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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1936-03-01 · 6 (3.1936) · p. Seite 238

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
14 (1935-1936)
Issue
6 (3.1936)
Date
1936-03-01
Page
Seite 238 (sequence 36)
Language
German
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Seite 238 weil nur dadurch, daß es das ist, es das Land auch unserer Kiuder sein kann. Keine Partei und keine Bewegung kann allein das Recht auf Palästina geltend machen, sondern jeder, der die Täter des Judentums als die seinen anerkennt, hat die Pflicht, in Palästina, an Erez Israel, bauen zu helfen. Und trotzdem wird es doch niemals so sein können, daß Judentum und Judenland auf Gedeih und Verderb verbunden werden. Jedes Territorium untersteht den ehernen Gesetzen der Geschichte. Wie wir wissen, macht auch Palästina keine Ausnahme Das Juden - „Volk" hat aber im Lauf seiner jahrtausendewährenden Geschichte bewiesen, daß es nicht wie andere Völker irgendeiner Gesetzmässigkeit folgt, sondern, daß es, soweit wir Mensehen diesen Begriff überhaupt anwenden können, ewig ist. Schon darin scheidet sich demnach das Volk der Juden von jedem anderen Volk. Wir dürfen dieses Judentum nun,- wollen wir seinen Ewigkeitscharakter wahren, nicht fest an dieses Land knüpfen. Wir brauchen zwar das Land zur Kräftigung unsres Volkscharakters, zur Zentralisierung unserer kulturellen Produktivität; wir brauchen aber ebensosehr die grosse Welt und in ihr jüdische Menschen, um dem Judentum seine Ewigkeitswerte zu erhalten, um es nicht zu einem „Nur" Volk werden zu lassen. Es ist nicht wahr, daß im heutigen Judentum nur der Landarbeiter gelte! Wir brauchen den Chaluz, gewiss, aber nicht, daß jemand den Spaten führt, ist entscheidend, sondern, warum er ihn führt. Wahre Chaluziuth ist nicht nur an den Acker, ist auch an die Sterne gebunden (Buber). Die Verbindung finden zu den Vätern, sein „Woher?" erkennen, das ist Hachschara, diesen Weg der Väter konsequent weitergehen zur Verwirklichung, das ist Chaluziuth. Lieber Heinz Bier! Ich weiss, daß vieles an dem, was ich sagte, vielen problematisch sein muß. Du musst mich verstehen, weil wir aus der gleichen Quelle getrunken haben. Wenn Du immer weisst, woher du kommst, wenn Du immer in Liebe unsrer Lehrer und ihrer Lehren gedenkst, dann braucht Dir um das „Wohin?" nicht bange zu sein. Dein Hans Grünewald Der Haschomer Hazair Viele kennen unseren Bund kaum, wissen nicht um seinen Weg und sein Ziel. Doch allmählich beginnt unser Bund, grösseren Einfluss auf die jüdische Jugend Deutschlands auszuüben und in ihr einen wichtigen Platz einzunehmen. Das letzte Jahr brachte unserem Bund ständigen Aufschwung. Als älteste jüdische Jugendbewegung sind wir 1913 in Polen entstanden. Wir zählen heute fast 70 000 Mitglieder in 28 Ländern und haben in Palästina 3000 Chawerim in 30 Kwuzoth organisiert. Der Haschomer Hazair hat im Laufe seiner 22 jährigen Entwicklung viele Wandlungen durehgemaeht. Aus der Empörung gegen alles Bestehende suchte er zuerst, in Anlehnung an die deutsche Jugendbewegung, ein Eigenleben der Jugend zu entfalten, das seinen Ausdruck in romantischen Fahrten mit hochauflodernden Feuern fand Von einem nach Badeb PoweFschen Muster aufgebauten Pfadfinder-Organisation entwickelte er sich bald zu einer „freien" Jugendbewegung, die sich an keine nationalen und gesellschaftlichen Forderungen gebunden fühlte. Frühzeitig erkannten wir, daß die Lebensgrundlagen des jüdischen Volkes, insbesondere der Jugend, in fast allen Ländern erschüttert sind. Wir erkannten, daß die anormale Situation der Juden ihren Hauptausdruck in ihrer ungesunden beruflichen Struktur und der geistigen Wurzellosigkeit fand, deren beider Eigenart die Entfernung von der produktiven körperlichen Arbeit und vom eigenen Lande ist. Auf der Suche nach einem geeigneten Land stösst das jüdische Volk auf das Land, aus dem es einst vor Jahrtausenden vertrieben