Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 14 (1935-1936)
- Issue
- 10 (7.1936)
- Date
- 1936-07-01
- Page
- Seite 397 (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 397 Kettenbach. Dorf mit 700 Einw. und den Resten einer alten Judengemeinde, die in der Mitte des 18. Jahrh. Mittelpunkt aller Gemeinden desAartals; Daisbach, Michelbach, Holzhausen über Aar, Hausen ü. A., Rückershausen und Breithardt war. Diese Gemeinden bilden 1765 eine gemeinsame „Chewra" (,,Kippe"). Monatsbeitrag 18 Pfennige; an jedem Jörn Kippur koton darf der Chewra-Parneß 18 Pfg. pro Mitglied an Arme verteilen; das alte „Kippebuch" ist noch vorhanden. Die Synagoge von Kettenbach, an Stelle einer viel älteren erbaut, ist etwa 70 Jahre alt, der Sammelfriedhof in Burgschwalbach älter. Aelteste «Gemeinde im Aartal wahrscheinlich ~~ Holzhausen ü. A. 320 m hoch gelegenes altes Dorf mit 700 Einwohnern; darunter noch einige Judenfamilien. Hier haben um 1876, als die jetzige Synagoge gebaut wurde, etwa 10 jüdische Landwirte mit je bis zu 10 Hektar Land gewohnt. Ihre Ländereien hingen teilweise zusammen und trugen — mit noch weiteren Feldern — die Gesamtbezeichnung „Judengwannen" oder -Gewannen. (Gewann war eine Flurabteilung im altgermanischen Dorfe). So wird es nicht wundernehmen, die Anwesenheit und landwirtschaftliche Lebensform von Juden in jener Gegend bis ins 16. Jahrh. zurück bestätigt zu wissen.*) — Wir wandern von Kemel in 1 % Std. nach Laufenselden, 375 m hoch; sehr altes Dorf; schickt seit.altersher seine Kinder als Kellner in alle Welt. Bis vor kurzem kleine,, aber besonders lebenskräftige jüdische Gemeinde, heute in Auflösung begriffen. Stattliche Synagoge, 1861 gebaut, Chewra-kadischa, .1762, gegründet, auch für Holzhausen a. d. H. und Kemel, die ebenso am Laufenseldener Friedhof teilhatten,.^, Von.Kjer/Striaßeinach-Berndroth bald links abbiegend, auf schönem Waldpfad in gut l «Std. zum Römerkastell (gelber Punkt), dann« nach' links»(röter-Punkt*) den römischen Pfahlgraben entlang in kaum einer Sturide nach Holzhausen ä. d. Heide. Bis vor kurzem kleine,, aber lebenskräftige Gemeinde mit eigener Synagoge. 2 Std. norö*osittyank (roter Punkt) Katzenelnbogen.; Schöner, alter Marktflecken mit 1200 Einw. der Stammsitz der Grafen von K., mit — um 1265 — 9 Städten, 225 Dörfern,! ll&Vfr gen zwischen Lahnstein und Darmstadt.' In jenem Jahr schließt Eberhardt von K. mit Frankfurt, Friedberg, Mainz u. s. w. den berühmten Landfrieden zum Schutz der Juden aller Beteiligten. 1484 werden die Juden, weil sie als Urheber einer Feuersbrunst 'gelteti, ausgetrieben. Der damals 2jährige Meir b/Isaak aus Katzenelnbogen wird später Rabbiner in Padua; sein Enkel, der sagenhafte polnische Eintagskönig Saul Wahl, der in Wirk- *) Die alte Synagoge itt leider verkauft-und Scheune geworden. Kaufpreis: Das Holz für die nene! — ...