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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1936-04-01 · 7 (4.1936) · p. Seite 281

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
14 (1935-1936)
Issue
7 (4.1936)
Date
1936-04-01
Page
Seite 281 (sequence 39)
Language
German
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Seite 281 Palästina-Transporte in Lifts und Sammelladung per Bahn und Rhein / Fachmännische Verpackung / ■• Lagerung / Versicherung. j angewiesen und umgekehrt dieser wieder auf den einzelnen Jugendlichen. Viele lehnten diesen Einheitshund, viele den tendenziösen Bund ah und gesellten sich zu den zahlreichen Gleichgültigen und Trägen, wie wir sie leider überall in erheblicher Anzahl auch heute noch antreffen. Ueher das sehr schwierige Problem dieser Nichtorganisierten wäre vielleicht einmal in einem zweiten Artikel zu sprechen. Die Erziehung und Schulung der Jugendlichen war im Wesentlichen in den Verbänden aller Richtungen die gleiche. Sie ging dahin, dem jungen Menschen das Verständnis für die Geschichte des Judentums und seine Religion zu erschliessen. Man übte die jüdischen Sitten und Gebräuche, gab Anregungen zu sozialer Arbeit und pflegte eine edle Form und Art der Geselligkeit. Auch für die Fortbildung der Jugendlichen wurde durch Einrichtung von Kursen, Sprachzirkeln, Arbeitsgemeinschaften und Büchereien viel getan. Die zionistischen Bünde verwandten naturgemäss mehr Sorgfalt auf die Erlernung und Beherrschung der hebräischen Sprache und vermittelten Kenntnisse über Palästina. Auf der anderen Seite stand die Arbeit der deutsch-jüdischen Bünde mehr unter den Forderungen ihrer assimilatorischen Einstellung zur Jugenderziehung. Schiller und Goethe wurden sicher ebenso oft behandelt wie Maimonides und die Midrasch-Literatur. Konnte man nun aus der Zugehörigkeit eines Jugendlichen zu einem Bund ohne weiteres einen Schluss auf seine Weltanschauung ziehen? Durchaus nicht! Wer, wie deV Schreiber dieser Zeilen, infolge bestimmter Berufsaufgaben mit der Arbeit sämtlicher Gruppen in engste Berührung kam und Gelegenheit hatte, das Gedankenleben vieler hundert Jugendlicher zu studieren, konnte erkennen, daß bei der Zuteilung des einzelnen zu einer bestimmten Gruppe und Richtung meistens der Zufall mitgewirkt hat. Auch spielten gesellschaftliche und soziologische Faktoren mancherlei Art hierbei eine Rolle. Es sprachen ferner die Erziehungsgrundlagen, die Beeinflussung im Elternhause, in der Schule, durch Freunde und Bekannte und nicht zuletzt die Ueberredung — „Das Keilen" — mit, und wenn nun die jungen Leute bei ihrem Eintritt in die Vereinigungen meist eine feste Weltanschauung nicht mitgebracht haben, konnte man verlangen, dass sie sich dort eine solche aneigneten? Man könnte an das Wort Schillers erinnern: ..Sieht er, DANIAI i €©. Abteilung für Auslandsumzüge Mainzerlandstr. 65 Telefon 30576. das hat er wohl erwogen, einen neuen Menschen hat er angezogen!" Aber war dieser „neue Mensch" auch in jeder Beziehung eingeschulter und gefestigter? Nach Abschluss der körperlichen Entwicklungszeit bleibt der junge Mensch geistig noch ein Unfertiger. Man darf seine anscheinend persönliche Entscheidung eher unter dem Gesichtspunkt einer mehr äusserlich betonten, uniformierter und innerlich kaum fundierten Gruppengesinnung betrachten. Wenn wir weiter sehen, wie leicht viele der älteren Menschen, durch Zeitgeschehnisse und Umstände beeinflusst, ihreWeltanschauung von Grund auf ändern, dann wird man der Behauptung nicht widersprechen, dass der jugendliche Mensch eine feste Weltanschauung nicht besitzen kann. Ist dieser Satz festgestellt, so ergibt sich aus ihm die zweite Schlussfolgerung, dass man keinem Angehörigen irgend einer Gruppe das Recht einräumen kann, auf Andersdenkende stolz herabzusehen xmd sich über sie zu erheben. Erst dem Geschichtsschreiber