Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 14 (1935-1936)
- Issue
- 6 (3.1936)
- Date
- 1936-03-01
- Page
- Seite 223 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 223 TELEFON 24961 PALESTINE & ORIENT LLOYD Vertretung Frankfurt am Main Jetzt Alfred Adler, Steinweg 9 Bis mg\0 Fahrpreisermäßigung 9vO nach Palästina Schiffspassagen nach aller Welt Visabesorgungen, Reisekreditbriefe für Pa'ästina, Elsenbahnfahrka'ten Stellung, sondern massgeblich beteiligt zu sein. In Anpassung an die Verhältnisse der Frankfurter jüdischen Gemeinde haben wir in unserem, dem Vorstand der Israelitischen Gemeinde zugeleiteten, aber auch den Fraktionen bekanntgewordenen Schreiben vom 18. 10. 1935 unsere Wünsche dahin formuliert, daß für die Zukunft der Einfluss in den Körperschaften der jüdischen Gemeinde so verteilt werden soll, dass das Gewicht der bisherigen Majoritätgruppe nicht grösser sein soll als das der Volkspartei. (Vorstand 6 zu 6 zu 3, Gemeindevertretung analog) Im Zuge dieser Verhandlung, die geführt wurde mit dem Herrn Vorsitzenden der Israelitischen Gemeinde und mit den Herren Vertretern der Fraktionen, hat sich herausgestellt, daß keinerlei Neigung besteht, sich diesen Vorschlägen zu nähern. Ein Zugeständnis, das hinsichtlich der Besetzung des Vorstandes angeboten worden ist, kann in keiner Weise als eine Berücksichtigung der zionistischen Wünsche gewertet werden, wenn, wie es der Fall Avar, die Aufrechterhaltung der absoluten liberalen Majorität die Voraussetzung dieses Zugeständnisses war. Die Berechtigung dieses liberalen Herrschaftsanspruches auf unbegrenzte Dauer wird von uns nachdrücklich bestritten. Die Begründung, die die Liberale Fraktion für ihre Haltung in ihrem Schreiben vom 22. Oktober 1935 (also noch vor der letzten erfolglosen Verhandlung) zusammengefasst hat, beweist uns, wie stark die Divergenz der Meinungen zwischen uns ist. Wir vermögen aus der Erfährung unserer täglichen Arbeit inmitten der Juden Deutschlands weder anzuerkennen „daß, ein Stimmenzuwachs den Zionisten mehr aus dem konservativen Lager zugekommen sei, als aus dem liberalen" noch scheint uns die Meinung haltbar, daß die Auswanderungsbewegung sich im wesentlichen auf Zionisten erstreckt habe, eine Behauptung, die die Verminderung unserer Zahl beweisen soll. Wir vermögen auch nicht zu glauben, daß weite Kreise religiös-liberal gerichteter Juden die Bedeutung des Zionismus und des Palästina-Aufbaus nur „der Entwicklung der Verhältnisse" entsprechend würdigen. Wir sind vielmehr überzeugt, daß es sich hier um tiefgreifende und auch von etwa neuen Verhältnissen nicht mehr beeinflussbare neue Erkenntnisse handelt, die weite Teile der Juden Deutschlands der zionistischen Bewegung zugeführt hat, eine Entwicklung, die nicht beendet ist. Wir stellen fest, daß axich ein in den letzten Tagen unternommener letzter Versuch zum Ausgleich der Meinungen zwischen den beiden hauptbeteiligten Verhandlungspartnern gescheitert ist und daß zusammenfassend keine Neigung besteht, die zionistischen Wünsche zu berücksichtigen. Indem die Fraktion der Volkspartei rückschauend dieses Ergebnis feststellt, wiederholt sie hiermit nachdrücklichst ihren Anspruch. Sie erhebt ihn im Interesse des Friedens in der Gemeinde, den wir durch den Versuch, ein vor mehr als 10 Jahren geschaffenes Machtverhältnis zu konservieren, als gestört empfinden. Sie erhebt ihn aus dem Gefühl der Verantwortung gegenüber den Juden Deutschlands, denen vor allem in den letzten 3 Jahren die Hilfsbereitschaft des palästinensischen Jischuw in einzigartiger Weise zur Verfügung stand, sie erhebt ihn in der Ueberzeugung, daß die zionistische Bewegung und das von ihr geleitete Aufbauwerk in Palästina allein in der Lage sind, den Juden Deutschlands heute seelischen Halt und wie wir gesehen haben, in weitem Masse die Möglichkeit zu sozialer Selbsthilfe zu bieten. Wir sind der Ueberzeugung, daß nur durch ein solidarisches Zusammenwirken gleichberechtigter Gruppen die vielgestaltigen Aufgaben einer Grossgemeinde wie der unsrigen bewältigt werden können. Dieser Aufgabenkreis umfasst heute nicht nur das Tätigkeitsgebiet einer Eeligionsgemeinde; Leben und Entwickhing haben diese Funktionen längst zu denen einer Volksgemeinde erweitert. Deshalb hat eine zionistische Gemeindepolitik das Recht, innerhalb der Arbeit der Gesamtgemeinde entsprechend gewertet zu werden. Ihre Absichten sind getragen von dem Bewusstsein einer Gesamtverantwortung über alle parteilichen Interessen hinaus. Die Wahlen, die heute Abend vorgenommen werden sollen, bedeuten jedoch eine Fortsetzung des von uns abgelehnten Verfahrens, durch eine formelle Legalisierung neuerdings eine Machtverteilung zu stabilisieren, die wir nicht mehr als begründet empfinden. Wir setzen Sie deshalb davon in Kenntnis, daß wir uns heute Abend bei diesem Akt der Verlängerung eines Zustandes, den wir hiermit als illegitim bezeichnen, nicht beteiligen werden und dabei nicht anwesend sein wollen." * Die Situation hat sich inzwischen dadurch geändert, daß, wie uns durch den Vorstand der Gemeinde mitgeteilt wird, die Verhandlungen weitergeführt werden. Corsetthaus ß ^—^r%\ A. 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