Mannheim
Compact Memory

Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1935-11-01 · 2 (11.1935) · p. Seite 82

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
14 (1935-1936)
Issue
2 (11.1935)
Date
1935-11-01
Page
Seite 82 (sequence 36)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3094266-3094426-3094428--4945-3099748
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 82 Jetzt liegt das weisse Motorschiff nicht weit vom Ufer und wartet darauf, uns wieder in die Gebiete der Zivilisation zu führen, Diesmal ist es nicht die „Massada". Das flinke, kleine Motorboot flitzt hinüber und herüber und bringt uns Passagiere an Bord. Ich klettere auf die Brücke — da steht ein alter Bekannter am Steuer, Deutscher, einst Führer eines Dampfbaggers in der Wesermündung. Ein leicher Nordwind weht uns entgegen, lässt den Qualm des Motors in kleine, blaue Wölkchen zerflattern. Froh und fast ein wenig befreit schaue ich hinüber zum Landungssteg, wo die Arbeitskameraden dreier Wochen auf den wippenden Planken sitzen, die Füsse ins Wasser baumeln lassen und uns lustige Abschiedsgrüsse zuwinken. Hans Levi-Mainz Vom Wachsen des jüdischen Sports in Frankfurt Es hiesse Eulen nach Athen tragen, wollten wir heute noch d:e jüdische Oeffentlichkeit od^r die jüdische Jugend auf di<-. grosse Bedeutung des Sports und der Leibesübungen erst hinweisen. Der Bestand unseres jüdischen Sportwesens ist,- was unsere Mitarbeit anbelangt längst gesichert/Tagtäglich erhalten unsere Sportvereine neuen Zuwachs, ständig müssen neue Sporte,ebiete in die Vereinstätigkeit aufgenommen werden, und gerade wir in Frankfurt können uns rühmen, ein reiches Sportleben wie -kaum eine andere Stadt in Deutschland zu besitzen. Durch die Ausschaltung aus dem früher paritätischen Sportwesen haben unsere zwei Grossvereine ungeheuren Auftrieb erfahren. Der dem Reichsbuhd jüdischer Frontsoldaten (RjF.) angeschlossene TSV. Schild erfasst heute 1500 Mitglieder und der dem Deutschen Makkabi-Kreis angegliederte Sportverein „Bar Koehba" nicht viel weniger. Es gibt kaum eine Sportart, die in diesen Vereinen nicht betrieben wird, und nicht wenige Disziplinen wurden von hier aus erst über ganz Deutschland organisiert Daneben gibt es den in neuerer Zeit durch die verstärkte Aufnahme des Rasensportes auch für Männer sehr rührigen konservativen „Jüdischen Turnerb und" (ITB.). Der Schulsportverein Philanthropin kann ebenfalls mit Befriedigung über ein fruchtbares Arbeiten berichten. Wir dürfen in diesem Zusammenhang nicht über die erfreuliche Tatsache mit Stillschweigen hinweggehen, daß alle Sportvereine, ungeachtet ihrer weltanschaulichen Verschiedenheit sich auf der gemeinsamen Plattform des reinen Sports in echt jüdischer Solidarität zu friedlicher Wettkampfgemeinschaft zusammengefunden haben. Unter der aufopfernden Leitung von Bernhard Kahn besteht in Frankfurt die Dachorganisation des gesamten jüdischen Sportes des Bezirkes in der „Arbeitsgemeinschaft der jüdischen Turn- und Sportvereine Südwestdeutschlands e. V." Unter strengster Wahrung der weltanschaulichen und organisatorischen Selbstständigkeit der einzelnen Gruppen wurde damit für den Rasensport (Fussball und Handball) und Leichtathletik eine Spielgemeinschaft geschaffen, die heute annähernd 40 Vereine mit mehreren tausend aktiven Sportlern in ganz Südwest- und Süddeutschland erfasst. Sie führt Verbandsspiele mit Punktwertungen und Meisterschaften durch, alle Sportler unterstehen ihrer Disziplinargewalt, und auf einer grossen Sporttagung in Mannheim wurde erst vor kurzem festgestellt, daß in keinem anderen Bezirk des Deutschen Reiches der jüdische Sport so straff und vorbildlich organisiert ist, wie hier durch die „Arbeitsgemeinschaft". .Gerade in diesen Tagen erfahren wir, daß die „Arbeitsgemeinschaft" ,'etzt auch noch andere Gebiete, wie Tischtennis und Schach, in ihr Programm aufgenommen hat. So sind bei uns alle Voraussetzungen vorhanden, daß das neuerwachte Interesse für die