 95 in Umschichtung befanden, waren im Bezirk fast doppelt so viele Menschen in Erstausbildung wie in Umschichtung, ein Beweis dafür, daß die umschichtungsfähigen älteren Menschen des Bezirks bereits weitgehend ab- oder ausgewandert sind, während in der Stadt immer noch ein Reservoir solcher Menschen vorhanden ist. Die Kosten der Ausbildung werden, wie eingangs erwähnt, von der Reichsvertretung und der örtlichen Gemeinde zusammen aufgebracht. Die Kosten der Ausbildung werden wesentlich dadurch beeinflusst, daß die Anzahl der Einzelausbildungsstellen sehr stark zurückgeht. Während im Jahre 1934 noch 36,6% der Ausgebildeten in Einzelstellen ihre Ausbildung fanden, konnten im Jahre 1936 nur noch 23,5% in Einzelstellen ausgebildet werden. Entsprechend diesem Rückgang an Einzelstellen ergibt sich die Notwendigkeit, Lehrwerkstätten zu schaffen, die in der Durchführung der Ausbildung naturgemäss teurer sind als die Einzelausbildung. ' Ausser den in den vorstehenden Darstellungen erfassten Menschen betreut die Beratungsstelle noch laufend auswärtige Jugendliche, die in Frankfurt a/M. ihre Ausbildung ganz oder teilweise finden und in den hiesigen Wohnheimen oer bei Verwandten wohnen. Die Finanzierung der Ausbildung dieser Jugendlichen geschieht durch auswärtige Bezirksstellen, bezw. die Reichsvertretung. Die Erhaltung und Erweiterung unserer Berufsausbildungseinrichtungen ist die ernste Sorge der Gemeinde. Nur durch eine planmässige Ausbildung wird vermieden, daß die in erwerbsfähigem Alter stehenden jungen Menschen arbeitsunfähig und damit zu einer Dauerlast für die Gemeinde werden. Sie sollen vielmehr zu tüchtigen Arbeitern ausgebildet und instand gesetzt werden, im Ausland eine Existenz aufbauen zu können. Die Vorlagen für die graphischen_Darstellangen zeichnete Baumeister Sdiragenheim. Andre Spire ^Quelques Juifs et Demi-Juifs Auszug aus dem Vorwort, übersetzt von Studienrat Dr. Max Salomon Andre Spire gehört zu den führenden Persönlichkeiten des jüdisch-französischen Schriftstellerkreises. Spire ist ein ausgezeichneter Kenner der sich aus dem Leben als Jude ergebenden Fragen und Probleme. In seiner durch Klarheit und Offenheit in gleicher Weise überraschenden Art der Darstellung geht er mit seinem Einfühlungsvermögen an die Erforschung des jüdischen Phänomens heran. Was er will und fordert ist ein kraftvolles, seiner selbst sich bewusst werdendes jüdisches Leben. Im Hinblick auf seine Auffassungen wie auch auf das von ihm erstrebte Ziel ist das Vorwort zu Quelques Juifs et Demi-Juifs besonders interessant. Es wurde im Februar 1928 geschrieben und hat inzwischen nicht an Gültigkeit verloren. In seinem Cahiers de la Quinzaine veröffentlichte Charles Peguy am 27. Oktober 1904 auf nur wenig Seiten in der Uebersetzung von Mathilde Salomon den ,,Chad Gadya" von Israel Z angwill. Die Mitarbeiter Peguys, von denen einige Juden waren, lasen ihn, zugleich auch seine zahlreichen jüdischen Abonnenten. Von diesen aus fand das schmale Bändchen Eingang in jene jüdischen Kreise, welche die Dreyfus-Kampagne veranlasst hatte, in ihr eigenes Ich wie zugleich auch in die Vergangenheit ihrer Rasse Einblick zu tun. Chad Gadya war einem Kristall vergleichbar, der in eine übersättigte Flüssigkeit getaucht wurde. Bei gewissen sehr empfindsamen Geistern bewirkte er eine Art von Einkehr, von innerer Wandlung, die Erschütterung und Weinkrämpfe zur Folge hatten. Bei den Schwächeren oder bei denen, die besonders stark beschäftigt waren, blieb die Wirkung auf eine nur vorübergehende Bekehrung beschränkt. Zu ihnen gehörte unter anderen der Vortragende Rat Sittenheim, dessen innere Kämpfe darzustellen ich mich bemüht habe. Bei anderen wieder war die Bekehrung eine dauernde. Ihr Leben nahm plötzlich einen anderen Kurs, wobei sie offensichtlich eine innere Stimme führte. Französische Juden, die jeden Kontakt mit dem jüdischen Leben verloren hatten, die kaum etwas von jüdischer Geschichte wussten, schickten sich nunmehr an, sie gründlich kennen zu lernen. Wirksame Hilfe boten ihnen dabei die Romane, in denen Zangwill das Leben der Massen in den grossen Ghettos von London, New York und Osteuropa in ihrem pittoresken Gepräge darstellt. Eine tiefgehende Wirkung übten auf sie zugleich auch die Novellen aus, in denen er von dem leidenschaftlich bewegten Leben der grossen jüdischen Idealisten, Avie Uriel Acosta, Spinoza, der Reformatoren, der Begründer von Sekten, der jüdischen Mystiker, kurz all derer erzählt, die er als die „Träumer des Ghetto" bezeichnet. Anstatt wie früher ihre jüdische Seele zu verbergen, fühlten diese Menschen nunmehr in sich das starke Bedürfnis, sie auszugiessen, sie zu besiegen. Es erschienen daher jüdische Gedichte, jüdische Romane, jüdische Dramen und Lustspiele. Eine in französischer Sprache geschriebene jüdische Literatur war entstanden. Zu dem in ihr wirkenden Schriftstellerkreis gehörten aber nicht allein Juden, sondern auch Christen, die durch das „pittoresque" des jüdischen Lebens wie nicht minder durch die beängstigenden Probleme angezogen wurden, welche das Vorhandensein grosser jüdischer Massen inmitten der christlichen Völker Osteuropas und der Balkanhalbinsel auf wirft. So verdankt die Erzählung Bar Cochebas der Brüder Tharand ihre Entstehung nicht minder dem Einfluss von Barres wie dem von Zangwill. Ihre Verfasser hatten sie dem Andenken an den grossen Bernard Lazare gewidmet, Peguy veröffentlichte sie am 29. Januar 1907 in seinen Cahiers. MÖBEL UND POLSTERMÖBEL zur Auswanderung und Neueinrichtung finden Sie in großer ■ ■ »■ ■ * a am m Inhaber Auswahl sehr M p 1 N [• LA Hugo Seligmann 4^ A preiswet bei . ^*w' GrOneburswea Mof DR.-ING. M. SIMON ' ARCHITEKT BORN WIESEN WEG 12 TELEFON 52812 V J Auswanderen Betten-Reinigen. SCHÖNFELD Steppdecken. s»wi Umarbeitung Reineckstr. 13 Tel. 25330

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.