Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 14 (1935-1936)
- Issue
- 3 (12.1935)
- Date
- 1935-12-01
- Page
- Seite 123 (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
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Für die Frau Mitteilungen aus den Interessengebieten der Frau Beiträge und Zuschriften sind zu richten an Frau Stephanie Forchheimer, Frankfurt a. M.. Feldbergstr. 31 Jüdische Frauen und Vom 10. bis 12. November 1935 fand in Berlin die Gesamtvorstandssitzung des Jüdischen Frauenbundes statt." Beinahe 100 Frauen aus allen Gegenden des Reiches waren versammelt, um in ernster Zeit und in engster Verbundenheit die Fragen und Probleme zu erörtern, die heute fordernd und schicksalhaft an 'jede einzelne jüdische Frau herantreten. Dass es möglich war in einer Zeit, die gerade den Hausfrauen und Müttern vermehrte Sorgen und Lasten auferlegt, diese Tagung abzuhalten, war ein Beweis für die Einsatz- und Opferbereitschaft vieler Frauen, an den großen Gemeinschaftsfragen mitzuarbeiten, der „Simchoh schel Mizwoh", „der Freude an der Pflicht", die uns die Kraft zum Tragen gibt, wie Hannah Karminski in ihrem Geschäftsbericht sagte. Und so durfte es auch berechtigt erscheinen, diese Tagung zu veranstalten, wenn auch der Weg, der vor uns liegt, keinen Ausblick bietet, und wir kein sicheres Ziel vor uns aufrichten können. Aber die dringenden Pflichten und Aufgaben von heute müssen erfüllt und geleistet werden, und dazu brauchen wir Mut und Ausdauer, wie sie nur die Stärke der Gemeinschaft verleihen kaoin. Diese Kraft hat uns die Tagung des Jüdischen Frauenbundes in ihrer Einheitlichkeit und Geschlossenheit gegeben, indem sie Schrittmacher wurde auf den beschwerlichen Pfaden, die den jüdischen Frauen heute vorgezeichnet sind. Auftakt und Zielsetzung war der groß angelegte Vortrag von Frau Professor Cora Berliner „Unsere Aufgabe", die, wie sie sagte, uns hineinstellen soll in die Gesamtheit der Probleme dieser Zeit, sowohl in der alten, wie in einer neu zu suchenden und aufzubauenden Heimat. Dafür muß auch die Frau auf sich selbst gestellt sein, sei es, um sich daheim mit der erforderlichen Umstellung zu behaupten oder um die Notwendigkeit einer Auswanderung zu erkennen, vornehmlich für ihre Kinder, denen sie dazu in vielen Fällen die innere und äussere Freiheit geben muß. Cora Berliner rief zum Schluß den Frauen zu: „Erhaltet das Heim und vergesst nie, Glieder einer Gemeinschaft zu sein!" \ Zu dieser Forderung führten in allen Einzelheiten die sehr ausgedehnten Verhandlungen über „Hausfrauenfragen" und „Hauswirtschaftliche Ausbildung", die in einer besonderen Fachtagung und zwei Referaten mit anschliessender--Aussprache erörtert wurden. Der breite Raum, der diesen Themen gewidmet war, zeigte deutlich,, daß sie die eigentliche Lebenssphäre und das wichtigste Arbeitsgebiet für. unsere Frauen bedeuten, ganz besonders in diesen Tagen, die eine Verschärfung und Vermehrung, der Hausfrauensorgen und Hausfrauenpf lichten mit sich bringen. Zwei Gesichtspunkte standen im Vordergrunde: die Umstellung, Schulung und Beratung der H au s f r au en und die Ausbildung des weiblichen Nachwuchses. Wir wollen hier nicht auf alle Einzelheiten eingehen, da -gerade: diese Fragen in unserem Blatte schon des öfteren behandelt wurden. In dem Vortrag „Hausffauenfragen"! der von der Referentin dieses Berichtes gehalten wurde,'wurden die Forderungen auf gestellt, - die heute für Umstellung, Schulung und Beratung der Hausfrauen zu .verlangen sind, und es zeigte sich Einmütigkeit, in der Auffassung, dass Hauswirtschaft/als gelernter Beruf zu gelten hat und. die Grundläge für alle anderen .weiblichen Beruf & bilden soll. Das Thema „Hauswirtschaftliehe Ausbildung" behandelte