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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1935-07-01 · 11 (7.1935) · p. Seite 447

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
13 (1934-1935)
Issue
11 (7.1935)
Date
1935-07-01
Page
Seite 447 (sequence 33)
Language
German
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Seite 447 Generationen Das deutsche Judentum hat, bedingt durch die nationale Revolution in Deutschland und deren Einwirkungen auf die jüdische Lebenssphäre, eine tiefgreifende innere Wandlung an sich erfahren. Zeiten des Umbruchs, wie die, in der wir leben, sind oluie Zweifel dazu angetan, die Gegensätzlichkeit zwischen den Generationen zu lockern. Wir wollen hier untersuchen, ob Jugend und ältere Generation der deutschen Judenheit so völlig einig in Forderung und Tun geworden sind, daß man von einer wirklichen Einheit zu sprechen berechtigt ist. Es kommt hier gewiss nicht darauf an, einen künstlichen Gegensatz zu konstruieren. Die Dinge sollen in ihrer Tatsächlichkeit aufgezeigt werden. Vielleicht muß vorausgeschickt werden, daß wir zur jungen Generation diejenigen zählen, die „gereift und daher jung geblieben sind". Deshalb ist ein 18jähriger manchmal zur älteren Generation zu rechnen. . Die jüdische Jugend in Deutschland war in den letzten 20 Jahren, beeinflusst durch die Wandervogelbewegung, vielleicht stärker noch durch die Veränderung ihrer sozialen Struktur antibürgerlich in dem Sinne, dass sie sich gegen Konventionen und Sitten ihrer Väter auflehnte. Diese Bewegung wurde besonders spürbar in den Nachkriegsjahren, als die Stabilität der wirtschaftlischen Verhältnisse mehr und mehr einer Unsicherheit wich. Der Gegensatz zwischen jung und alt war die Opposition der nach Gemeinschaft drängenden Jugend gegen den Individualismus der älteren Generation. Machtvoll bricht sieh dieser Gemeinschaftsgedanke neue Bahn. Die langjährige Forderung der Jugend nach Berufsumschieiitung wurde verwirklicht, als sie aufgrund der Ereignisse zur einzigen Möglichkeit der Existenserhaltung wurde. Es gab plötzlich keine Standesunterschiede mehr. Die frühere soziale Stufenleiter in ihrer Unmenschlichkeit war über Nacht zusammengebrochen. Der Rechtsanwalt wurde Bauer, der Kaufmann stellte sich an Schraubstock oder Hobelbank. Alle mussten an diesem Werk teilnehmen. Aeltere schufen die Voraussetzungen, die Jungen gingen den Weg vorwärts. Aber schon werden die Mittel zu knapp. Jetzt gilt es zu beweisen, daß der Einsatz mehr ist als eine schöne Geste. Das Prinzip der sozialen Verantwortlichkeit muß hier für alle Geltung gewinnen. Gibt es einen besseren Beweis als die Solidaritätsaktion des Hechaluz? Nicht aus „Rachmones" und Mitleid eine Spende geben, sondern sich zu jeder Stunde einsetzen für die Gesamtheit, ist uns Parole. * Die Trennungslinien zwischen Parteien und Gruppen innerhalb der deutschen Judenheit verschwinden immer mehr ineinander. Trotzdem spielt der Meinungs- und Interessenkampf bei allen möglichen Gelegenheiten noch eine grosse Rolle. Jugend hat wenig Verständnis dafür, wenn ein Wort, willentlich oder nicht falsch verstanden, zur Grundlage einer grossen Auseinandersetzung gemacht wird. Vor uns jungen Menschen steht als Ziel die Gemeinschaft, nicht nur eine Arbeitsgemeinschaft auf Zeit, sondern eine wirkliche echte Gemeinschaft der Tat und des ganzen Lebens. Nicht mehr hie zionistisch, hie deutschjüdisch, sondern Judentum in seiner Totalität ist unser Ruf für heute und morgen. So hat derjenige nur ein Recht auf Geltung und Führung, der seine jüdische Leistung vorweisen kann. Wir anerkennen keinen Anspruch irgendeiner Gruppe, bevor sie sich nicht ohne Vorbehalt der Gesamtheit ein- und unterordnet. Prinzipien und Dogmen vergangener Tage stehen wider uns: mit uns aber ist der Geist einer neuen Zeit. Unsere Väter haben uns früher immer vorgeworfen, wir seien nicht religiös. Wir waren gewiss nicht religiös in ihrem Sinne. Sollen wir daraus, daß Synagogen besser besucht sind, schliessen, daß Religion auch in den Alltag eingezogen sei? Lehrt Not wirklich beten? Wir neigen eher zu der Annahme, daß die Erscheinung des stärkeren Synagogenbesuchs einem anderen Bedürfnis entspringt. Jüdische Menschen wollen dem grauen Alltag entfliehen und fühlen sich geborgen, indem sie zusammenkommen. In diesem Zusammenhang steht auch, daß der Predigt innerhalb des Gottesdienstes eine so grosse Bedeutung beigemessen wird. Grosse Teile der Jugend sind, so sagt man, nicht religiös. Sie sind aufrichtig genug, es zu sagen. Unbestreitbar aber ist die Tatsache, daß Jugend mehr denn je einer Verinnerlich u n g zustrebt. Die Zeit ist noch zu kurz, um Schlüsse daraus zu ziehen, ob diese Bewegung zu neuer Gläubigkeit hinführt. * Viele Forderungen der alten Jugendbewegung scheinen erfüllt. Deshalb davon zu sprechen, daß Jugend nur noch die eine Aufgabe habe, sich einzuordnen in die Kontinuität jüdischer Geschichte, ist nicht am Platze. Jüdische Jugendbewegung darf nicht konservativ (im politischen Sinn) sein. Geschichte ist einmalig. Franz Oppenheimer sprach einmal von der nach oben sich steigernden Spirale, die in der Geschichte abläuft. „Die ganze Hoffnung des Geistes ruht auf dem Wechsel der Generationen." Edgar Gerson Chem. Wäscherei für Herren-und Damenkleider Telefon 53717 Olauburgstr 25 MaxLevy — Gegründet 1892 — Jede Auskunft über Preis und Ausführung telefon. oder bei Abholung Corseis pnü BflsienMer Elegante Fertigfabrikate, erstklass. chlcke Mafiarbelt, neueste Modelle, In jeder Preislage von Mk. 2.50 an Johanna Brandes Gemeinde-Mitglied Eschersh. Ldstr. 60, I. Tel. 51931 Der Sitzt ja ganz vorzüglich Und woher stammf dieser Maljanzug? Aus der Mafj-Schneiderei A. J. Neugebauer s£id.>mei.(.r Uhlandstr. 57 — Ecke Hanauerlandstr. Telefon 44028 * Verarbeitung 2 teil. Anzüge mit 1 Anprobe 45 Mk. fertige Hosen Mk. 10.50 u. 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