körperliche Ertüchtigung unserer jüdischen Jugend sich in allen Kreisen durchsetzt. Das Ideal der nicht nur geistigen, sondern .auch körperlich vollwertigen Persönlichkeit ist wiedergewonnen. Das rein Organhafte des Sports ist endlich wieder als ein Mittel erkannt worden, seelisch tüchtiger und hesser zu werden; einen Geist in uns heranzubilden, den wir zu unserem jüdischen Idealtypus zu erheben wünschen. Denn, wenn wir Sport treiben, erneuern und bessern wir ja nicht nur uns selbst, sondern wir lassen zugleich auch einen Teil unseres Wollens überfliessen in das Wollen der anderen, der Gemeinschaft. Dieser Gedanke hat etwas ungemein Tröstliches. In der Gemeinschaftsverknüpfung der Mannschaft, der Riege, der Abteilung usw. finden wir die Resonanz für jede aufrichtige Regung unseres Gemütes. So gewinnt der Sportverein erst seine Berechtigung und seinen Sinn, indem er in diesem Erziehungssinne wirkt und eine Stätte wahrhaften Mensch-Bildens darstellt. Der Sportplatz, der keine soziale Schichtung kennt, auf dem der Tüchtigste nur das eine vor dem andern voraus .hat, daß er den andern am meisten geben soll, wird unser Gemeinschaftsgefühl, das Eintreten für einander erwecken und ausbilden. Der wahre jüdische Sportler ist umso hilfsbereiter, je tüchtiger er ist, aber auch umso bescheidener, je mehr er kann; er weiss immer, wieviel er noch zu erreichen hat, und das eigene Können gilt ihm nur wenig, wenn er nicht auch das Können seines ganzen Kreises zu lieben vermag. So bleibt dem jüdischen Publikum nur noch die wichtige Aufgabe, durch die Förderung des jüdischen Sports — durch stärkeren Besuch der. Sportplätze und Veranstaltungen, durch Heranführung..der Jugend usw. — den Sporterziehern die Mittel und das Material in die Hand zu geben, aus einem von Juden betriebenen Sport einen wirklich jüdischen Sport zu formen. Das muß unser nächstes Ziel sein. Leo Weiss Leichtathletische Schulmeisterschaften 1935 des Philanthropins Die einzige grössere Sportveranstaltung des letzten Monats waren die leichtathletischen Schulmeisterschaften 1935 des Philanthropins, deren Durchführung dem Sportverein Philanthropin übertragen worden waren. Die sportliche Grundlage war durch den Dreikampf für Knaben und Mädchen in verschiedenen Altersgruppen festgelegt und bewies, daß die Durchschnittsleistungen der Schule durch eine genaue Punktwertung, besonders bei den Mädchen, eine beachtliche sportliche Höhe erreichten. Der Dreikampf für Knaben bestand, in vier Jahrgangsgruppen eingeteilt, aus 50-, 75-, lOOm-Lauf, Hand- und Schlag* ballsWeitwurf, Kugelstossen, Weitsprung mit Anlauf und aus dem Stand und Dreisprung. — Für Mädchen setzte sich der Dreikampf (3 Jahrgangsgruppen) aus folgenden Sportarten zusammen: 50-,75 m-Lauf, Schlagball-Weitwurf, Weitsprung aus dem Stand und mit Anlauf und rhythmische Gymnastik. — Diese Dreikämpfe waren durch offene Konkurrenzen, bei den Knaben Hochsprung, 100, 400 Meter - Lauf, bei den Mädchen rhythmische Klassengymnastik umrahmt. Namentlich die rhythmische Klassengymnastik, die von je 10 Mädchen klassenweise vorgeführt wurde, bildete eine Neuheit in Meisterschaftskämpfen und wurde mit grosser sportlicher Begeisterung aufgenommen. Zuletzt fanden für Knaben und Mädchen 10 x 50-Meter Pendel-, 4 x 100 Meter- und 10 x 100 Meter-Rundenstaffeln statt, an die anschliessend je ein Mädchen- und Knaben-Handballspiel und ein Knaben-Fussballspiel von Auswahlmannschaften des Sportvereins Philanthröpin vorgeführt wurden. Die Preisverteilung nahm Oberstudiendirektor Dr. O. D r i es e n, der Protektor dieses Schulsportfestes war, in der Aula vor. Die leiehtathletischen Schulmeisterschaften 1935 des Philanthropin fanden damit einen würdigen Abschluss.___ Handwerkszeug Das Beth Chaluz in der Einhorngasse 4 bittet herzlich, ihm W e r k z e u ge aller Art für den Hausgebrauch zu überlassen. ~~ 28er ioOnffeuer aaOtt, nrnf Die jüWföe JSlnterWlfe Kenten

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.