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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1936-01-01 · 4 (1.1936) · p. Seite 147

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
14 (1935-1936)
Issue
4 (1.1936)
Date
1936-01-01
Page
Seite 147 (sequence 17)
Language
German
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Seite 147 Amtliche Bekanntmachungen der jüdischen Winterhilfe, Frankfurt a. M. Postscheck-Konto Nr. 66600 Frankfurt-M. Telsfon Nr. 26703 Einfopfsammlung Die Eintopfsammlung des Monats Januar wird am 12. Januar 1936 durchgeführt. Wir bitten die Geldbeträge bereit zu halten. Pfundsammlung Die Pfundsammlung findet am 2 6. Januar statt. Wir bitten erneut herzlichst anstelle der zugedachten Naturalien Geldspenden zu leisten. Unfersfütxungsanfräge Alle Unterstützungsanträge und alle Anfragen über ausstehende Entscheidungen sind ausschliesslich zu richten an:' Jüdische Winterhilfe, Quinckestrasse 26. Ausgabe der Gutscheine Die Dezembergutscheine wurden ausgegeben: für die Buchstaben A-K am Freitag, den 20. Dezember, vormittags 7.30 bis 1 Uhr. für die Buchstaben L-Z am Montag, den 23. Dezember, vormittags 7.30 bis 1 Uhr. Der Ausgabeplan für die Januar-Gutscheine wird rechtzeitig durch Aushang in den Synagogen, Wohlfahrtsstellen und im Gemeindehaus bekannt gegeben. Persönliche Nachrichten Judith Elbogen zum siebzigsten Geburtstag Am 6. Januar vollendet Fräulein Judith Elbogen, die Leiterin des Moritz und Johanna Oppenheimer'schen Kindergartens für Israeliten in jugendlicher Frische und Küstigkeit ihr siebzigstes Lebensjahr. Wer von den Tausenden, die in nahezu fünf Jahrzehnten ihre Schützlinge waren, von diesem siebzigsten Geburtstage erfährt, wird in Dankbarkeit der gütigen Frau gedenken, die ihm in fernen Tagen der Kindheit manche Stunde heiteren Glückes beschert hat. Und wer je in unserer Gemeinde seine Sorge dem Bestände und dem Ausbau der gemeinnützigen Institutionen zuwandte, weiss, dass es dem tatkräftigen und nie ermüdenden Wirken dieser selbstlosen Frau zu danken ist, wenn wir in dem Oppenheimer'schen Kindergarten einen Hort besitzen, dessen Bestimmung in diesen Jahren dringlicher als je ist, den goldenen Morgen vieler unserer Kleinen vor Unbill zu schützen und in ihre Seelen den Sinn für das Heilige und Schöne zu pflanzen. — Judith Elbogen wurde im Frühjahr 1890 an die Stelle ihrer jetzigen Wirksamkeit berufen. Fräulein Elbogen stammt aus Schildberg im Posen'schen, wo der gelehrte Vater als Kantor wirkte. Er starb kurz nach der Uebersiedlung der Familie nach Breslau, und Judith wurde — im Kreise begabter Geschwister — ganz Jüngerin und Schülerin der edlen Mutter. Wer die Mutter Elbogen gekannt hat, kann ermessen, in welch" weitem Maße sie ihre hausfraulichen Talente, ihre Güte und vor allem ihre einzigartige Geistesbildung auf diese Tochter übertragen hat. — Die Bildungsmöglichkeiten für Hortnerinnen jener Jahre waren, gemessen an den heutigen Seminaren für Kindergärtnerinnen, noch sehr gering. In jenen Jahrzehnten war die Hortnerin ganz auf die Fruchtbarkeit eigener gedanklicher Kombination, auf ihre persönliche Begabung und Intuition angewiesen. — Dies hat Judith Elbogen erfahren, als sie, von einem seitens der Frankfurt- Loge eingesetzten Komite berufen, vor die Aufgabe gestellt wurde, den hiesigen Kindergarten aufzubauen. Zwar standen der jungen Hortnerin bewährte Berater zur Seite und freigebige Gönner bedachten das Institut mit Geld- und Naturalspenden; aber die