Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 14 (1935-1936)
- Issue
- 11 (8.1936)
- Date
- 1936-08-01
- Page
- Seite 431 (sequence 29)
- Language
- German
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rr Achten Sie auf die Anzeige S. LÖHREN NUR ZEIL 85 V \ Für die Frau Mitteilungen aus den Interessengebieten der Frau Beiträge und Zuschriften sind zu richten an Frau Stephanie Forchheitner. Frankfurt a. M.. Schumannstr. 9 AÄ Achten Sie auf die Anzeige S. LÖHREN NUR ZEIL 85 Sophie Blum-Lazarus Es ist schon lange her, daß ich sie kennenlernte. Sie lebte damals als Malerin in Frankfurt, stammte aus Stuttgart. Aus ihrem bleichen Gesicht glühten übergrosse, dunkle Augen, die kindlich staunten. Auch ihre Phantasie war naiv, und ihre helle, singende Stimme hatte Jugendlichkeit, die seltsam in Kontrast stand zu der meist leisen Melancholie ihrer Worte. Diese Mischung von jung und alt gab ihrem Wesen die persönliche Note, etwas Unwahrscheinlich-Verblüffendes gleich einer Gestalt aus dem Märchen. In einem schäbigen Atelier malte sie von morgens bis abends. Gärten von stiller, traumhafter Verschwiegenheit, wie sie Liebende lieben, und groteske Köpfe und Puppen in delikaten Farben. Auch Vorwürfe von Velazquez, zum Beispiel seine berühmte Infantin, die die* Malerin aus der Oelin die fraulichere Pastelltechnik übersetzte, in der plastischen Rundung ihrer grauseidenen Robe mit dem pikanten Schwarz, dem blonden, weichen Goldhaar und der rosa Schleife, vor allem aber Stilleben: seltene Früchte, Pflanzen und Blumen in edelgeformten Gefässen, Symphonien feinsinniger Töne. Sophie Lazarus war in frühen Jahren in Paris gewesen und hatte japanische Holzschnitte und die Arabeske eines Degas und eines Toulouse-Lautrec in sich aufgenommen. Es kam ihr nicht auf die Saftigkeit der Materie an: sie war keine sinnlich geniesserische Natur, eher asketisch und auf die Erfassung der Seelen.- haftigkeit einer Landschaft gerichtet. Sie suchte die vereinfachte, beruhigende Linie im flächenhaften Aufbau, die Erlösung von der Schwere des Lebens in der Kunst. Mit der Zeit fand sie eine kleine Gemeinde. Auch die Frankfurter Malerinnen Ottilie Roederstein und Mathilde Battenberg schätzten ihren subtilen Geschmack. Aber „die La", wie wir sie im Freundeskreis nannten, war scheu und skeptisch trotz unseres Zuspruchs: ihre Sehnsucht ging über das Selbsterschaffene hinaus. Sie war Romantikerin, eine schweifende Seele. So mass sie sich an den grossen Meistern, erkannte die eigenen Grenzen und stellte nur selten und mit grossen Hemmungen in einem Kunstsalon aus. Eines Tages verliebte sie sich und zog mit ihrem Gatten nach Paris. Als der Krieg ausbrach, litt sie doppelt: einmal für Deutschland, ihre Heimat, und dann für Frankreich, das Land ihres Mannes, der dort im Felde stand. Nach Wiederherstellung von einer Krankheit verbot ihr der Arzt das Malen. Sie resignierte. Die Farben waren ihr der einzige Trost in der schrecklichen Zeit gewesen. Da begannen ihre einsamen, verwaisten Hände mit Garn, Wolle und seidenen Fäden zu spielen. Es entstanden Formen, spitzen- und gobelinartige Phantasien, originelle Ornamentik. Aber sie genügte ihr nicht. So griff sie eines Tages wieder zärtlich zum Bleistift und entwarf Zeichnungen, kleine, sehnsüchtige Träume: silberne Häuser in südlich üppiger Vegetation, süße und drollige Kinder und Tiere, dunkles Wasser, ein Stück Horizont und Blumen. Schließlich stickte sie die Entwürfe auf weisse Leinwand mit einem Blau, das wio altes Limoges glühte, mit der ganzen, beschwingten Unschuld ihres Seins. Bildchen auf Bildchen, Nadelmalerei. Nur für sich und ihre Freunde. Mit unendlichem Fleiss und unendlicher Geduld. Aber als vor 10 Jahren die grosse, internationale Ausstellung für Kunst und dekoratives Kunstgewerbe in Paris ihren mächtigen Radius durch die Stadt zog, und alle europäischen Nationen und einige überseeische Staaten ihre phantastischen, vom Jugendstil überladenen Paläste und ihre modern sachlichen Bauten mit Bildern, Plastiken und angewandter Kunst füllten, stellte auch Sophie Blum ihre Arbeiten in einer schmalen, niedrigen Vitrine aus. Nur selten fand ein Mensch bei der ungeheuren Fülle des Gebotenen Zeit, sie in dem kleinen Pavillon zu betrachten. Aber die Ausstellungskommission und die Jury entdeckten sie doch. Sophie Blum erhielt die goldene Medaille. Es war wie im Märehen. Die Demut schien belohnt. Sascha Schwabacher „Das Testament einer jüdischen Wohltäterin" Wir haben in diesen Blättern die Bedeutung Fanny von Arnsteins in einem Aufsatz „Wiener Frauen" gewürdigt, wissen, dass sie Tochter des von Friedrich dem Grossen zum Oberältesten sämtlicher jüdischer Gemeinden Preussens ernannten, durch Reichtum, Wohltätigkeit und vornehme Gesinnung gleich bekannten Daniel 11 z i g geAvesen ist, dessen ideales Menschentum sich in seinen Töchtern, besonders in Fanny, der älteren, widerspiegelte . „Eine hohe schlanke Gestalt, strahlend von Schönheit und Anmut, vornehmen Tons und Betragens, lebhaften feurigen Ausdrucks, scharfen Verstand und Wtiz mit fröhlicher Laune vereinend und fremder Sprachen wie der eigenen mit Meisterschaft kundig". — Damit ist gesagt, dass Fanny von Arnstein Jean Jacques Rousseau las und Goethe verehrte, und dies ist symbolisch für die Frauen der Emanzipation: jüdische Tradition verbindet sich harmonisch mit deutscher Geisteswelt und schafft diesen besonderen Frauentypus. Eigenschaften, welche Frauen der bürgerlichen und höheren Stände eigen waren, sah man in diesen Jüdinnen, sah man in Fanny von Arnstein glänzen, „deren unter den segensreichen Einflüssen der Regierung Friedrichs des Grossen gediehene Geistesfreiheit und Bildung um so stärker in Wien wirken musste, wo man diese letzten Vorzüge mir vereinzelt fand, zu schätzen und zu begehren schon begonnen hatte."- Wir wissen, dass Fanny (29. Nov. 1758 in Berlin geboren) sich in früher Jugend mit dem Bankier Nathan Arnstein nach Wien verheiratete, der später in den Adelsstand erhoben ward, SOMMER SCHLUSS¬ VERKAUF Nüfjen Sie diese günstige Gelegenheit aus! S. LÖHREN, NUR ZEIL 85 SOMMER SCHLUSS¬ VERKAUF