Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 14 (1935-1936)
- Issue
- 6 (3.1936)
- Date
- 1936-03-01
- Page
- Seite 227 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 227 Für das Frühjahr NEUE WOLLu. SEIDENSTOFFE Neue Farben, moderne Gewebe für Kostüme, Complets, Kleider und Mäntel grosse, Auswahl, gute Qualitäten vorteilhafte Preislagen! toewmthül Segr. 1870 An der Hauptwache wurde die für drei Tage anberaumte erste Reichskonferenz der / Vereinigung polnischer Juden in Deutschland in dem / Grossen Saal des Berliner Logenhauses feierlich eröffnet. An / den Beratungen nehmen etwa 50 Delegierte als Vertreter von/ 35 Einzelorganisationen und Gruppen teil. Zu der Eröffnungs-^ Sitzung waren eine Vertretung der Berliner polnischen Botschaft und des Generalkonsulats sowie Vertreter der jüdischen Spitzenverbände erschienen. — Am 1. März verlässt der Hauptschriftleiter des „Israelitischen Familienblattes", Dr. Alfred Kupferberg, seine bisherige Wirkungsstätte, um als Vertreter des Famlienblattes nach Palästina zu gehen. — In den Nachmittagsstunden des 9. Februar starb nach schwerem Leiden Dr. Ludwig Hol' ändernder frühere Direktor des Central-Vereins. Mit ihm ist eine Persönlichkeit dahingegangen, die jahrzehntelang im jüdisch öffentlichen Leben eine hervorragende Rolle gespielt hat. Schon seit seiner Studien- und Referendarzeit galt sein Hauptinteresse der Wahrnehmung der Rechte der Juden in Deutschland. Seit 1908 Syndikus des Central-Vereins und später dessen Direktor, trat er mit Rücksicht auf sein schweres Leiden im Jahre 1933 in den ■ Ruhestand. Als Leiter des Central-Vereins beeinflusste Ludwig Holländer in starkem Masse die ideologische Grundrichtung des Vereins und die von ihm herausgegebene Monatsschrift „Im Deutschen Reich", die im Jahre 1922 in die G.-V.-Zeitung umgewandelt wurde, deren verantwortlicher Schriftleiter und später Hauptsehriftleiter Ludwig Holländer wurde. Die im Jahre 1919 erfolgte Gründung des Philo-Verlages geht auf Ludwig Holländer zurück. In der studentischen Bewegung stand er als erster Vorsitzender des Geschäftsführ.enden Ausschusses des K. C. (Kartell-Konvent) an führender Stelle. Er gehörte auch dem Geschäftsausschuss der Grossloge für Deutschland als Mit- . giied an. — Breslau. Im Jahresbericht des Jüdisch-Theologischen / Seminars in Breslau wird mitgeteilt, daß in der zweiten Hälfte / des Berichtsjahres 1935 insgesamt 32 ordentliche und 9 ausseri ordentliche Hörer an der Anstalt studierten. An Stelle des Seminarrabbiners Dr. Rabin, der nach Erez Israel übergesiedelt ist, haben die Rabbiner Dr. Ochs-Gleiwitz, Dr. Wahrmann-Oels sowie Dr. Urbach Vorlesungen gehalten, so daß der Vorlesungsbetrieb in vollem Umfange aufrecht erhalten blieb. Bereits zu Beginn des vergangenen Jahres wurden Kurse zur Vorbereitung für die j Aufnahme in die Lehrerseminare Palästinas gegründet. — Unter / den jnit dem Bialik-Preis der Bialik-Stiftung der Hebräj ischen Universität in Jerusalem Ausgezeichneten befindet sich \ ein ehemaliger Schüler des Breslauer jüdischen Reformreal-Gymnasiums, Schaul Benjamin Robinsohn. Er hat den Bialik-Preis für Geschichte erhalten. — Die Breslauer Tagespresse berichtet von der Uebernahme der in Neustadt (Oberschlesien) befind-/ liehen berühmten Privatbücherei des verstorbenen K o m-/ merzienrat Pinkus durch die Provinzialverwaltung der^ Provinz Oberschlesien. Bei der Uebernahme schilderte Archivdirektor Dr. Becker-Berlin die Bücherei als ein Juwel der schlesischen Büchersammlungen. Ihr unschätzbarer Wert bestehe darin, daß sie zu einer Zeit aufgebaut wurde, als in Schlesien noch niemand daran dachte, Bücher in diesen Besonderheiten zu sammeln. Hier seien Kostbarkeiten mit ungeheurem Fleiss und grosser Mühe zusammengetragen worden, die jetzt für Schlesien erhalten bleiben. Der schlesische Dichter Gerhard Hauptmann sei in dieser Bücherei in einer Weise vertreten, die beispiellos bleiben ..werde. Landesbibliotheksdirektor Dr. Rother schilderte den Inhalt der erworbenen Bibliothek, die rund 20.000 Bände von schlesischen Verfassern und solchen, die über Schlesien geschrieben haben, enthält. Die handschriftliche Abteilung enthält 100 Urkunden aus allen Zeiten, beginnend mit dem 14. Jahrhundert. .Komhierzienrat Pinkus, der diese Bücherei in vielen Jahren mit grossen Mühen und Opfern aufgebaut hat, war Inhaber der Textili'irma.S. Fränkel-Neustadt. Er gehörte u. a. auch dem Vorstand