Betreuung der Kinder zu jeder Stunde, ihre Anleitung und Beschäftigung bei Spiel und Handfertigkeit, die gesundheitliche Ueberwachung und Körperpflege, die Hauswirtschafts- und Buchführung, kurz die ganze Vielfalt der Aufgaben war der Tatkraft und Geschicklichkeit der Leiterin vorbehalten, die nur mit wenigen Helferinnen-das grosse Werk meisterte. Die Anerkennung, welche die Führung des Kindergartens bei den behördlichen Aufsichtsorganen und bei allen am Bestände des Institutes interessierten Kreisen fand," drückte sich in einer ständigen Steigerung seiner Frequenz aus. Die kleine Schar von 10 Schützlingen im ersten Jahre seines Bestehens war um die Jahrhundertwende bereits auf 60, im Jahre 1910 auf etwa -90 ' Zöglinge angewachsen; bleute sind es 120 und darüber,— Im Jahre 1906 konnte Judith Elbogen in das neuerrichtete Haus im Baumweg 7 übersiedeln, in dem sie seitdem wirkt. — Das neue Haus — hochherzige Stifter hatten seinen Bau ermöglicht — bot ihr durch seine moderne und grosszügige Anlage die Möglichkeit, ihre Tätigkeit weiter auszubauen. Fräulein Elbogen hat diese ihr dargebotene Chance zum Segen vieler hunderter junger Menschenkinder zu nutzen verstanden, denn es war ihr stetes Bemühen, neben einem Höchstmaß jeglicher Körper- und Gesundheitspflege den bildnerischen Teil des Tagesprogrammes zum Vorteil von Geist und Handfertigkeit ihrer fröhlichen Schar zu vervollkommnen. — Gern vertrauten die Eltern ihre Kleinen dem Kindergarten an, waren sie doch in vielen Fällen von früh bis spät im Erwerbsleben tätig; oft auch musste, wo die Geschwisterschar gross und Nahrung und Wohnung knapp waren, der Kindergarten die dem Elternhause mangelnden Mittel ergänzen. Judith Elbogens nie versagende Heiterkeit bescherte dem Kinde aus fürsorgebedürftigem Hause Jahre einer unbeschwerten Kindheit. Dieses Glückspenden ist wohl ihr schönstes Erleben geworden, das unserer Jubilarin über manch trübe Stunde hinweggeholfen hat. Wer einen Blick in die Spielsäle tut, wird bewundern können, wie die Kleinsten ihre Spiele und Gerätschaften für den Handfertigkeitsunterricht verwahren, wie sie, ohne lesen zu können, diese finden. „Tante Ellen" hat für ihre Kleinen alles sinnig erdacht. Und wer je sah, wie sich die Kleinen des Mittags nach fröhlichem Spiel auf ihr warmes Essen freuen — erst nach dem im Chor gesprochenen Segensspruch langen sie zu — wer nachher dabei war, wenn fürsorgliche Hände sie auf ihre Liegestühle verpackten» wird froh des Werkes sein, das Judith Elbogen schuf und dessen Seele sie heute, wie am ersten Tage, ist. Im Laufe der Jahrzehnte hat unsere Jubilarin zahlreiche Hortnerinnen zu tüchtigen Vertretern ihres Berufes herangebildet. Ihnen allen ist sie eine mütterliche Freundin und Beraterin geworden. Die strengen Masstäbe, die sie an die eigene Leistung stellt, haben Judith Elbogen nie gehindert, ihren Mitarbeiterinnen und Hausgenossen in eintrachtsvoller und freundlicher Gemeinsamkeit verbunden zu bleiben. — Judith Elbogen hat uns so stets die Verwirklichung der grossen abrahamitischen Forderung vorgelebt: „Erfüllet Euer Herz, so gross es ist, mit Segen!" Möge die gütige Vorsehung sie, die eine Zierde unserer Gemeinschaft ist, uns weiter in Küstigkeit von Geist und Körper erhalten! E. A. Dr. jur. Julius Sonn — Steuer-, Rechtsu. Devisensachen — Beratung von Auswanderern und Durchführung aller Formalitäten Frankfurt a. M„ Horst Wesselplatz 14, II. — Tel. 22798

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