Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 15 (1936-1937)
- Issue
- 5 (2.1937)
- Date
- 1937-02-01
- Page
- Seite 31 (sequence 33)
- Language
- German
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Seite 31 sich für die Fortentwicklung der Schule erfreulichen Tatsache steht allerdings die immer weiter fortschreitende wirtschaftliche Verschlechterung in der Lage der Juden erschwerend gegenüber, die sich bei uns dadurch doppelt bemerkbar macht, als die größte Anzahl unserer internen Schülerinnen von kleinen Plätzen zu uns. kommt, die Eltern dort meist ihrer Existenz verlustig gegangen sind und die vollen Kosten für die Unterbringung und Ausbildung ihrer Kinder nicht mehr zu tragen im Stande sind. In voller Würdigung dieser ernsten Tatsache haben die Reichsvertretung der Juden in Deutschland und die Israelitische .Gemeinde Frankfurt a. M. auf unseren Antrag der Jüdischen Haushaltungsschule einen Zuschuss gewährt, der ihr die Möglichkeit gibt, in besonders würdigen und dringenden Fällen den jung«?n Mädchen eine Ermässigung zn gewähren. Das Schulgeld sowie der Pensionspreis decken bei den stets steigenden Ausgaben kaum mehr die Selbstkosten. Der Aüfgabenkreis der Schule hatte sich von Ostern 1935 bis Ostern 1936 sehr vergrößert, da der Haushaltungsschule das von der Reichsvertretung der Juden in Deutschland zusammen mit dem Jüdischen Frauenbund gegründete technische Seminar angegliedert wurde. Der einjährige Seminarkurs war von zwölf jungen Mädchen besucht, die Ostern 1936 im Beisein des städtischen Herrn Oberschulrats und der Frau Direktorin der städtischen Haushaltungsschulen die Prüfung, die sie berechtigt, als technische Lehrerinnen an jüdischen Anstalten zu wirken, ablegten. Wir dürfen mit Genugtuung feststellen, daß die Prü- 'fjingsergebnisse zeigten, .daß sämtliche 'Prüfling© ihre Aufgabe voll erfasst hatten und auch sofort eine Tätigkeit finden konnten. Ein Teil der jungen - Mädchen hat außerdem mit einer Plaushaltpflegerinnenanwärterin zusammen noch zusätzlich das staatlich anerkannte Haushaltpflegerinnenexamen abgelegt und damit die Anerkennung als Hauspflegerin erworben. fn der gewerblichen Klasse, die von 12 Schülerinnen besucht wird, wurden auf Ersuchen der Beratungsstelle für Wirtschaftshilfe diejenigen jungen Mädchen, die sich zur Aufnahme in die Grundlehre gemeldet und ihre Ausbildung auf gewerblichem Gebiete — im Schneidern und Wäschenähen — zu erhalten wünschen, auf Grund einer vorangegangenen Eignungsprüfung aufgenommen. Die Lehrlingsklasse war auch in diesem Jahre wieder von 24 jungen Mädchen besucht, und das Ostern 1936 abgelegte Examen zeigte ein für so junge Menschen außerordentlich erfreuliches Resultat, denn es ist gelungen, diesen 14—15jährigen Mädels ein beträchtliches Maß an hauswirtschaftlichen Kenntnissen zu vermitteln. Persianer, Fohlen usw.nTrmf^W Kirchnerstrass« 8 IM II Ifr'YJ Telefon 26202 Groß» Auswahl. Mäßige Prelse|^^^l^^uJ| Samstags geschlossen Die Kurse für Haustöchter waren von internen und externen Schülerinnen besucht, die sich bemühten, alle Zweige der Hauswirtschaft zu erlernen, um für den bevorstehenden Existenzkampf auf diesem Gebiete gerüstet zu sein. Ein weiteres Arbeitsgebiet war im Berichtsjahre die Uebernahme des Kochunterrichtes für die Untertertia und Obersekunda des Philanthropins, der an zwei Nachmittagen der Woche in den Räumen und von den Lehrkräften der Haushaltungsschule abgehalten wird. Ferner erteilen