Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 14 (1935-1936)
- Issue
- 7 (4.1936)
- Date
- 1936-04-01
- Page
- Seite 263 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3094266-3094426-3094433--5151-3099959- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 263 Im Ausbildungslehrgang für jüdische Kindergärtnerinnen und Hortnerinnen, Berlin, der von der Reichsvertretung der Juden in Deutschland Abt. Zentralwohlfahrtsstello und dem Jüdischen Frauenbund eingerichtet ist, sind für den Mitte April 1936 beginnenden 2. Lehrgang noch einige Plätze frei. Der Lehrgang ist staatlich genehmigt und dauert zwei Jahre. Voraussetzung für die Aufnahme ist:; 1. die Vollendung des 1 7. Lebenswahres, 2. Obersekundareife oder Zeugnis über den erfolgreichen Besuch einer sechsklassigen Mädchenmittelschule, 3. haus wirtschaftliche Schulung. Falls die hauswirtschaftliche Schulung nicht in einer anerkannten Haushaltungsschule erworben wurde, ist eine hauswirtschaftliche Aufnahmeprüfung abzulegen. Die Ausbildungskosten betragen monatlich Rm. 25.— und für Materialgeld Rm. 3.— Es besteht evtl. die Möglichkeit, dass auswärtige Schülerinnen in dem mit dem Seminar verbundenen Internat bei einem Pensionspreis von Rm. 55.— monatlich wohnen können. Aufnahmegesuche, die einen selbstverfassten Lebenslauf, sowie das Abgangszeugnis der Schule bezw. Zeugnisse über die bisherige Ausbildung umfassen sollen, sowie alle Anfragen sind an Dr. jur, Julius Sonn Beratung von Auswanderern u. Durchführung aller Formalitäten, sowie Transferanträge Steuer-, Rechtsu. Devisensachen Frankfurt a. M., Horst Wesselplatz 14, U — Tel. 22798 die Geschäftsstelle: Reichsvertretung der Juden in Deutschland, Abtl. Zentral wohlfahrtssteile B e r 1 i n - C h a r 1 o 11 e n b u r g 2, K a n t s t r. 15 8, zu richten. * Die Reichsvertretung der Jxiden in Deutschland und die Vertretung der Unabhängigen Jüdischen Orthodoxie Deutschlands teilen mit: Reichsvertretung der Juden in Deutschland und Vertretimg der Unabhängigen Jüdischen Orthodoxie Deutschlands haben eine Vereinbarung getroffen, auf Grund deren die Vertretung jüdischer allgemeiner Belange gegenüber den zuständigen Stellen durch die Reichsvertretung erfolgt. In religiös-kulturellen Belangen vertritt die Vertretung der Unabhängigen Jüdischen Orthodoxie ihre Interessen, wenn eine Verständigung mit der Reichsvertretung nicht erfolgt, selbständig. Nach innen bleibt die Selbständigkeit der Vertretung der Unabhängigen Jüdischen Orthodoxie durch dieses Abkommen unberührt. Eine stetige loyale Fühlungnahme der Reichsvertretung und Vertretung der Unabhängigen Jüdischen Orthodxie, sowie eine Teilnahme von Vertretern der Vertretung der Unabhängigen Jüdischen Orthodoxie an Beratungen über Zuschüsse an Gemeinden und Institutionen der Vertretung der Unabhängigen Jüdischen Orthodoxie ist vorgesehen. Kranken-Versicherung Versicherungen aller Art MAX MANSBACH Bruder Erimmstrasse 7—Tel. 47277 Persönliche Nachrichten Marcus Tannenbaum s. A. Kaum in das 70. Lebensjahr eingetreten und von grossem Freundes- und Verehrerkreis gefeiert, ist Marcus Tannenbaum am 6. März 1936 (12. Adar) nach schwerer Krankheit den Seinen und der ganzen Gemeinde durch den Tod geraubt worden. Ein Leben, derFamilie und der Gesamtheit gewidmet, ganz Selbstlosigkeit und Uneigennützigkeit, hat damit ein Ende gefunden. Die Kuranstalt für Israeliten in Bad Soden a. I., die Jüdische Haushaltungsschule, der Verein „Gegenseitigkei t", der J ü d is c h e Arbeitsnachweis, die Frankfurt -Loge — sie alle haben durch seinen Heimgang einen sehr empfindlichen, herben Verlust erlitten. Nicht nur die unermüdliche Tätigkeit des Entschlafenen, sein reges Interesse für alle Einzelheiten und Einzelfälle der Anstalten und Wohlfahrtsbestrebungen, — vor