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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1936-05-01 · 8 (5.1936) · p. Seite 322

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
14 (1935-1936)
Issue
8 (5.1936)
Date
1936-05-01
Page
Seite 322 (sequence 36)
Language
German
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Seite 322 Reparaturen in eig. Werkstätte llle Domod. üfareo Dehme leb bei Neukaa! in Zablong No. 2 Wir können verstehen, daß es für einen jungen Menschen, der den ganzen Tag im Geschäft oder an der Werkbank gearbeitet hat, ausserordentlich wichtig ist, in seinen wenigen Freistunden Sport zu treiben, seinen Körper zu trainieren oder eine „klore" Fahrt zu machen. Doch das Bedenkliche hierbei ist, dass er jetzt keine Zeit mehr findet, und dass er kein Interesse mehr hat, ein gutes Buch zu lesen, dass er nicht mehr geistig arbeiten will. Es scheint fast, dass nur das den Jugendlichen heute interessiert, was irgendwie praktisch für ihn zu verwerten ist. Und was kann er schon mit Wissen anfangen? Die Bildungsfeindlichkeit und die Verachtung der Intelligenz ist heute im jüdischen Baum trotz aller gegenteiligen Anstrengungen sehr stark. Es sind bedenkliche Zeichen, dass die wenigsten Befragten die deutsche Klassik, Tolstoi und Dostojewski kennen, dass sie mit jüdisch-religiösen Fragen zum grossen Teil nichts anfangen können, daß kaum einer sich mit der Bibel beschäftigt, und wenn, sie nur als Geschichtsbuch betrachtet. Die Jugend fällt zum grossen Teil für eine ernste geistige Arbeit aus. Sei es nun, dass die Bänke der Lehrhäuser in. überwiegendem Masse von Menschen der vergangenen Bildungsepoche gefüllt werden, sei es, dass in den Bünden kein echtes geistiges Gespräch mehr stattfinden kann, sei es, dass die Leute in keine Ausstellung, in keine Museen mehr gehen, dafür aber umsomehrin das Kino. Obwohl ein grosser Unterschied zwischen den Buchinteressen der Jüngeren und der A.-G. Bondy festzustellen ist. bestätigen auch diese Angahen, dass das Bildungsmässige im Rahmen der Gesamtlesemenge nur einen kleinen Teil (ca. 15%) ausmacht. Das lebhafteste Interesse zeigt sich für Roman (ca- 50%), Novelle (ca. 25%) und Lyrik. Zwei typische Symptome der Jugendlektüre finden wir in ausgeprägtem Masse, wenn wir den Lesestoff der 16-20jährigen betrachten. Einmal ist es die Betonung einer gesunden Abenteuerstimmung, die sich ausdrückt in der Vorliebe für die Bücher von Jack London, S. Fleuron etc., auf der anderen Seite kommt aber auch eine lyrische Lebenshaltung gut zum Ausdruck (Rilke, Binding, H. Hesse, W. Flex etc.). Allerdings ist es nicht eine lyrische Haltung im Sinne der Romantik oder der Vorkriegs-Jugendbewegung, sondern diese Haltung ist bestimmt von , Stahlgewittern" (Jünger), sie weiss um „Grenze und Form", sie ist ein Zeichen für ein neues, hartes, sachliches und unverbildetes Geschlecht. Wohl ein typisches Kennzeichen der jüdischen Geisteshaltung ist demgegenüber eine starke Vorliebe für den psychologischen Roman (Thomas Mann, Wassermann, Stefan Zweig etc.). Noch ein weiterer bezeichnender Zug kann festgestellt werden: die starke Betonung des Unideologischen, Praktischen. Die Menschen sind heute sehr untheoretiseh, alles ist „fraglos", selbstverständlich, ganz im Gegensatz zu einer vergangenen Epoche, in der es auch bei der Jugend um eine geistige Stellungnahme ging. Es scheint, dass heute die Frage nach dem Sinn der menschlichen Existenz, das Fordern einer Entscheidung, nicht nur in äusserlichen Dingen, sondern gerade in dem Letzten, mehr und mehr aufhört, für die Jugend von bestimmender Bedeutung zu sein. Wir können heute nicht sagen, welche Rolle das Buch, das literarische Werk in der Zukunft, ja schon bei dem heute heranwachsenden Geschlecht einnehmen wird. Wir wissen nur, dass das Buch dieser Generation sehr oft nicht mehr ein Bildungsfaktor, guter und ehrlicher Begleiter und Helfer ist, sondern nur noch ein Mittel der Unterhaltung und gelegentlichen Entspannung. Durch die Bildungskrise, die sich auch jetzt im deutschen Judentum auszuwirken beginnt, hat das Buch seine führende Stellung als Träger des Geistes verloren, und an seine Stelle ist oft Gleichgültigkeit und Uninteressiertheit getreten. Wir sehen heute noch wenig Ansätze, dass diese Bildungskrise nur eine vorübergehende Erscheinung ist und kein Dauerzustand werden wird, aber wir hoffen, dass wieder eine Zeit kommen wird, die sich darauf besinnt, dass das Judentum bis jetzt bestanden hat, „nicht durch Macht und nicht durch Kraft, sondern durch seinen Geist". Die meistgelesenen Schriftsteller und Bücher der 16 20 jährigen (A.-G. Bondy) Name der SchriftsteHer Gelesen wurden °/o der Gesamt^ lektüre Jack London . . 15 verschiedene Werke 19 mal 3 Hermann Hesse . . 12 n 43 a 7,7 Martin Buber .... 10 n B 14 n 2,7 Knut Hamsun . . . 10 n 13 n 2,3 Jakob Wassermann . . 10 22 4 Stefan George .... 9 n „ 10 „ 1,7 Thomas Mann .... 9 a 24 9 4,5 R. M. Rilke..... 9 V 28 n 6 R. G. Binding .... 8 ' „ 9 „ 1.5 Stefan Zweig . . . 8 9 20 „ 3,3 J. Breuer...... 7 n 11 i, 2 Max Brod..... 7 % 14 2,5 W. Beumelburg . . . 6 n u 7 * 1,3 W. Flex ... . 6 ■ 20 w 3,3 M. Hausmann .... 6 " U 2 Paul Keller . . 5 n 7 » 1,3 H. v. Loon ..... 5 * n 9 1,5 R. Rolland...... 5 )> 7 1,3 F. Rosenzweig . 5 n 7 „ 1.3 B. Traven .'..... . 5 7 1,3 F. Werfel..... 5 n- 8 1,4 H. Carossa . . 4 11 1 2 E. Dwinger . . . 4 « n 13 n 2,3 Galsworthy .... 4 w „ 2 7) 0,5 Goethe...... 4 B n 8 n 1,4 H. Ibsen ...... 4 B » 9 1,5 0. Wilde...... 4 i) 10 n 1,7 E. Fleg..... 3 12 2,2 H. Löns . . . 2 7 1,3 A. Speyer . ... 2 ji » 7 1,3 70,1 Massenfertigung Umarbeitungen Pelzaufbewahrung Gr: Geüusslrflsse i Ecke RossmarM Lederjacken ^Jh%%\] MASSARBEIT aus ausgesuchtestem Material / VoIIchrom / Niedrigste Preise / Beste Referenzen Frau L u wiseh Elbestrasse 27 Uhren-Fuchs Inn. E. van Gelder EIL 65 LH. 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