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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1936-07-01 · 10 (7.1936) · p. Seite 383

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
14 (1935-1936)
Issue
10 (7.1936)
Date
1936-07-01
Page
Seite 383 (sequence 21)
Language
German
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Seite 383 kannt hat, weiss, welch unerschöpfliche Fülle wärmsten jüdischen Wollens und tiefer Liebe zu ihren Mitmenschen in ihr lebte. Sie war eine Frau von hervorragenden geistigen Gaben und von unermüdlicher Arbeitskraft, von einem tätigen Willen beseelt, Gutes zu stiften; auf vielen Gebieten jüdischer sozialer Arbeit führend, hat sie einen grossen: Teii der weiblichen sozialen Arbeit in Deutschland geschaffen. Ueberall, wo sie mitwirkte, entstand ein grosses, von Menschenliebe und Liebe zum Judentum getragenes Werk. Ihre Persönlichkeit, ihre Taten stehen vor uns, und die Erinnerung an sie wird unvergesslich bleiben. Der dahingeschiedene Ehrenpräsident der Jewish Agency, Nahum S o k ol o w, war wiederholt Leiter der Zionistischen Organisation und hat auf allen Gebieten des Aufbaus Palästinas Hervorragendes geleistet. Er war eine überragende Persönlichkeit, die, wenn auch auf Parteiboden stehend, über dieParteischranken hinaus in ihrer geistigen Freiheit für alle Richtungen des Judentums Verständnis hatte. Auch er wird innerhalb des Judentums und der Gemeinden unvergessen bleiben. In dem langjährigen Vorsitzenden des Centraivereins der Juden in Deutschland, Justizrat Dr. Brodnitz, verliert das deutsche Judentum einen Mann von großen geistigen Gaben und hohem Idealismus, der seine ganze Arbeitskraft der Behebung jüdischer Not und Verteidigung des Judentums Jahre hindurch erfolgreich gewidmet hat. Er hat auch dann, als diese Arbeit zxi scheitern schien, seine Tätigkeit nicht eingestellt, sondern zukunftshoffend und beseelt von seinem Idealismus weitergewirkt. Er hat in den verschiedensten anderen Gremien, z. B. im Preussischen Landesverband, in der Reichsvertretung und in der Jewish Agency Hervorragendes geleistet. Seine gütige, kluge und opferbereite Persönlichkeit wird allen denen unvergessslich bleiben, die das Glück hatten,, mit ihm zusammen zu arbeiten." Die Anwesenden hatten sich zum Zeichen der Trauer während der Rede des Vorsitzenden von ihren Sitzen erhoben. Der Vorsitzende verliest eine Einladung des Jüdischen Frauenbundes und des Heims des Jüdischen Frauenbundes zu einer am Sonntag, den 28. Juni stattfindenden Gedenkfeier für das verstorbene Fräulein Pappenheim. Herr G e r 1 i c h wird beauftragt, anstelle des verhinderten Vorsitzenden als Delegierter der Gemeindevertretung an der Trauerfeier teilzunehmen. Der Vorstand hat auf den Antrag des Krankenhauses vom 18. Mai 1936 beschlossen, für das Geschäftsjahr 1935-36 wegen Etatüberschreitung einen Betrag von RM. 22840.80 zu Lasten des Kapitels VIII. Titel 1 Krankenhaus nachzubewilligen. Der Betrag ist aus den Steuermehreingängen (Entschuldungsfonds) zu übernehmen. Herr G e r 1 i c h stimmt dem Beschluss des Vorstands grundsätzlich zu, weist aber darauf hin, dass die Finanzkommission nicht mit der Vorlage befasst worden sei. Er wünscht aber, dass der Vorstand auch einer anderen Institution, die in Kürze einen Nachtragsetat vorlegen werde, das gleiche Wohlwollen entgegenbringen werde. Die Herren Felix Meyer, Dr. Mainzer und Weil legen im Einzelnen dar, dass das Defizit durch die gesteigerten Lebensmittelpreise (nicht der Fleischpreise) und durch die Abwanderung zahlreicher Patienten in niedrigere Klassen trotz sparsamster Wirtschaft entstanden sei. Sie bitten, zumal das Geld bereits verausgabt sei, die formelle Zustimmung zum Vorstandsbeschluss zu erteilen. Herr Rose n.w a 1 d bestätigt an Hand genauer ziffermässiger Nachprüfungen die Notwendigkeit