allem das warme Herz, das unbedingte Gerechtigkeitsgefühl, die aufopfernde. Hingabe an die Werke der Menschenliebe, alle diese Vorzüge des Verblichenen sind beispielgebend und weiden in der nun gerissenen Lücke tief empfunden werden. Wohl am meisten aber verliert in Marcus Tannenbaum die Synagoge Unterlindau, in der er fast ein Jahrzehnt dem Vorstand, in den letzten Jahren als Vorsitzender, angehörte. Mit ganzem Herzen, mit seiner ganzen tiefen Frömmigkeit, mit natürlicher Vornehmheit, mit voller Hingabe seines Ichs verwaltete er dieses Amt, versäumte keinen Gottesdienst, hielt seine Würde und Ordnung aufrecht; er war ein Parness Manhig von echtem Schrot und Korn. Er betete mit inniger Andacht und leitete seine Gemeinde zu diesem wahren K i d - dusch Haschern. Sie liebte auch ihn und achtete und würdigte den schnell erkannten Wert seiner Persönlichkeit und seines Wirkens. Am Sonntag, den 15. März 1936, veranstaltete man "Marcus Tannenbaum zu Ehren die am Grabe des Purimfestes halber unterbliebene Trauerkundgebung. Nach einem Chorgesang und einer gross angelegten Wüixligung dieses schweren Verlustes durch Gemeinderabbiner Dr. Jakob Horovitz kamen die Vertreter den^ oben, genannten Verwaltungen zu Wort, um dem grossen Schmerz Ausdruck zu geben, der durch den Heimgang dieses Mannes die Herzen aller, die ihn kannten und ihn ob seiner Verdienste achteten, ergriffen hat. — Mit dem „El Mola rachamim" von Kantor Gerlich ergreifend vorgetragen, schloss die eindrucksvolle, stark besuchte Gedenkstunde. 80. Geburtstag 1. April 1936: Frau Minna Katz Wwe. gel). Wertheim, Bettinastrasse 64 15. April 1936: Hugo Schlesinger, Staufenstrasse 28 Paul Oppenheimer Am 17. März beging der Musiklehrer Herr Paul Oppenheiiner seinen 70. Geburtstag. Die meisten seiner jungen Schüler, die Woche für Woche zu ihm kommen, werden kaum bemerkt haben, daß Dir Lehrer auf sieben Jahrzehnte zurückblickt — so frisch, so temperamentvoll lehrt und geigt er. Sie werden aber auch kaum wissen, daß dieser eifrige Pädagoge keineswegs immer der musikalischen Erziehung der Jugend sich gewidmet hat, sondern in jungen Jahren als Meister seines Instruments konzertierte und gereifte Geiger weiterbildete. Unter grossen Opfern hat es dieser Sohn eines Musikalienhändlers aus Hameln zu einem Meisterschüler des Virtuosen Joachim gebracht, von dem er nach kurzer Lehrtätigkeit an der Kgl. Hochschule für Musik in Berlin auf eine Konzert-Tournee nach England geschickt wurde. Diese Reise sollte ihm zum Schicksal werden. Vom Inselreich angezogen, machte er sich in London sesshaft und verbrachte dort 20 erfolgreiche Jahre als Dirigent und Solist. Auf einer Urlaubsreise wurde er in seiner Heimat vom Weltkrieg überrascht und begann hier von neuem eine musikalische Wirksamkeit, diesmal als Lehrer. Viele Frankfurter sind durch seine Schule gegangen und da ihm.und ihnen der stundenweise Unterricht nicht genügte, gründete er ein Jugendorchester, das später, als seine Mitglieder erwachsen waren, „Neue Philharmonie" umgenannt wurde; kurz nachdem er von der Leitung zurückgetreten war, endete auch das Werk. Aber von neuem kamen junge Schüler zu ihm und in ihrer Mitte durfte er ein neues Lebensjahrzehnt beginnen. J. S. Rabbiner Dr. Salomon Stein zum 70. Geburtstag Am 27. März vollendete Herr Rabbiner Dr. Salomon Stein sein siebzigstes Lebensjahr. Rabbiner Dr. Stein war bis vor wenigen Jahren Bezirksrabbiner in Schweinfurt a/Main und hat sich dann in unsere Stadt und in unsere Gemeinde zurückgezogen. Mit allen Kreisen seiner ihm in Verehrung und Liebe anhängenden Gemeinde nehmen auch die Mitglieder unserer Gemeinde, denen es vergönnt ist, dem edlen und vornehmen Mann hier zu begegnen, von Herzen gern den freudigen Anlass wahr, dem Jubilar ihre