Mannheim
Compact Memory

Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1935-08-01 · 12 (8.1935) · p. Seite 479

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
13 (1934-1935)
Issue
12 (8.1935)
Date
1935-08-01
Page
Seite 479 (sequence 29)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/3094266-3094412-3094424--4806-3099607
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 479 Vom jüdischen Bildungsfyp Man spricht vom „Stil" einer Zeit und versteht darunter die Summe der Formen, in denen sich ihre Grundhaltung, der „Zeitgeist" niederschlägt. Der Stil einer Zeit, der Ausdruck ihres Geistes ist übernational. In Deutschland, Frankreich und England baut, malt, kleidet man sich nach Maßgabe des gotischen Formengefühls. Der Stil der Renaissance, die Formengebung des Barock herrschen gleichmässig in Italien wie in den Niederlanden. Demgegenüber besagt et* nicht viel, daß man eine „deutsche" Renaissance in spezifischen Nuancierugen von der „italienischen" zu unterscheiden gelernt hat, den fränkischen Barock vom Wiener differenziert. Entscheidend ist, daß überall eine einheitlich empfundene Grundstimmung zur Einhaltung gleichheitlicher Grundformen führte und zwang. Nicht nur die Materie, in der er sich bewegt, auch „ihren" Menschen formt sich die Zeit nach ihrem Bild. Sie bringt einen Typ hervor, der sie repräsentiert, ihre Haltung und Richtung, ihr selbstgeschaffenes Ziel, ihr „Bildungsideal" verkörpert, ihren „Bildungstyp" darstellt. Auch für ihn gilt das allgemeine Stilgesetz der Universalität. Das Idealbild des Kalokagathon beherrscht den gesamten hellenischen Kulturkreis, das des Ritters das gesamte christliche Mittelalter, das des homo universalis der Renaissance ist gültig über den italienischen Boden hinaus und über Frankreichs Grenzen dringt die Idealgestalt des freien und freiheitlichen Bürgers vor. Von dieser Regel können wir eine Ausnahme feststellen. Nicht weil ihre innere Gesetzmässigkeit eine Durchbrechung erfährt, sondern weil die äusseren Verhältnisse einen abnormen Tatbestand schaffen. Eine Gemeinschaft, die jüdische, lebt inmitten der Zeit doch ausserhalb ihrer, hat an ihrem Gestaltungsvermögen keinen Anteil. In strenger Klausur wird sie — im christlichen Kulturkreis — künstlich vom inneren Geschehen der Zeit fern gehalten, abgeschlossen von einer Umwelt, die für sie zu einer Aussenwelt wird und deren Erleben nicht das der jüdischen Gemeinschaft sein kann. Diese Gemeinschaft kann nicht im Rythmus des Zeitgeistes mitschwingen, sie muß auf sich selbst gestellt ihr eigenes Bildungsideal, ihren eigenen Bildungstyp schaffen. Selbstverständlich, daß sie sich hierbei nur an den Werten orientieren kann, die sie speziell ihr eigen nennt, die Werte, wegen deren Anerkennung sie sich eben von der Umwelt scheidet: die jüdische Lehre. Der, der strebend sich bemüht, sie tiefstinnerst zu erfassen und zu erleben, der „talmid chacham" ist ihr geistiger Menschentyp. Der Liberalismus bricht mit der überlieferten Ordnung und kehrt sie um: Gleichheit, bedeutet das natürliche Miteinander, bedeutete Einschaltung in das universelle Erleben des Zeitgeschehens, die Einbeziehung eines künstlich zum Absterben gebrachten Gliedes in den Kreislauf des Gesamtorganismus. In regster Anteilnahme schaffen jüdische Menschen mit im kulturellen Leben der Zeit, verwachsen jüdische Generationen mit ihm, recipieren und empfinden das Bildungsideal und den Bildungstyp der Zeit naturgegeben als den ihren, gehören den eigenen Werten nicht mehr ausschliesslich, sondern nur noch, soweit die