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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1936-02-01 · 5 (2.1936) · p. Seite 188

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
14 (1935-1936)
Issue
5 (2.1936)
Date
1936-02-01
Page
Seite 188 (sequence 26)
Language
German
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Seite 188 Hans Schönfeld Dr. jur. Jos. Cahn Steueru. Wirtschaftsberater Landgerichtsrat i. R. Kaiserstrasse 54 Frankfurt a. M. Telefon 32302 empfehlen sich für die anzufertigenden Jahresabschlüsse, Bilanzen, und Steuererklärungen, sowie die Erledigung alier sonstigen Steuerangelegenheifen Palästina-Berichte Siedlung. * Von zuverlässiger Seite wird mitgeteilt, daß die Palästina- Regierung einschneidende Aenderungen der Einwänderungsvorsehriften durchzuführen beabsichtigt. Es soll der für die Einwanderung in der Kategorie A bisher als Eigenkapital geforderte Mindestbetrag von 1000 Pfund auf 2000 Pfund erhöht werden. Gleichzeitig wird die Erhöhung der von Touristen verlangten Kaution von 60 auf 80 Pfund erwogen. Ausserdem wird erwartet, daß durch die neuen Vorschriften auch die Möglichkeit der Ausnutzung von Einwanderungszertifikaten zeitlich begrenzt werden wird; und zwar sollen Zertifikate von Einwohnern europäischer Länder drei Monate nach ihrer Ausgabe, Zertifikate für Amerikaner nach vier Monaten und solche für Bewohner der fernöstlichen Länder nach fünf Monaten ihre Gültigkeit verlieren. — Das neue Palästina-Einwanderungsgesetz, das illegale Einwanderung und Beihilfe zu ihr unter strenge Strafe stellt, ist am 1. Januar von der Palästina-Regierung verkündet worden. — Amtlich wird bekannt gegeben, daß im Monat November 1935 4212 Juden nach Palästina eingewandert sind. 562 von ihnen gehörten der Kapitalistenkategorie an. Die Gesamtzahl der jüdischen Einwanderer des Jahres 1935 beträgt, wie der Jüdischen Telegraphen- Agentur mitgeteilt wird, rund 59000. Wirtschaft. Laut amtlicher Mitteilung wurden vom Beginn der Saison bis Ende Dezember 1935 1.374 212 Kisten Orangen, Grapefruit und Zitronen aus Palästina ausgeführt. — Einer Schätzung des Landwirtschaftsdepartments der Palästina-Regierung zufolge wird die diesjährige Orangenernte nicht wie ursprünglich angenommen 7,750.000, sondern nur 7,300 000 Kisten ausmachen. — Die Erzeugnisse der grossen jüdischen Eisengiesserei in Haifa haben in letzter Zeit die ausländische Konkurrenz auf dem palästinensischen Markt fast völlig verdrängt. Insbesondere wurde die Erzeugung von Badewannen, Waschbecken und anderen Badeeinrichtungen gesteigert. Es wird zurzeit in drei Schichten ununterbrochen gearbeitet. Täglich werden dreissig Wanneu erzeugt; die Produktion soll binnen kurzem auf fünfzig Wannen täglich gebracht werden. Auch von arabischer Seite wird die Fabrik mit Aufträgen bedacht. Politik. High Commissioner Sir Arthur Wauchope hat am 21. Dezember die arabischen und am 22. Dezember die jüdischen Führer empfangen, um ihnen den Plan der Schaffung eines Legislative Council für Palästina vorzulegen. Der High Commissioner erklärte, die Regierung sei, nachdem sie das Funktionieren der Munizipalverwaltungen überprüfen konnte, zu der Ansicht gelangt, daß die Zeit für die Einführung des Legislative Council reif sei. Deshalb lege die Regierung den Plan für die Schaffung eines solchen Councils vor. Er soll aus 28 Mitgliedern bestehen, davon sieben Juden, fünf Vertretern der Regierung, drei christlichen Arabern, elf Mohammedanern und zwei Vertretern der Wirtschaft. Von diesen wird wahrscheinlich einer ein Jude sein. Die jüdische Delegation hat die Vorschläge der Regierung einmütig zurückgewiesen. Die Vertreter der Araber erklärten, &ie könnten jetzt zu den Vorschlägen noch nicht endgültig Stellung nehmen. Naoh dem von der Palästina-Regierung ausgearbeiteten Entwurf sollen von den sieben jüdischen Mitgliedern des Legislative Council drei gewählt und vier ernannt werden. Von den elf Mohammedanern sollen drei ernannt 'und acht gewählt werden. Von diesen acht Gewählten soll wiederum einer ein Beduine