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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1936-09-01 · 12 (9.1936) · p. Seite 467

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
14 (1935-1936)
Issue
12 (9.1936)
Date
1936-09-01
Page
Seite 467 (sequence 29)
Language
German
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S. LÖHREN Corsets Büstenhalter nur ZEIL 855H£ Für die Frau Mitteilungen aus den Interessengebieten der Frau Beiträge und Zuschriften sind zu richten an Frau Stephanie Forchheitner. Frankfurt a. M.. Schumannstr. 9 S. LOHREN IllllllllllllllllllllillllllilllllllU Corsets Büstenhalter ZEIL 85 »üf Bewährung?! Noch ist kaum ein Jahr vergangen, seit unsere jüdischen Hausfrauen zu beweisen, hatten, ob und wie sie verstanden haben, ihr Schicksal zu meistern, d. h. wie sie den Auswirkungen der Nürnberger Gesetze zufolge, auf sich selbst gestellt, dem Haushalt, der Küche, der Betreuung und Versorgung von Alten und Kranken, sich gewachsen zeigten. Schon einige Male wurde in der Jüdischen Presse die Frage aufgeworfen: „hat sich die jüdische Hausgehilfin bewährt?" Wenn es darum geht, in einem Berufszweig, bei dem die Einzelne immer einen Fall für sich bildet, und nur nach ihren eigenen Anlagen und Fähigkeiten zu beurteilen ist, eine Kollektiv-Antwort zu geben, täte man sicher Unrecht nach der guten wie nach der schlechten Seite hin. Verallgemeinerungen sind von Uebel, und die Antwort wird von vielen mit einem „Ja", von vielen mit einem „Nein" beantwortet werden. In den Fällen, in denen von einem Versagen der jüdischen Hausgehilfin berichtet wird, hört man weniger von Unzufriedenheit über die Leistung, als von einem Mangel an Interesse für die Familie, und darin mag viel Wahrheit liegen. "Vielfach liegt doch wohl eine nicht ganz richtige Einstellung zur Hauswirtschaftals Beruf bei den jungen Mädchen vor, sie sind sieh nicht klar darüber, dass Haushalt und Familien-Interesse zueinander gehören, und dass letzteres die Voraussetzung ist für die freudige Einordnung in den Pflichtenkreis und für ein gutes Verhältnis zwischen1 Hausfrau und Hausgehilfin. Diese Anpassungsfähigkeit auf beiden Seiten ist keine leichte Aufgabe, und wenn sie nicht gelingt, wird gar zu gern der Hausfrau die Schuld zugeschoben. Warum aber soll der Hausfrau nicht das gleiche Recht zugestanden werden in dem Anspruch auf Einordnung, wie es der Chef im geschäftlichen Leben dem Personal gegenüber selbstverständlich fordert? Die Gefahr, dass die jungen Mädchen durch die Anforderungen der Hausarbeit zu sehr im alltäglichen Kleinkram versanden, ist nicht so groß. Sie haben ihre Freizeit, die weit genug bemessen ist, sich fortbilden zu könnep. und sich einen Ausgleich zu schaffen; sie haben ihre Bünde, und in ihnen die Gewissheit, gleichgesinnte und gleichinteressierte Kameraden und Freunde zu treffen. Sie haben den gesunden Egoismus der Jugend, der Anstrengungen und ungewohnte Aufgaben und Anforderungen zu kompensieren weiss und ihnen so leicht nicht unterliegt, abgesehen davon, dass ihnen das Erlernen und Einordnen in einen Haushalt für ihren eigenen späteren Beruf als Hausfrau nur Nutzen und Erfahrung bringen kann. Aber die Frauen? Hat man darüber schon Beobachtungen angestellt, wie viele weit über ihre physischen Kräfte hinaus leisten und arbeiten müssen und stündig die Sorge vor Augen haben: was wird aus meiner Familie, wenn ich plötzlich krank würde und nicht arbeiten kann? Hat mau schon einmal Beobachtungen darüber angestellt, in wie vielen Fällen die jüdischen Hausfrauen sich