des Vereins Jüdisches Museum e. V: in Breslau an. — Düsseldorf. Das „Düsseldorfer Tageblatt" berichtet, daß die Gesamtzahl der Volksschüler jüdischen Bekenntnisses in Düsseldorf am 1. Mai 1933 323, am 1. Mai 1934 274, am 1. Mai 1935 312 und am 1. Oktober 1935 338 betrug. Die Zunahme von 1934 auf 1935 erkläre sich aus der Tatsache, daß ein Teil der jüdischen Schüler von den höheren Lehranstalten zur Volksschule abgewandert sei. Die Mehrzahl der jüdischen Volksschüler werde in der jüdischen Privatschule unterrichtet, die am 1. April 1935 eröffnet wurde und in der am 1. Oktober 1935 274 jüdische Kinder eingeschult waren. Der Rest von 64 zu dem genannten Zeitpunkt verteilt sich auf die konfessionellen Volksschulen. Em grosser Teil der jüdischen Volksschüler sind nicht Reichsarigehörige. So wurden am 23. Oktober 1935 134 jüdische Volksschüler mit fremder Staatsangehörigkeit in Düsseldorf gezählt. Eine reichsgesetzliche Regelung des jüdischen Volksschulwesens sei in absehbarer Zeit wohl zu erwarten. — Am 1. Februar ist in Düsseldorf ein neues jüdisches Altersheim eröffnet worden. — Der Jugendverein Gabriel Riesser in Köln ist unter Aufrechterhaltung seiner Neutralität in jüdisch weltanschaulicher Hinsicht aus dem Verband der jüdischen Jugendvereine Deutschlands ausgetreten, nachdem der Verband sich zum Zionismus bekannt hat. Ausserdem haben nunmehr die Jugendbünde in Aachen, Düsseldorf und Essen ihren Austritt aus dem Verband erklärt. Auch eine Anzahl Persönlichkeiten des Beirates haben ihre Aemter niedergelegt, u. a. Dr. Krombach-Essen und Rabbiner Dr. Hahn-Essen, Rabbiner Dr. Klein-Düsseldorf und Dr. Walter-Berlin. Der Landesverbandsleiter des Westdeutschen Landesverbandes Reinhold Levison-Düsseldorf hat ebenfalls sein Amt zur Verfügung gestellt. — Hamburg. Der Deutsch-Israelitische Synagogenverband in Hamburg berief den bisherigen Oberrabbiner von Altona und Schleswig-Holstein, Dr. Josef Carlebach, zum Nachfolger des vor eineinhalb Jahren dahingeschiedenen Oberrabiners Dr. Spitzer. Oberrabbiner Dr. Carlebach hat diese Berufung angenommen. Voraussichtlich wird er schon zu den Pessach-Feiertagen sein neues Amt antreten. — Die Franz Rosenzweig-Gedächtnis-Stiftung, das Jüdische Lehrhaus der Hamburger Deutsch-Israelitischen Gemeinde, veranstaltete gemeinsam mit der Mittelstelle für Erwachsenenbildung der Reichsvertretung und mit Unterstützung des Reichsausschusses der jüdischen Jugendverbände in Wilhelminenhöhe bei Hamburg eine Seminarwoche, bei det als Lehrkräfte Dr. Fritz Bamberger-Berlin, Prof. Kurt Bondy, Prof. Dr. Martin Buber und Prof. Kantorowiez wirkten. —Heidelberg. An der Universität Heidelberg sind auf Grund des Reichsbürgergesetzes einige Professoren in den Ruhestand getreten. Es handelt sich um den Romanisten Professor Helmut Hatzfeld, die Juristen Professor Wolter Jellinek und Professor Ernst Levy und den oerologen Professor Hans Sachs. — Köln. Zu Beginn des Jahres 1936 wohnten in Köln etwa 14.900 Juden. Im Jahre 1935 ist ein Zugang von 1209 Personen zu verzeichnen gewesen, ein bemerkenswerter Hinweis auf die starke. Konzentrationsbewegung der Juden nach den Großstädten. Anfans 1933 zählte die Gemeinde 38.281 Seelen, Anfang 1934 noch 16 632 Personen. Trotz starker Zugänge hat sich also die Kopfzahl innerhalb von drei Jahren um fast 20% verringert. — Dr. Paul Moses, Mitbegründer und bisheriger erster Vorsitzender des Jüdischen Kulturbundes Rhein- Ruhr in Köln, hat eine Berufung an ein Medizin-College in Kalifornien erhalten. Dr. Moses ist Halsarzt und Spezialist für Kehlkopfleiden. — Leipzig. Das Sozialamt der Jüdischen Gemeinde in Leipzig hatte zu Chanukka unter der im Handwerk tätigen jüdischen Jugend einen Berufswettkampf ausgeschrieben. Teilnahmeberechtigt waren alle jüdischen jungen Leute, die als Lehrlinge oder Volontäre in einem handwerklichen Beruf ausgebildet werden einschliesslich der Umschichtler. Der Berufswettkampf hatte einen sehr grossen Erfolg. Sowohl die Zahl der abgelieferten 66 Arbeiten als auch ihre Qualität zeigten das grosse Interesse der Beteiligten und einen überraschend hohen Stand handwerklichen Könnens. Es waren Arbeiten aus dem Metall- und Holzgewerbe, aus dem graphischen-, Bandagistengewerbe, Bäcker¬ und Buchbindergewerbe und Schneider- und Putzmacherhandwerk vertreten. Die Arbeiten wurden in den Räumen des Sozialamtes der Leipziger Gemeinde ausgestellt. Die Ausstellung erfreute sich