Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 14 (1935-1936)
- Issue
- 6 (3.1936)
- Date
- 1936-03-01
- Page
- Seite 228 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 228 KAUFEN SIE x Herrenwäsche, Damenwäsche, nnderwflscbe, Dowalten, Biüe-Irülel, Strumpfe, eandscbnhe / Wollwaren i Modewaren i m Spezi alha us 1^1*111*1111 S Sf frOttZbeUII ZEIL 93 u. Stadt-Filialen •eines regen Besuches. Ueber 20 Arbeiten wurden preisgekrönt. — Gemeinderabbiner Dr. Ephraim Carlebach in Leipzig scheidet aus Gesundheitsrücksichten aus seinem Amte. Er wird in nächster Zelt nach Palästina übersiedeln. England. Generalmajor Sir Neill Malcolm, der soeben vom Völkerbundssekretariat die Verständigung erhalten hat, dass er zum Oberkommissar für die ausDeutschlandAusgewanderten ernannt worden ist, gewährte eine Unterredung, in der er sich über die mit seinem neuen Amt verbundenen Aufgaben äusserte. Sir Neill bemerkte einleitend, er habe seine Arbeit bereits aufgenommen, und stellte sodann fest, dass seiner Auffassung nach das Oberkommissariat mit der : wirtschafts- und berufsfürsorgisehen Seite des Auswandererproblems nichts zu tun haben soll. Dieser Teil der Arbeit solle vielmehr durchaus den Privatorganisationen für Auswandererhilfe überlassen bleiben. Ich werde mich, erklärte der Oberkommissar, ausschliesslich mit den politischen und rechtlichen Fragen befassen, die Personen, sobald sie bereits ausgewandert sind, betreffen. Das heisst, dass ich mit den inneren politischen Verhältnissen Deutschlands nichts zu tun habe. Andererseits be'fasst sich der Völkerbund nur mit dem politischen und rechtlichen Status der Mensehen nach ihrer Auswanderung. Er befasst sich dagegen nicht mit ihrer wirtschaftlichen Lage, um die sich Institutionen zu kümmern haben, die wir als philanthropische oder fürsorgerische bezeichnen können. Es wird eine deutliche Abgrenzung der Arbeitsgebiete stattfinden. Das, was der Völkerbund tun will, ist weit entfernt von dem, was früher der Völkerbundskommissar getan hat. Zum Schluß erklärte Sir Neill. daß die ersten Massnahmen, die er nunmehr treffen werde, im Zusam raeuhang stünden mit der zwischenstaatlichen Regierungskonferenz, deren Einberufung zwecks Behandlung der Auswandererfrage in Zukunft der Völkerbundsrat beschlossen hat. Oberkommissar Malcolm wird in Genf ein Büro haben, glaubt jedoch daß er. sich vorwiegend in London aufhalten wird. — Der Weltverband-für religös-liberales Judentum hat sich an Rabbiner Dr. Max Dieneman'n mit dem Ersuchen gewandt, eine Palästinareise zwecks Peststellung der Bedingungen für die Entwicklung . moderner religiöser. Formen in Palästina zu unternehmen. — Unter dem Titel „Palestine" beginnt ein von einer Gruppe prominenter 'Juden und Nichtjuden gegründete Wochenschrift zu erscheinen, die sich um die Förderung einer englisch-jüdischen Verständigung in Bezug auf Palästina bemühen wird. Der Londoner Verband jüdischer Wohlfahrtsorganisationen hat einen Hilfsfonds für die hungerleidenden Juden Bessarabiens ins Leben gerufen. — Der Oberrabbiner des britischen Reiches Dr. J. H. Hertz, hat von dem Vorsitzenden des Allgemeinen deutschen Rabbinerverbandes und Präsidenten der Reichsvertretung der Juden in Deutschland, Rabbiner Dr. Leo Baeck, folgende Botschaft erhalten: Es ist mir ein Bedürfnis, es Ihnen auszusprechen, wie innig auch die Juden in Deutschland die tiefe Trauer empfinden, von der alle Juden im Britischen Reich jetzt erfüllt sind. Die ganze Welt beklagt den Heimgang von König Georg V., durch dessen Person sich alle Gebiete und alle Menschen in dem grossen Reich geeint wussten. und der überall als die Verkörperung dessen * dastand, was seit Altem edel, gut und stark im englischen Volke ist. Sein Andenken ist gesegnet. — Im Namen der jüdischen Gemeinden des britischen Weltreichs hat Oberrabbinsr Dr. J. H. Hertz an die Königin-Witwe Mary ein Telegramm gerichtet, das dem Beileid der Judenheit des Reiches, und ihrer t:efen Trauer über den Tod des Königs Ausdruck gibt. Königin-Witwe Mary hat daraufhin an den Oberrabbiner folgendes Danktelegramm gesandt: „Ich weiss Ihre freundliche Botschaft des Mitgefühls bei meinem schweren Verlust tief zu schätzen. Bitte übermitteln Sie meinen aufrichtigen Dank an alle Ihre Gemeinden." — Während der Beisetzungsf eierli^hkeiten für König Georg V. wurden in allen Synagogen Englands Gottesdienste