wunderbar bewährt haben, indem sie von diesen selbstverständlichen Alltagspflichten schon gar nicht mehr reden, alle sonstigen Interessen dieser ersten Verpflichtung, für das Haus und die Familie da zu sein, unterordnen, auch wenn sie wissen, dass sie sich selbst und liebgewordene geistige oder künstlerische Arbeit aufgeben müssen? Droht da nicht eine grosse Gefahr? Dass Fähigkeiten und Kräfte, die uns in solchen Notzeiten nötiger sind als je, durch ein Uebermass an Leistung in häuslichen Pflichten verschüttet werden? Zeigt sich nicht jetzt schon dadurch ein Mangel an Hilfskräften in der ehrenamtlichen Sozialarbeit, der erschreckend ist? Zeigt sich nicht jetzt schon eine Müdigkeit allen geistigen Interessen gegenüber, zu lesen, Musikvorträge zu hören, Gastlichkeit zu üben, eben Dingen gegenüber, die das Familienleben auf eine höhere Stufe rücken und die "Häuslichkeit zu einer „kultivierten" stempeln? „Bewährung" der jüdischen Frau! Noch gehört hinter diesen Satz ein Fragezeichen; so freigiebig dürfen wir mit solchem Lob — fast dem höchsten, das die jüdische Religion kennü — nicht umgehen, das wäre anmassend. Aber ebenso falsch wäre, das Streben nach diesem Ausdruck der Vollkommenheit, um das ein grosser Teil unserer Frauen so mutig und ehrlich ringt, übersehen zu wollen. Wir stehen wieder am Beginn eines neuen jüdischen Jahres; tlas vergangene hat die erste Stufe der Bewährung gezeitigt; aus anfänglicher Angst und Sorge über eine notwendig gewordene Umstellung und Vereinfachung des Lebens ist ein ruhigeres, sicheres Wollen und Können geworden, aus dem Zwang zum Muss ist ein „Ich — will" entstanden. Nicht ohne tiefen Grund sprechen wir von einer Frauen-Bewegung, die eine Erneuerung und Weiterentwicklung, ein immer fortschreitendes „Aufwärts" als Streben und Ziel sieht. Diese ,,Bewegung", diese zweite Stufe der „Bewährung" möge uns Frauen das neue Jahr zur Erfüllung bringen. Die Trainingszeit zur Arbeit ist für viele beendet; nun soll auch wieder zu seinem Recht kommen, was im Interesse unseres Selbst nicht verloren gehen darf, wollen wir uns nicht ganz aufgeben: Das Lesen eines guten Buches, die Freude an der Gastlichkeit im einfachsten Rahmen, die Freude an alle dem, was uns geistig anregt und weiter zu bilden vermag, d'as tatkräftige Mitsorgen und Mitarbeiten am jüdischen Aufgabenkreis, an all den Zielen, die ein Mitgestalten der Arbeit durch die Frauen brauchen. Wir dürfen in uns nicht verarmen, unser Blickkreis darf sich nicht verengen, wir müssen selbst auf diesen Ausgleich zwischen Arbeit und Entspannung bedacht sein. Die Schabbat-Idee, die Entspannung durch das Geistige, die immer wieder eine Erneuerung, einen schöpferischen Zustrom, eine Kraftquelle für uns bedeutet, sie muss in unserer Arbeit, in unserem Lebensprogramm einen Platz haben. Gibt es für uns ein besseres Vorbild, als die herrliche biblische Frauengestalt, von der uns am Rosch-haschana die Haftara erzählt? C h a n n a, die Bezwingerin ihres Schicksals durch ihr Wollen, durch ihre Treue zu dem, was sie sich vorgenommen, durch ihre Opferbereitschaft, mit der sie ihrer Mutterliebe den höchsten Ausdruck verleiht, durch ihren Dank an Gott, dem sie demütig weiht, was ihr Erfüllung ihres Lebens bedeutet? Das ist „Bewährung" in höchster Vollendung! An uns ist es, von Stufe zu Stufe, von Jahr zu Jahr an dieser letzten Erfüllung unseres Seins uns zu mühen. Cilly Neuhaus Fiüljlhalter / Papier / Drucksachen / Schulartikel Füllhalterklinik LEO NATHAN Schillerstr. 1 ftüft»

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