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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1936-08-01 · 11 (8.1936) · p. Seite 432

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
14 (1935-1936)
Issue
11 (8.1936)
Date
1936-08-01
Page
Seite 432 (sequence 30)
Language
German
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Seite 432 wissen, dass das Haus „Von Arnstein" am „Hohen Markt" Treffpunkt einer vornehmen und ausgewählten Gesellschaft gewesen, dass hier Fanny ihre segensreiche Tätigkeit entfaltete, die sie zur wahren Wohltäterin leidender Menschen machte. Arme aus allen Schichten des Volkes wurden verpflegt, versorgt, erhielten Stellungen oder Geld für die Weiterfahrt. Ihr Bürgersinn wetteiferte mit Vaterlandsliebe. Nach der Schlacht hei Austerlitz nach dem Kriege von 1805 — dessen Ausgang sie wie ein persönliches Leid trug — spendete Fanny von Arnstein allein 7000 Gulden für die charitativen Einrichtungen eines Krankenhauses; unter den vornehmsten Damen Wfens, die eine „Gesellschaft zur Unterstützung Notleidender" gründeten, steht ihr Name, ihre Person mit an erster Stelle. — Vor der klugen Helferin/ vor einer «ehten, wahren Gesinnung war hier jedes Vorurteil gefallen. Eine grosse Wohltäterin, eine walirhafte Jüdin! Von ihrer edlen Menschlichkeit, ihrer jüdischen Freigebigkeit zeugen ihre Testamente, zeugen die vielen Bestimmungen, die vielen Legate, die sie hinterlassen. Sie künden alle rührende Treue gegen Eltern und Anverwandte, gegen Freunde und Hausangestellte, gegen Kranke und Sieche. Keiner geht leer aus. Für jeden Diener, für alle von ihr bei Lebzeiten Unterstützten, besonders für ihre Armen wird eingehend gesorgt. Ein Legat vom 31. Juli 1806: „Je 100 Gulden bestimme ich für das jüdische und das christliche Armenhaus. Ich bitte meine Tochter, zwar keiner Nation oder Religion ein Vorrecht in ihren Gaben zu geben, allein doch immer zu bedenken, dass der arme Jude nur bei seinen Glaubensgenossen Unterstützung findet, statt dass den arraen Christen beider Nationen Stütze und Hülfe wird! — Dies mögen sich meine Kinder einprägen, damit, wenn auch sie einst wirken, sie den armen Juden nicht ungehört und ohne Hülfe von ihrer Türe weisen mögen':. — Ein anderes Legat: „Das bare Geld, Obligationen und Lotterienoten vermache ich den in meiner Familie in Berlin Bedürftigen; worüber meine liebe Schwester Levy geb. Itzig, die Besorgung zu übernehmen bitte, davon eine kleine Stiftung nacli ihrem Gutdünken zu errichten! — Meiner lieben, einzigen Tochter Jette Arnstein vermache ich meinen Perlen-Schmuck, da sie. von mir nichts als ein Andenken bedarf und ihr Erbteil genug bleibt, um 6ich und anderen Gutes und wo hl zu tun. — Das in Berlin von meinem Vater ererbte Kapital bitte ich Jette mit der Bitte zu lassen, dass sie ihre Verwandten nie Not leiden lasse. — Dem hiesigen Christenhospital sowohl als dem Juden- Spital vermache ich jedem 100 Gulden als eine geringe Gabe. — Für die Oden und Götz (Angestellte) bitte ich 500 Gulden an Wert in meinem Namen zu geben, da sie am längsten in meinem Dienst gewesen, jedem eine lebenslängliche Pension von 300 Gulden, nach ihrem Tode aber diese 600 fl. zu einem Fonds für arme Verwandte, sowohl als Notleidende aller Art und aller Religionen zu verwenden, besonders aber Rücksicht auf solche Unglückliche zu nehmen, die blind oder sonst durch Gebrechen zur bedauernswürdigen Klasse gehören. — Meine Pensionisten muß ich meiner Tochter