an Stelle der verhinderten Trau Glüeksmann, die Gesehäftsführerin des Bundes, Fräulein K ä r. in i h s k l.JFür .diese. Ausbildung soll neben Schulen und-Heimen der privathaushält eintreten,, eine Frauenforderung,, die" heute dringender denn je geworden ist! Die Ausbildung für Palästina steht mit im Vordergrund'; y2 Jahr. Anlernung im Hausihre Aufgaben heute halt wird als Hachscharah angerechnet. Die sehr ausführliche Aussprache ergab wertvolle Anregungen für die Hausangestelltenfrage, die neu einzusetzende „Nächstenhilfe der Hausfrau" und die Ausbildung unserer Töchter — Vorschläge, die nun nach Möglichkeit in unseren Ortsgruppen und Vereinen in den Groß-, Mittel-und Kleingeminden in die Tat umgesetzt werden sollen. Hier zeigte sich so recht der einmütige Wille des Jüdischen Frauenbundes, den Frauen durch gegenseitige Hilfe auch die notwendige Freudigkeit und innere Bejahung in der schwierigen Alltags- und Kleinarbeit zu geben. Doch nun schien es, als ob die Frauen, wenigstens für eine Zeitlang, ihre Hausfrauennöte und Sorgen abschütteln wollten, so aufgeschlossen waren sie für die folgenden Themen. „Schulfragen" wurden von Herrn Dr. Lesehnitzer, Schuldezernent der Reichsvertretung, in sehr aufschlussreicher Weise behandelt. Der Referent betonte allerdings, daß gerade in der jetzigen Situation noch nichts Entscheidendes über das Schicksal unserer jüdischen Schuljugend gesagt werden könnte. Zunächst wird weiter nach den Richtlinien des Schulwerks der Reichsvertretung gearbeitet. Ein neuer Versuch sind die „Tagesschulen" für Berufsvorlehre, mit ihrer Ausbildung zu handwerklichen Berufen, bei der auch die geistige Weiterbildung nicht ausser Acht gelassen wird. DieVerantwortung der jüdischen Schule ist heute weit grösser, da ja das Elternhaus durch viele Sorgen und eine meist bedrückte Athmosphäre als Erziehungsfaktor für die Kinder bedroht ist. Auch die Bünde versagen, da der Führernachwuchs fehlt. Die Mächte des Willens und der Disziplin müssen in den Schulten mehr betont und die Kinder zu einem anderen Lebensstandard erzogen werden, wozu auch eine Umstellung der Lehrerschaft vielfach geboten ist. Die jüdische Erziehung unserer Kinder, die man aufgegeben hatte, wurde uns jetzt „aufgezwungen" und darin ist auch ein Gewinn zu sehen. Großes Interesse und lebendige Anteilnahme fand das Referat von Dr. Hildegard Böhme „Akute Probleme der Fürsorgearbeit und die Mitarbeit der Frauen". Wie kaum auf einem anderen Gebiete ist hier die Mitarbeit der Frau, der Einsatz ihrer ganzen Persönlichkeit erforderlich. Das Schwergewicht der Fürsorge liegt heute in der Wirtschaftsfürsorge. Die Klein- und Mittelgemeinden sind am meisten bedroht und bedürfen der größten Hilfe in materieller und seelischer Hinsieht. Die Pflege von Kranken bedeutet auf kleinen Plätzen schon große Schwierigkeiten, hier muß eine besondere Gesundheitsfürsorge in Form von Hauspflege geschaffen werden. Die Winterhilfe bringt neue Aufgaben, über die aber andere charitative Forderungen nicht hintangestellt werden dürfen. So erwachsen den Frauen neben den alten stets neue Pflichten. Auch das Zusammenwirken beruflicher und ehrenamtlicher Kräfte bildete den Gegenstand lebhafter Erörterungen, und von berufener Seite wurde darauf hingewiesen, daß die beamtete Arbeit die ehrenamtliche niemals ersetzen könne, denn Fürsorgearbeit sei religiöse Arbeit für jede Frau. „Über die geistige Arbeit in unseren Ortsgruppen" sprach Frau Dr. Bertha h a d t - S t r a u s s, die betonte, daß geistige Arbeit besonders für die Kleingemeinden von Wichtigkeit sei, da weder Lehrhaus noch Kulturbund dort dafür sorgen können. Dadurch erwächst den Frauen eine Verpflichtung, diesen Zweig in ERSTKLASSIGE HRISS DAMENSTOFFE rqssmarktm u»