Verbundenheit mit der Zeit Raum lässt. Eine Reaktion unserer näheren Umwelt gegen die Gedankengänge des Liberalismus führt in unseren Tagen zu einer Wiederausgliederung des jüdischen Elements aus dem öffentlichen, kulturellen und gesellschaftlichen Leben der Umwelt. Es erhebt sich die Frage: Hat sie lediglich eine Parallele, eine Rückkehr geschaffen zu dem, was vordem war, und kam der Spanne, die inzwischen liegt, nur die Bedeutung eines Intermezzos, eines ausgeträumten Traumes zu? Wir müssen verneinen, denn wir stellen fest: Die Bindungen "zum Zeitgeschehen sind zwar gelockert, aber sie sind nicht zerrissen. Die Berührung mit ihm ist nicht mehr wie früher vielfach eine intime, aber doch zum wenigsten — in unendlich mannigfaltigen Beziehungen — eine mittelbare. Die Rolle der, jüdischen Gemeinschaft spielt nicht mehr inmitten der Umwelt, in einer anderen Welt; sie ist, nicht zuletzt als Objekt manigfachen Geschehens, zu dessen Zeugin geworden, wenn, sie auch nicht selbst handelnd Anteil nimmt. Und so, noch immer und unlösbar mit ihr verbunden, entzieht sich auch die jüdische Gemeinschaft nicht dem Idealbild, das die Zeit für ihre Menschen geprägt hat: Den Typ des einsatz- und opferbereiten Kämpfers für Wohl und Idee der Gemeinschaft. Er ist al3 „Pionier", als „bündischer" Mensch heute in weitgehendem Maß der unsrige und sucht die Verbindung, die Synthese mit dem Gemeinschaftsideal des engeren Kreises, der jüdischen Substanz, dem jüdischen Eigengut. Hier aber ist eine Bereicherung der Gesichtspunkte eingetreten: Die Gemeinschaft der Lehre, der Religion, wird nicht mehr von allen als das allein entscheidende Gemeinschaftliche gewertet. Es ist das Völkisch-Nationale, das vielen primär zu sein scheint, während wieder andere aus dem Ablauf des Geschichtsgeschehens heraus den Sinn des jüdischen Seins eben im Zerstreutsein unter den Völkern sehen. Mit allen Erscheinungsformen desselben Judentums, begriffen als Religion, als Nation oder als Diasporagemeinschaft, verbindet sich die Einsatzbereitschaft junger jüdischer Menschen zu neuen Bildungstypen, einheitlich nur im Bereitstehen für die Gemeinschaft, auseinanderstrebend in der Richtung des Kräfteeinsatzes. Dr. Kurt Freudenthal PäsS'BUder9PorfrauABlnahni6D erstklassig und billig Samson&Co. PtiotoateUcrZeil 102 neben Ehrenfeld Fflcbwerkstattß für Büromosctiiiieii Adolf Metzoer Damenn. Herrenfriseur H. Schwedt Könlgswarterstr.2 Wassern. FÖnwellen, Scheitel-F-isIeren Brillanten Goid Pfandscheine» Silber höchster Preis ABRAHAM Schillerstr.30, Entr.Zlm 10 Tel. 2fl5l2 Nauheimerstr. 12 Tel. 76504 neue und gebrauchte Schreibmaschinen 1 3nferafe frei um 1 »erwürgen (Srfofg! Besuchen Sie bitte Damen - Herren - Friseur LEOPOLD QOND1II Moselstrasse 28. Ecke Kalserstr. Telef-n 31860 Farbbänder und Kohlepapiere lllllllllll llllllllllllllllllllllllllIlINQIlli Großzügig hat E k a - M o d e n die Preise gesenkt. Darum Ihr erster Weg im Söison-Sctilüöverkaul zu ClTfi |JAI\Cy SChillerslraBe30-40 ClmMi m ■'i^dr adrCf^l *eß*- d' General-Anzrieer Telefon 23106 jQiscliB Bflcüer auch BiMiotbeken kauft Buchhandlung S. WRUM/IMM Bflrnestr. 27 Telefon 23777 Verlangen Sie unsere Anzeigen- Preisliste JULIUS HIRSCH Eschersheimerlandstr. 134 Telefon 55068 u. 41062 liefert Ia. TAÜNÜ8-AEPFELWEK naturrein, aus eigener Kelterei . .., in s/4 - Literflaschen frei Haus Ferner halte ich mich in Wein und Spirituosen aus eigenen Kellereien bestens empfohlen. Vertreter werden angenommen Preislisten stehen zur Verfügung

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.