aufgeben, da sie schon mit 600 Gulden von mir ausser den auszuzahlenden Andenken nach Proportion des Kapitals hinlänglich belastet ist, und ich ohnehin gewiss bin, Sommer * Sehluss^Verkauf Beginn Montag, 27. Juli 1936 besonders weisen wir auf hochwertige Mäntel u, Kleider ■ der vergangenen Frühjahrs- und Sommer-Saison hin, die wir jetzt ganz besonders billig räumen wollen. FUHRLÄNDER AUSWANDERER nach "Erez u> 1 DIANA Ländern kaufen ihr wr I §m m% U Schillerstrasse 20 bei ISAAC NEUMANN dass sie nach eigenem Willen, nach ihren Kräften gibt, so wie sie es stets vor sich gesehen!" „Hesel (wahrscheinlich Jungfer) erhält für " die mir während meiner Krankheit bewiesene Treue 100 fl. jährlich. Für die Findelkinder wird meine liebe Tochter bis zu 12 Jahren, die Jahre miteingerechnet, die ich schon bezahlt, das Monatsgeld bezahlen. — Sofie (eine andere Bedienerin) bekommt lOOfl. jährlich, wenn keiner der Familie sie, einen Schatz an Treue und Ehrlichkeit, zu sich nimmt. Bleibt sie im Hause, erhält sie 300 fl. jährlich. — Die Mutter von Loon S00 fl., Fanny Heller, als meine kleine Mündel und Namensträgerin, 200 fl. — Die kleine Lemberger, die ich in diesem Jahr, bloss um sie ihrem Stande gemäss erziehen zu lassen, zu mir genommen, bitte ich, dass im Falle der gedachten Cäcilia Lemberger Erziehung nicht vollendet wird, meine Tochter diese Pflicht über sich nimmt, ihr Glück nicht aus den Augen zu lassen und zu der kleinen Waise Versorgung einst beizutragen." — Am 4. September 1805 werden 10000 Gulden testiert, die dem Israelitischen Spital und den frommen, würdigen Elisabethinerinnen zu gleichen Teilen zufallen sollen! — Eines der letzten Legate dieser wahrhaften Jüdin und edlen Menschenfreundin schliesst: „Wenn ich jemand vergessen haben sollte^ mein guter Mann und meine Tochter sind da, jedes Vergessene gut zu machen... und nun lege ich mich ruhig meinen langen Schlaf schlafen VERSICHERUNGSBÜRO WERTHEIM Reuterweg 63 — Telefon 74535 Lebens,- Sach- und Krankenversicherungen Wie tief die Persönlichkeit Fanny von Arnsteins bei ihren nächsten Angehörigen nachwirkte (sie starb 8. Juli 1818), davon legt folgendes Schreiben ihres Galten, Baron Nathan von Arnstein, das er nach ihrem Tode an die Vertreter der Wiener Judenschaft richtete, beredtes Zeugnis ab: „Hochwohlgeborene Herren! Zum äußeren Glänze unseres Gotteshauses und zur Verherrlichung des Schöpfers durch gute.Werke beitragen, ist jedes fühlenden Menschen Pflicht. — Und wenn meine selige! Gemahlin in diesen Grundsätzen lebte — ich ihrem Beispiele und meiner inneren Stimme hierin folge, so darf ich Ihnen zugleich versichern, dass meine Tochter von denselben Grundsätzen beseelt, nie einen Unterschied der Religion machen, Hilfsbedürftige, wes Glaubens sie seien, nach Kräften Trost und Gabe spenden und so ihrer unvergeßlichen Mutter immer würdig bleiben wird. Genehmigen Euer Hochwohlgeboren mit meinem Dank den Wunsch, Sie in Ihren erhabenen, menschenfreundlichen Amtspflichten öfter unterstützen und Sie von der wahren Hochachtung überzeugen zu können.....". — Ali Gallinei iBltte Tanken Sie la Benzin 31 Pfg. (Auto-Zubehör) Garagen Konstabier Gelbe Hirschstr. 9 _ Gemeinde-Mitglied_■ Sommersfilusmrkauf' Außergewöhnlich billige Angebote in nur guten Qualitäten 5. -JVLCLTX, Schillerstrasse 14 Damenwäsche, Tisch-, Bettwäsche, Strümpfe, Handschuhe J Kaufen Sie bei den Inserenten des 'Gemeindeblattes

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