abgehalten, bei denen ein vom Oberrabbiner des britischen Reiches Dr. j. H. Hertz zu diesem Anlass verfasstes Gebet gesprochen wurde. Oberrabbiner Dr. Hertz leitete den Gottesdienst, der in der Londoner Grossen Synagoge stattfand. Besondere Gedenkgottesdienste wurden ausserdem abends in allen Londoner Synagogen abgehalten. Frankreich. Dem neuen, von dem radikalen Senator Albert .Sarraut gebildeten französischen Kabinett gehören drei Juden als Mitglieder an. Georges Mandel, der auch im Kabinett Laval Postminister war, hat dieses Portefeuille behalten Er sollte bei einem Misslingen der Mission Sarrauts mit der Bildung der Regierung betraut werden. Der unabhängige Deputierte Jacques Stern ist Minister für die Kolonien in dem neuen Kabinett, Pierre Mazet Unterstaatssekretär für Hygiene im Ministerium des Innern. — Präsident Lebrun hat am 24. Februar den Vorsitzenden des Comite France-Palestin e, Senator Justin Godart, und den Vertreter der Jewish Agency beim Völkerbund Dr. Goldmann in längerer Audienz empfangen. Präsident Lebrun erklärte sich bereit, den Ehrenschutz über das Comite France- Palestine zu ,übernehmen. — Zum Präsidenten der Alliance Israölite Universelle ist als Nachfolger des verstorbenen Professors Dr. Sylvain Levi der bisherige Vizepräsident der Allliance und Mitglied des Verwaltungsrates der Jewish Colonisation Association (ICA), Prof. Dr. Arnold Netter, gewählt worden. — Im Rahmen ihrer im Jahre 1936 fortgeführten Aktion hat HICEM für die ersten drei Monate einen Plan zur Weiterleitung von 409 Auswanderern aus Deutschland aufgestellt. 366 von diesen gehen nach Uebersee, 30 werden in Europa, etabliert und 13 in die Heimatländer zurückgeführt. — Kurz vor Vollendung seines .100. Lebensjahres ist in Paris der Rabbiner der dortigen orthodoxen jüdischen Gemeinde, Moritz Weiskopf, gestorben. Am 19. Februar 1836 in Aub/Bayern geboren, bekleidete Weiskopf seit fünfündsiebzig Jahren das Rabbineramt. Seih 100. Geburtstag sollte demnächst feierlich begangen werden. Die französische Regierung hatte ihn aus diesem Anlass schon vorher durch Ernennung zum Ritter der Ehrenlegion ausgezeichnet. Italien. Der bekannte jüdische Komponist Heinrich Schalit, der jetzt als Leiter des Synagogenchors der grossen Synagoge in Rom lebt und vor kurzem seinen 60. Geburtstag feierte, hat seine neueste Komposition, die „Chassidischen Tänze", dem Ministerpräsidenten Benito Mussolini mit einer entsprechenden Widmung überreicht. Mussolini hat Heinrich Schalit ein warmes Anerkennungsschreiben für dieses auf italienischem Boden entstandene Tonwerk, das demnächst im römischen Rundfunk aufgeführt werben soll, gesandt. — Das italienische Unterrichtsministerium hat der jüdischen Musikforscherin und Leiterin der Bibliothek an der Musikakaderaie „Santa Cecilia" in Rom, Maddaleha Pacifico,. den Titel „Benemerita della Musica Italiana" (Verdient um die italienische Musik) verliehen. Maddalena Pacif ico hat vor kurzem in der städtischen Bibliothek von Mantua unbekannte Kompositionen des berühmten italienischen Tondichters Claudio Monteverdi entdeckt. Oesterreich. Im 72. Lebensjahr ist der. Wiener Nervenarzt und Universitätsprofessoi Dr. Johann Paul Karplus einem Herzschlag erlegen. Ungarn. Der Reichsverweser hat dem Budapester Advokaten Dr. Josef Spitzer, einem verdienten Mitgliede des hauptstädtischen Judentums, Ausschussmitglied der Pester Israelitischen Kültusgemeinde und Mitarbeiter am Palästina-Werk, den Titel eines Oberregierungsrates verliehen. — Im Alter von 75 Jahren starb in Budapest der Reichstagsabgeordnete Paul Sandor. Amerika. In Cincinnäti wurde die Konferenz des Joint Distribution Committee eröffnet,.auf der die Kampagne zur Aufbringung von 372 Millionen Dollar im Jahre 1936 proklamiert wurde. Auf der.Konferenz.wurde eine Erklärung über die Stellungnahme des Joint zu den Vorschlägen der Samuel-Delegation abgegeben. In dieser Erklärung wird betont, daß die in dem Projekt -vorgesehene Aufbringung von 10 Millionen Dollar im Laufe von vier Jahren einen Bestandteil des Programms der bereits vorhandenen Organisationen bilde. Es werde daher nicht notwendig sein,, einen besonderen Drive zur .Verwirklichung dieses gemeinsam mit dem englischen Judentum durchzuführenden Projekts zu veranstalten. — Der Senator William H. King aus Utah befasste sich im amerikanischen Senat mit der Lage der-