sein. Man nimmt an, daß einer der beiden Vertreter der Wirtschaft aus den Kreisen der " jüdischen Wirtschaftsführer genommen werden Avird. Wahlberechtigt zum Legislative Council soll jedermann sein, der das 25. Lebensjahr vollendet hat und seit mindestens zwei Jahren in Palästina ansässig ist. Die Anlage von Wählerlisten ist nicht vorgesehen. Das aktive Wahlrecht wird auch jüdischen Frauen zuerkannt. Für das' passive Wahlrecht ist die palästinensische Landesangehörigkeit und ein Mindestalter von 30 Jahren Voraussetzung. Die Mitglieder des Council werden für fünf Jahre gewählt und beziehen ein Gehalt von 200 bis 300 Pfund jährlieh Dem High Commissioner wird das Recht zuerkannt, Vertreter für Gemeinschaften die die Beteiligung an dem Council ablehnen, zu ernennen. Der Council soll jährlich drei Monate lang tagen, oder zwei Sessionen von je sechswöchiger Dauer abhalten. Beschlussfähigkeit ist bei Anwesenheit von acht Mitgliedern gegeben. Bei Stimmengleichheit fällt dem ältesten Beamten die entscheidende Stimme zu. Zum Vorsitzenden des Council soll ein Beamter aus London durch das Kolonienministerium ernannt werden. Politische Angelegenheiten sollen der Kompetenz des Legislative Council entzogen sein; dagegen wird sich der Rat mit Etat und Gesetzgebung befassen. Owohl die Frage der Arbeiter-Einwanderungsschedulen nicht Gegenstand der Beratungen des Rates sein soll, werden die gewählten Mitglieder berechtigt sein, zu diesem Gegenstand Anfragen zu stellen und Entschliessungen anzunehmen. — Offiziell wird bekannt gegeben, dass der Verwaltungsüberschuss der Palästina-Regierung am 30. November 1935 über 6,155000 Pfund betragen hat. Wissenschaft und Kunst In Ramat Gan fand die feierliche Eröffnung des Kulturzentrums statt, das im Hause des verstorbenen Dichters Chaim 6 Nachman Bialik eingerichtet worden ist. — Zum musikalischen Leiter des Palästina-Rundfunks ist der bekannte Dirigent Karl Salomon, ein Einwanderer aus Deutschland, der früher in Berlin und Baden-Baden tätig war, ernannt worden. Karl Salomon, der zurzeit Leiter des Chores der Hebräischen Universität Jerusalem ist, hat auch eine Reihe eigener Kompositionen veröffentlicht. Zum Leiter der „Hebräischen Stunde" des palästinensischen Rundfunks wurde der Theaterkritiker .des„Dawar" und frühere Re- gisseur der Berliner Volksbühne Elieser Lubrani ernannt. — Zur Zeit der Levante-Messe in Tel Awiw wird für die Länder des Nahen Ostens ein internationaler Wettbewerb von Tonfilmen abgehalten werden. Zu den Ländern, die ihre Teilnahme an der Messe endgültig bekannt gegeben haben, sind Frankreich und Finnland hinzugekommen. Der finnländische Spezialdelegierte für die Messe ist dieser Tage in Palästina eingetroffen. Allgemeines Die Palästina-Regierung hat offiziell mitgeteilt, dass im Jahre 1936 nur fünfzig Aerzten die Erlaubnis für die Ausübung der ärztlichen Praxis in Palästina erteilt werden wird. — In der letzten Sitzung des Kolonierates von Rischon le Zion wurde beschlossen, ein Baron Edmond de Rothschil d-M u s e u m zu gründen, in dem alle Gegenstände vereinigt werden sollen, die auf die kolonisatorische Tätigkeit des Barons in Palästina Bezug haben. Versicherungsbüro W E R T H EIM Reuterweg 53 Tel. 745 35 vermittelt auch Krankenversicherungen Vorstand dpr Synagoge am Dominikanerplatz Die Wahl zum Vorstand für die Synagoge am Dominikanerplatz wird am Sonntag, den 9. Februar 1936, 17 Uhr stattfinden. Acüduth, Ortsgruppe Frankfurt am Main Die Frankfurter Ortsgruppe der Achduth liefert auch in diesem Jahre für den bevorstehenden Pessach an Minderbemittelte Mazzen und Mazzenmehl zu dem ausserordentlich reduzierten Preis von RM. —.43 bezw RM. —.48 das Pfund. Mazzen und Mazzenmehl sind unter Aufsicht der Ritualkommission der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt/M. hergestellt. — Die Bestellungen müssen spätestens bis zum 25. März 1936 bei dem Vorsitzenden, Herrn Dr. Schönberg, Ffm., Gärtnerweg 44, erfolgen. — Näheres wird durch Inserate bekanntgegeben.

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