späteier Tage bleibt es vorbehalten, zu erforschen, wer „den echten Ring" besessen hat. Kann und soll man überhaupt von dem ^Jugendlichen eine feste Weltanschauung verlangen? Ist eine solche feste, für das ganze Leben gültige Weltanschauung überhaupt möglich, ja, auch nur erstrebenswert? „Im engen Raum verengert sieh der Sinn." Der Geist des Judentums ist so allumfassend, dass man wohl auf verschiedenen Wegen zu ihm gelangen kann. AJle Wege führen nach Rom und alle jüdischen Wege zum Judentum. Nicht auf das Wort kommt es so sehr an in unserer ernsten und gefahrvollen Zeit, — das Wichtige ist die stetige, ru^hige Arbeit und Kleinarbeit in Judaicis. Wer täglich beobachten kann, wie alle Glieder der Judenschaft im innersten Herzen doch von einem gemeinsamen Gedanken geleitet und getragen werden, kann in der Spaltung und Differenzierung kein Ideal erblicken, wohl aber in dem Streben zur gemeinsamen Arbeit. Eine Organisation, ein Zusammenschluss von Juden, ganz gleich ob Gemeinden, Logen, Jugendvei-bände u. s. w., die nicht das Trennende und kleinliche Moment in den Vordergrund ihrer Erwägun - stellt, sondern das Umfassende, Einheitliche und Gesamt-jüdische dürfte wohl jedem denkenden und fühlenden Juden als ein „Ziel aufs Innigste zu wünschen" erscheinen. Philipp Falkenstein 15 Jahre Sportverein Philanthropin Zur Juhiläumswoche im Mai Vor 15 Jahren, am 26. April 1921, wurde» der Sportverein Philanthropin mit Reinhold D r i e s e n, dem verstorbenen Sohn des Protektors, Oberstudiendirektor Dr. O. Driesen, an der Spitze', gegründet. Zunächst wurde nur Turnen, Leichtathletik und Tischtennis betrieben, denen später Fussball und Handball folgten. Man ging von der Idee aus, diesen Schulsportverein nur von Schülern und Schülerinnen führen zu lassen, also eine von jungen Menschen geschaffene Selbstverwaltung einzurichten. Später wurde eine Training.sie.itung durch Lehrer und Lehrerinnen eingesetzt. Im Verlaufe der weiteren Entwicklung erfuhr die Pflege der Leichtathletik, das Turnen und der Handballsport einen starken Auftrieb. Namen wie Norbert Jakob, Schaffner, Uhlfelder und Werner sind durch ihre Taten und Leistungen bis heute in dem Sportverein verwurzelt. Namentlich die Handball- Abteilung kam in den Jahren 1930/31 zu grossen Erfolgen und war lange Zeit die beste Jugendmannschaft im hiesigen Bezirk. Die allgemeine Krise, in erster Linie die Auswanderung vieler Führer und Sportler, hatte den Sportverein stark betroffen, es ist jedoch der heutigen Leitung — Kraus, Schönfeld, Kohn und Stelzer — vor einem Jahr gelungen, im entscheidenden Moment einzugreifen und den Verein sicher und ungefährdet auf den richtigen Weg zu bringen. In diesem letzten Jahr war ein grosser Mitglieder Zuwachs zu verzeichnen; heute zählt der Verein bereits über 600 aktive Mitglieder. Für Boxen, Ski und Wandern wurden neue Abteilungen gegründet, man rief die Handballabteilung (Jungens und Mädchen) wieder ins Leben, die Fussball- und Tischtennismannschaften verstärkten sich. Das Turnen unter der Leitung von Emil Stelzer bildet den Grundstock des Vereins. In der Organisation ist es dem heutigen Geschäftsführer Schönfeld in kurzer Zeit gelungen, einen geordneten Gang zu erzielen. Im einzelnen weisen die Abteilungen folgende Stärke auf: Turnabteilung (grosse Jungens): 90 Mitglieder; Turnabteilung (kleine Jungens): 40 Mitglieder; Turnabteilung (grosse Mädchen): 90 Mitglieder; Turnabteilung (kleine Mädchen): 40 Mitglieder; Fussballabteilung: 150 Mitglieder mit 5 Mannschaften; Handballabteilung (Jungens): 30 Mitglieder mit 2 Mannschaften; Handballabteilung (Mädchen): 40 Mitglieder mit 2 Mannschaften; Boxabteilung 30 Mitglieder; Tischtennis: 60 Mitglieder mit 6 Mannschaften; Ski-Wanderabteilung: 30 Mitglieder. Im Frühjahr soll ferner die Leichtathletik aufgenommen werden.

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