worden war und nach dem es sich immer wieder gesehnt hatte. Dieses Land ist Palästina. Kein Land wie andere Immigrationsländer, in denen durch Zuzug von Juden wieder Judennot entsteht. Bevor Palästina aber fähig ist, seine Aufgaben zu erfüllen, müssen Oedland und Sümpfe urbar gemacht, muß der Kern einer jüdischen Bauern- und Arbeiterschaft geschaffen werden. Diese Pionieraufgaben kann nur die Jugend übernehmen, nur sie hat die innere Kraft und Elastizität zur Umschichtung und zur Ueberwindung aller Hindernisse. Wenn viele Jugendbewegungen scheiterten, weil ihnen keine besonderen gesellschaftlichen Aufgaben gesetzt waren, ist es beim Haschomer Hazair kein Zufall, daß er sich zu einer grossen, erzieherischen Jugendbewegung entwickelte. Er fand das Feld seiner Betätigung vor, sowie den Rahmen der Verwirklichung seiner ethischen Ideale. Wir glauben nicht mehr an die liberale Vorstellung, die gesellschaftliche Ideale im privaten Leben verwirklicht wissen will, ohne daß sie in den festen Rahmen einer Gemeinschaft eingeordnet werden. Unser Zionismus kann nur bedeuten: Zionismus der Verwirklichung — Chaluziuth. Unser Streben nach menschlicher Erneuerung kann nur bedeuten: die Schaffung einer neuen Gemeinschaft. Die Synthese zwischen unseren Idealen und den objektiven Aufgaben ist der Kibuz, der eine eigene Schöpfung der Jugend und, der die organische Fortsetzung unseres Bundeslebens ist. Auf allen Gebieten des Schaffens und des Kampfes bewährt sich der Kibuz als Pionier des Aufbaus. Er ist der Pionier der nationalen Kolonisation, der Urbarmachung, Intensivierung und Vergrösserung der jüdischen Landwirtschaft. Dank dem Prinzip der gegenseitigen Hilfe und Verantwortung, kann er unabhängiger von Konjunktur, Krise und Arbeitslosigkeit sein und damit gewährleistet er eine fast ununterbrochene Alijah. Er ist ein wesentlicher Faktor in der Belebung der hebräischen Kultur, er schweisst die verschiedenen kulturellen Strömungen zu einem einheitlichen Ganzen zusammen. Aber nur dem Kibuz wird es gelingen, Prototyp einer zukünftigen, gerechten Gesellschaftsordnung zu sein, der in seiner zahlenmässigen Begrenzung, in seinem t organisch-gesellschaftlichen Aufbau und in seiner gemeinsamen geistigen Grundhaltung sowohl den subjektiven Bedürfnissen seiner Träger, als auch den objektiven Notwendigkeiten des Aufbaus entspricht. Nur eine Erziehung zum Kibuzleben kann das ununterbrochene Wachstum einer Bewegung gewährleisten, die, wie die Kibuzbewegung, hohe Forderungen an das Pioniertum des Menschen und seinen Willen zur Verwirklichung stellt. Unsere erzieherische Vorstellung entspringt den Werten der Jugendbewegung, der freien Entwicklung der Jugend zu einem selbstgewählten Ziel. Demnach können wir uns auch nicht mit einem Bekenntnis oder der Anerkennung unserer Richtung begnügen und fordern von jedem eine persönliche Entscheidung zu einer restlosen Selbst Verwirklichung. Wir glauben, daß die Pfadfindererziehung — einer der wesentlichsten Beiträge zur Gesamtbewe'gung der modernen Jugenderziehung — uns am besten zum Ziele verhilft. Sie ist ein wertvolles System der Erziehung zur Arbeit und Gemeinschaft. Wir können aber nicht das pfadfinderische Leben anderer Völker übernehmen, sondern müssen ihm eine Form geben, die unserem jüdischen Leben in Palästina und unseren Auffassungen entspricht. Wir haben die Tdeen der englischen Pfadfinder und die der deutschen Jugendbewegung zu einer Einheit verbunden, die eine höhere Stufe darstellt. Diese Erziehung nennen wir Zofiuth. Drei Dinge betonen wir an der Zofiuth: 1. Eine bestimmte pfadfinderische Haltung, Pflichtbewusstsein, Selbstbeherrschung, Hilfsbereitschaft, Wahrhaftigkeit, Mut. AustANPS uMzuGB RHEINVERKEHR Palästina-Transporte in Lifts und Sammelladung per Bahn und Rhein / Fachmännische Verpackung / Lagerung / Versicherung G. M. ___B. H. (Geschäftsführer: Albert Herz) Frankfurt am Main, Mainzer Landstrasse 65

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