zwei Lehrerinnen der Schule nach Uebereinkunft mit der städtischen Schalbebörde den Kochuiiierricht für die jüdischen berufsschulpflichtigen jungen Mädchen. Wie alljährlich fanden in den Monaten November und Dezember Abendkochkurse für im Berufe stehende Frauen und Mädchen statt, die sich eines regen Besuches erfreuten. Aus den geschilderten Tatsachen ist zu ersehen, daß sieb das Aufgabengebiet der jüdischen Haushaltungsschule ständig erweitert, aber mit den immer grösser und dringender werdenden Aufgaben auch die Schwierigkeiten in gleichem Masse wachsen. Aeußerste Sparsamkeit, größte Umsicht sind bei dem Einkauf von Lebensmitteln und Materialien notwendig, es gilt mit den vorhandenen Mitteln hauszuhalten, und dabei doch die Ausbildung der Schülerinnen in. theoretischer und praktischer Hinsicht möglichst vielseitig zu gestalten. Durch den vollen Einsatz ihrer Kräfte gelang es unseren stets bereiten Lehrerinnen, alle an sie gestellten Aufgaben zu erfüllen, und wir danken ihrer immer freudigen Arbeitsbereitschaft und Zuversicht die reibungslose» Abwicklung des großen Betriebes. In diesem Jahre kann die Jüdische Haushaltungsschule auf ein 40jähriges Bestehen zurückblicken. Der Ernst der Zeit gestattet nicht, Feste zu feiern, aber wir wollen in diesen Zeiten doch der Freude Ausdruck geben, dass es gelungen ist, unser Schiff ruhig und glatt durch die oft hochgehenden Wellen des Geschickes zu steuern und unsere Schule treu der Tradition ihrer Gründer zu führen. Dankbar erinnern wir uns aller, die uns geholfen haben, das Werk zu erhalten, zu leiten und zu fördern. Liegt auch die Zukunft trübe und in undurchdringlichen Nebel gehüllt vor uns, wir wollen nicht verzagen, sondern wir geloben, weiter für unsere Anstalt zu wirken und der uns anvertrauten heranwachsenden Generation das Rüstzeug zur Hilfe in ihrem Lebenskampf zu geben, um auf diese Weise für unser köstlichstes Gut, unsere Jugend, zu sorgen Alice Lilienstein Dass von dem verzichtenden Gesichte . . . Dass von dem verzichtenden Gesichte keiner ihrer grossen Schmerzen fiele, trägt sie langsam durch die Trauerspiele . * ihrer Züge schönen welken Strauss, wild gebunden und schon beinah lose; manchmal fällt wie eine Tuberose, ein verlorenes Lächeln müd heraus..... Immer wieder, wenn ich durch eines unserer jüdischen Altersheime gehe, immer wieder, wenn in unserer Beratungsstelle auswandernde Söhne und Töchter als letzte und grösste ihrer Sorgen, jene um ihre alten Eltern zu uns tragen, kommt mir dieses Rilk'sche Gedicht in den Sinn. In all der Tragik unseres jüdischen Schicksals ist das unserer Alten das tragischste. Sie, die ihr Leben lang gekämpft und gearbeitet haben mit keinem anderen Ziel als jenem, das Los ihrer Kinder gesichert zu wissen und selbst einen ruhigen Lebensabend zu gemessen, haben diese Früchte nicht ernten dürfen, und wie ein kahler Baum dem Sturm, sind.sie der Sorge um ihrer Kinder Zukunft preisgegeben, ohne zu wissen, ob diese Last noch einmal von ihnen genommen wird. Sicher: Der Auswanderer, der alte Eltern zurücklässt, bangt wehen Herzens, ob er je wieder mit ihnen vereint werden wird, und keiner, der etwa die Sorge für sie Dritten oder einer Organisation überlassen muß, tut es leichtfertig und so, als ob er sich einer Last entledigen wollte. Aber in der jüdischen Allgemeinheit rr^ LEONA W N kA Füllhalter / Papier / Drucksachen / Schulartikel Füllhalterklinik LEO NATHAN Schillerst i kfcj^gg L E LEONA N A