und Richtigkeit des Nachtragsetats. Herr Dr. Geiger weist darauf hin, dass schon bei den Beratungen der gemischten Finanzkommission mit einer Nachträgsbewilligung für den Krankenhausetat gerechnet werden muss. Im übrigen sei der Etat vom Vorstand genau geprüft und genehmigt worden. Die Gemeindevertretung stimmt zu. Der Vorstand hat betreffs Abänderung der Stiftungssatzungen der Königswarter'schen Familienstiftung folgendes beschlossen: „Der Vorstand erklärt sich mit der vorgeschlagenen Abänderung der Satzung einverstanden mit der Massgabe, dass es am Schluss des § 23 Abs. 2 der neuen Fassung heissen muß: „und durch den Vorstand und die Gemeindevertretung der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main im Wege eines Gemeindebeschlusses genehmigt sind." Es wird auch vorsorglich schon-heute die Zustimmung dazu erteilt, daß, wenn dies für notwendig gehalten werden sollte, in der neuen Fassung die Worte „durch den Magistrat" ersetzt werden durch die Worte „durch den Herrn Oberbürgermeister." Auch hier stimmt die Gemeindevertretung zu. Lt. Protokoll der Wahlvorschlagskommission werden gewählt: anstelle von Frau'Blo(&-Neustadt in die liberale Kultuskommission Frau Marie Bloch, in die Finanzkommission und in die Gemischte Finanzkommission Herr Dr. Ernst Kirchheim, in den Vorstand des Israelitischen Kinderhorts Frau Stephanie Forchheimer, in die Friedhoi'skommission anstelle des Herrn Dr. Löffler Herr Dr. Ernst Gottsclmlk, in den erweiterten Vorstand der Beratungsstelle die Herren Dr. Max Mainzer und Felix Meyer. Im Anschluss an die in der Sitzung der Gemeindevertretung vom 7. Mai 1936 stattgehabte Etatberatung ist u. a. die Dotierung des Keren Hajes s od aus Gemeindemitteln besprochen worden. Hierbei wurden von dem Vorstandsmitglied, Herrn Emil Oettinger, Erklärungen über den bei der Bereitstellung von Keren-Hajessod-Geldern aus Deutschland zu erwartenden Transferverlust abgegeben, der von ihm auf 35 — 40% beziffert wurde. Auf Grund eines Schreibens von Fräulein Aenne Pomeranz hat der Gemeindevorstand sich wiederholt mit der Angelegenheit beschäftigt, und der Vorsitzende) des Gemeindevorstandes gibt hierauf folgende Erklärung ab: „In der Sitzung der Gemeindevertretung vom 7. Mai hat Herr Oettinger Erklärungen zu der Frage der Keren Hajessod- Samralungen abgegeben, die Missdeutungen verursacht haben und daher klarzustellen sind. Aus der Form der Ausführungen Herrn Oettingers war s. E. klar zu erkennen, dass er lediglich seine persönliche Meinung ausdrückte und nicht etwa im Namen des gesamten Vorstandes sprach. Ferner hat Herr Oettinger, als er die Frage der Tansferkosten berührte, ausdrücklieh um Berichtigung gebeten, falls die von ihm aufgeführten Prozentsätze von 35—40%, die beim Transfer nach Palästina als Verlust zu rechnen seien, nicht zuträfen. Seine Angabe stützt sich auf den Verlust, der privaten Auswanderern nach Palästina beim Transfer entsteht, und es war ihm nicht bekannt, daß die Palästina- Fonds bevorzugt behandelt werden. Insoweit muss er also die Schlussfolgerungen geldlicher Art, die mit dem Transfer zusammenhängen, berichtigen, wogegen er an seiner grundsätzlichen Einstellung zu diesem Problem festhält. — Der Vorstand seinerseits erklärt, an seinem früheren Beschluss und der "darauf bezüglichen Veröffentlichung im Gemeindeblatt nichts zu ändern." Hierzu gibt Herr Dr. Pomeranz Erläuterungen über die entstehenden Transferspesen, die der Haavara zufHessen, die den Transfer der Gelder der deutschen nach Palästina auswandernden Juden ermögliche. Er begrüsst die Schlusserklärung des Vorstands und stellt fest, dass der Keren Hajessod von jeher von den Gemeinden unterstützt worden ist, und hofft, daß dies auch in Zukunft geschehen werde, wenn der Ruf an sie ergehe. 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