^ lichkeit ein großer Verteidiger und Wohltäter der Juden in Polen war. Aehnlich wirkte in Deutschland sein später Nachkomme Gabriel Rießer in Hamburg. Die Juden in der Grafschaft hatten im Lauf der Jahrhunderte eine Liste von mehr als einem Schock Sondersteuern zu zahlen, die erst 1816 nach der Einverleibung in Nassau abgeschafft wurden. Die Burg K. besteht nicht mehr. — Von Katzenelnbogen nordw. (blauer Punkt) 2% Std. durchs wildromantische Jammertal bis zum Hasenbach, nach weiteren 15 Min. bei der dritten Mühle nach dem Einfluß des Hasenbaches in den Dörsbach auf schönem Wege (blaues Dreieck) von 30 Min. nach Singhofen; von hier, derselben Markierung folgend, erreichen wir in 70 Min. bei Bergnassau die Lahn. Braunfels a/L. . „W.olff ,Jud: und.seine-Ehefrau Scheinle beide Eheleute, ■_ Qott behüte ihren Ausgang und ihren Eingang. 1709" Diese Jnschrift füllte .biß zu^n. Jahre 1931 mit goldenen — lateinischen — Lettern die Holzzeile..zwischen dem Erdgeschoss und dem 1. Stock. Sie war augenscheinlich kurz vor 1931 erneuert worden. Im ersten Stock hatte: -sich' iiei der allgemeinen Renovation des Hauses, im Schlafzimmer der Eheleute Mehl -Wandbemalung mit Sprüchen in hebräischer Schrift gezeigt. Sie wurde wieder zugedeckt. Das Zimmer war einst Betraum der Gemeinde Braunfels gewesen. — Das Haus ,03t .dasschönste , alte. Juden- •liaus.. Deutschlands; und wurde vom Fürstl. Solme-Braunfels'schen Hoffaktor Wolf „erbaut . jüdischer Sport im Juni :■{■ , .7 Der letzte Monat war im jüdischen Sport Frankfutts;voli :Wientiger Ereignisse. Die diesjährigen L e i c h t .a t h 1 e t i k-M e isterschaf ten des RjF. Landesverbandes Südwest am Buchrainweiber standen unter keinem glücklichen Stern. Nachdem am Vormittag die Vorkämpfe sich bei schönstem Wetter abgewickelt hatten, zwang am Nachmittag ein wolkenbruchartiger Regen den Leiter der Wettbewerbe, Bezirksobmann M. Wieseneck (Darmstadt), zum Abbruch der Endkämpfe, die jetzt' in Darmstadt weitergeführt werden müssen. Im ganzen wurde annehmbarer Sport geboten, und ein Vergleich mit den Ergebnissen der' Meisferschaftsausscheidungen in den anderen Landesverbänden zeigt, dass die Leichtathleten unseres Bezirks bei den 'diesjährigen Reichsmeistorschaften des Sportbundes in Berlin ein gewichtiges Wort mitreden werden. Fast in allen Disziplinen überragten" die Ergebnisse die der anderen Bezirke. In den technischen Uebungen schnitten erwartungsgemäss die Sportler des RjF. Darmstadt am besten ab; den 1500 Meter-Lauf gewann in blendendem Stil der Frankfurter Abt in der ausgezeichneten Zeit vöh 4.5B Min., besonders auch die Leistungen des Frankfurter Walter G u t h e i m bei den Alten Herren hinterliessen einen vorzüglichen Eindruck. Bei den Damen besetzten die Sportlerinnen des TSV. Schild Frankfurt alle erste Plätze.. Im Rasensport" fiel in. Frankfurt eine der wichtigsten Entscheidungen für ganz Deutschland. Im Endspiel gegen Bar Kochba-Hakoah Berlin gewann Bar Kochba Frankfurt die deutsche Makkabimeisterschäft im Fußball. Der starke Regen ließ nicht die volle Entfaltung des ganzen Könnens zu und die Entscheidung fiel erst nach Spielschluß in der ersten Verlängerung beim Stande von 1 : 0 für Bar Kochba Frankfurt. Der Sieg der Frankfurter Makkabim ist im wesentlichen auf die vorzügliche Arbeit des neuen Mittelstürmers Herrsch und des ausgezeichneten Verteidigers Girgusky, der bekanntlich auch im paritätischen Sport bei der Frankfurter „Eintracht" eine gute Rolle gespielt hatte, zurückzuführen. Die Handballer des Bar Kochba Frankfurt setzten ihren Siegeszug in den Entscheidungsspielen um die Süddeutsche Meisterschaft der ...Arbeitsgemeinf-