Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 14 (1935-1936)
- Issue
- 12 (9.1936)
- Date
- 1936-09-01
- Page
- Seite 453 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Not und Hoffnung Gedichtssammlung für jüdische Schulen. Herausgegeben von Jcseph Feiner, Elias Gut, Theodor Rothschild'. Leipzig, 1936, Gustav Engel Verlag. Die Gedichte, die von den drei „seit Jahren durch literarische Bestrebungen ähnlicher Art von gleichem Wollen erfüllten Herausgebern" unter dem Titel „Not und Hoffnung" zu einem Band vereinigt wurden, zeigen die Gestaltung unserer Geschichte, unserer Feste, unserer Hoffnungen undl Kämpfe in Darstellungen jüdischer und nichtjüdischer Dichter der Vergangenheit und Gegenwart. Die Sammlung ist dadurch zu einem Zeugen für die befruchtende Auswirkung jüdischer Inhalte über den Kreis der jüdischen Dichter hinaus geworden. Die Auswahl, die die Herausgeber aus der Fülle des Möglichen getroffen haben, bezeichnet nicht nur ihr feines Gefühl für literarische Werte. Sie spricht nicht weniger für ihre moralische Absicht: aus der Schwere unserer Tage Hoffnung gewinnen zu lassen, in der Not den Glauben hochzuhalten. Und es spricht für die Weite des Zieles dieser Anthologie, dass der , Glaube", an dem es sich auszurichten gilt, sowohl aus dem Religiösen, als aus dem Jüdisch-Politischen geschöpft wird. In einem Augenblick, im dem der Bildungsstand der Juden aus dem Extrem der Vernachlässigung alles Jüdischen in ein anderes Extrem, das der Ausserachtlassung alles Nicht jüdischen, umzuschlagen droht, begrüssen wir es, dass neben manchen anderen Grössen der deutschen Literatur auch Hebbel, Mörike, Platen oder Rilke einbezogen sind. Nicht -4 minder dankenswert ist es, dass die Herausgeber mutig junge jüdische Dichter einbeziehen (Sturmann. Rosenthal, Goldschlag und andere), deren Beiträge neben denen aus Werken Herzls, Bialiks, Zuekermanns, Werfeis und vieler anderer zum Bild jüdischen literarischen Schaffens von heute gehören. Das Buch wird auch ausserhalb der jüdischen Schule die dankbare Aufnahme finden, die es verdient. Die dem Band angefügten biographischen Nachrichten über die Dichter lassen eine systematischere Zusammenstellung der Daten wünschenswert erscheinen. Bei manchen Namen fehlen die Daten, bei anderen die Geburtsorte, gelegentlich sind die Hinweise auf das Schaffen der Dichter auch für diesen schmalen Rahmen zu knapp. Eine Ueberarbeitung dieser Nachrichten würde der geistesgeschichtlichen Einordnung der Gedichte förderlich sein. Ghr. Aussprache Zum Erscheinen des Schlussheftes von Jahrgang 14 des „Frankfurter Israelitisches Gemcindeblatt" regt ein Leser an.;,ob nicht eine geeignete Sammelmappe geliefert werden kann, um die Hefte mit ihren wertvollen Beiträgen gesammelt aufzubewahren und vielleicht später zu binden". Wir bitien Interessenten an einer solchen Sammelmappe um schriftliche Angabe ihrer Anschrift. Die Schriftleitung Noch einmal: Hollelcreiseh Zu den Ausführungen über „Hollekreisch" in der letzten Nummer des .,Gemeindeblattes", die ich mit grossem Interesse gelesen habe, gestatte ich mir zu bemerken, daß man meiner Meinung nach für das mysteriöse Wort eine einfachere Erklärung geben kann. loh glaube, daß die Schreibweise „Hollekreisch" nicht richtig ist, sondern daß ,Holekreiscii" zutreffend sein dürfte; ich selbst habe das Wort nur mit einem langen O aussprechen hören. Sodann scheint mir die Trennung in zwei Wörter, also in „Hole kreisch" angebracht zu sein. Das Wort „Hole" halte ich für das hebräische Wort nSin. welches „Kranke" heisst, hier also „Wöch- -" nerin" bedeuten dürfte. Daß der Buchstabe wie H ausgesprochen wird, ist auch bei deutschen Juden nichts Ungewöhnliches, und die Aussprache des "} wie 0 findet man gerade in Süddeutschland häufig Für die hier vorgebrachte Meinung spricht die Tatsache, daß neben dem Worte „Hollekreisch" wie in dem Artikel selbst gesagt ist, auch der Ausdruck „Haulegrasch" vorkommen soll. ' Meines Erachtens soll also die fragliche Formel nichts anderes bedeuten als: Wöchnerin, kreisch (rufe), wie soll das Kindchen heissen! Diese Deutung dürfte wohl einleuchtender sein als die Annahme, daß jüdische Frauen oder Kinder die heidnische Frau Holle erst „verschrien" haben sollen, wenn es sich um die Namensgebung für ein jüdisches Kind handelte. Gewiss mögen die mittelalterlichen Juden manche, insbesondere auch abergläubische Bräuche j Selte"453 f