Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 14 (1935-1936)
- Issue
- 7 (4.1936)
- Date
- 1936-04-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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FRANKFURTER ISRAELITISCHES Amtliches Organ der Israelitischen Gemeinde Das Gemeindeblatt erscheint monatlich. Bezugspreis für Gemeindemitglieder vierteljährlich 45 Epfg. (einschl. Zustellungs- und Erhebungskosten). — Preis der Einzelnummer 25 Epfg. — Jahresbezug für Nichtmitglieder der Gemeinde EM. 3.- zuzüglich Porto. — Schriftleitung: Fahrgasse 146; Fernsprecher: SammelnummerH. 27544. — Postscheckkonto: Frankfurt a. M. 33521. — Anzeigenverwaltung: M. Isaac & Co., Eeineckstr. 17/19, Telefon: 24888. — Anzeigen nach Tarif. — Anzeigenschluss für die nächste Nummer: 23. April 1936 — Die Schriftleitung übernimmt für den Inhalt des Gemeindeblattes nur die preßgesetzliche Verantwortung. Nachdruck nur mit Erlaubnis -der Schriftleitung gestattet. 14. Jahrgang Frankfurt a. M., April 1936 Nr. 7 Die Jüdische Winterhilfe dankt! Nach Abschluss eines Werkes, das für die jüdische Gesamtheit ein Prüfstein für Einsatzbereitschaft und Opferwille war, ist es uns ein Bedürfnis, allen zu danken, die es uns ermöglicht haben, die uns gestellten schweren Aufgaben zu erfüllen. Wir dürfen mit Genugtuung bekennen, daß es dank der Opferbereitschaft aller Kreise unserer Gemeinschaft gelungen ist, das Versprechen einzulösen, das wir am Anfang unserer Arbeit gegeben haben: kein Bedürftiger blieb in dieser Zeit, in der wir im Kampf gegen Wintersnot zum ersten Male auf uns gestellt waren, ohne unsere Hilfe. Frankfurt a. M., den 31. März 1936 Jüdische Winterhilfe Frankfurt am M.ain Sanitätsrat Dr. Ettlinger Philipp Posen Die Haggadah von Sarajewo als religiöses Kunstwerk von Dr. Arthur Galliner Die „Haggadah von Sarajewo", eine Pergamenthandschrift von massiger Grösse (22 x 16 cm), kam aus deci - Besitz einer alten spaniolischen Judenfamilie im Jahre 1894 in das Landesmuseum von Sarajewo; wenige Jahre später wurde sie von David Heinr. Müller und Julius v. Schlosser wissenschaftlich untersucht und ihr Bilderschmuck in Lichtdrucken publiziert. Diese Publikation — 1898 erschienen — bildet in Verbindung mit einer Abhandlung von Prof. Dr. David Kaufmann über „Jüdische Handschriftenillustration" den Anfang und den Anstoss zur Erforschung der Haggadah-Handschriften und der hebräischen illuminierten Handschriften überhaupt, eine Forscherarbeit, die bereits zu wertvollen Ergebnissen und Erkenntnissen kunst- und kulturhistorischer Art geführt hat; doch bleiben hier noch bedeutende Aufgaben zu lösen. Im folgenden soll von dieser berühmten Haggadah, die mit Recht als eine der ältesten und reichsten bezeichnet wird, unter einem besonderen Gesichtspunkt die Rede sein. Unsere Feste, die wir als Juden feiern, sind in ihrem innersten Wesen religiöser Natur, nicht nur die „Jomim nauroim", die „erhabenen Tage", die. der Selbsterkenntnis und Selbstläuterung, der Versöhnung mit Gött und Menschen dienen, sondern auch die Feste mit historischen Erinnerungen. Denn nicht, was Israel geleistet, sondern was Gott an Israel getan, wird mit Dank und Erhebung gefeiert. Daher musste auch alles, was dem religiösen Geist dieser Feste entströmte und wiederum rückwirkend zu ihrer Gestaltung und Verschönerung beitrug, durchaus religiösen Charakter haben: Gebet und Gesang, Zeremonie und Gerät, alles, was an Kunst dem Kultus sich innerlich verband und ihm die besondere durch Tradition geheiligte Form verlieh, nicht nur, die musikalisch-hörbare sondern auch die sichtbar-bildhafte Form. All dies ist erfüllt von religiösem Leben: denn es ward, sofern es überhaupt echt ist, aus religiösem Erleben geboren. Unter allen Festen aber hat das Pessachfest am meisten eine anschaubare und künstlerische Formung erfahren, weil hier Symbole in grösserer Zahl zur bildmässigen Gestaltung drängten, und weil ein wesentlicher Teil der Festesfeier schon von alters her in den engeren Rahmen eines Familiengottesdienstes gespannt ward, der die Einzelbilder zu einer Einheit zusammenfasste. Und die Agende für die häusliche Feier, die Haggadah, als unmittelbarer Niederschlag einer jahrhundertelangen Entwicklung dieser religiös-kultischen Handlung wird zugleich köstlichstes Zeugnis für das Werden künstlerischen Gestaltens aus der Kraft religiösen Erlebens. Nicht so, dass nun jede Illustration von Haggadah-Handschriften — es gibt deren