Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 13 (1934-1935)
- Issue
- 11 (7.1935)
- Date
- 1935-07-01
- Page
- Seite 443 (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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Für die Frau Mitteilungen aus den Interessengebieten der Frau Beiträge und Zuschriften sind zu richten an Frau Stephanie Forchheimer, Frankfurt a. M.. Feldbergstr. 31 Sara Schenirer zum Gedächtnis Das Werk von Sara Schenirer „Beth Jakob" ist auf manche Weise mit Frankfurt verknüpft, und die Nachricht von ihrem Tode wird hier als ein schwerer Verlust für die Frauenarbeit im Osten verstanden worden sein. Da ich nun vor wenigen Jahren das grosse Glück hatte, Frau Schenirer mitten in ihrer eigensten Arbeit noch zu sehen, sind meine Erinnerungen gewiss für die nicht ohne Interesse, die von diesem Werk wissen; und wenn eine Leserin sie vielleicht erst durch mich kennen lernt, so erfährt sie damit von einem Lebenswerk, iür das wir alle heute mehr Verständnis haben als noch vor einigen Jahren. Frau Schenirer stammte aus Krakau; als junge, tief religiöse Frau sah sie mit Kummer, wie vernachlässigt infolge einer anzustrengen Auslegung des bekannten. Mischnahwortes „daß man seine Tochter nicht lernen lassen soll" die jüdische Mädchenbildung gerade in strenggläubigen Kreisen war, und wie hiesdurch der innere Zusammenhalt der Familie, das feste Bollwerk gegen alle inneren und äusseren Gefährdungen, erschüttert wurde: einmal, weil die Mädchen ganz anderen Interessen sich zuwandten als ihre Brüder, dann aber auch, weil die jüdisch ungebildeten Schwestern im Hause nichts galten und gegen dies Gefühl ihrer Minderwertigkeit natürlich rebellierten. Es war die Lage, die Max Brod sehr fein geschildert hat, die Gefahr des Abfalls. Max Brod lernte sie dadurch kennen, daß aus dem kriegsbedrohten Galizien Flüchtlinge nach Prag kamen; er unterrichtete eine Gruppe heranwachsender Mädchen, die völlig in der polnischen Literatur zu Hause waren, aber an jüdische Dinge — unter dem schwer zu überwindenden Widerstand ihrer Väter — erst durch den deutsch-jüdischen Dichter herangebracht wurden. Ej erinnert da an eine Gruppe ähnlich geistig lebendiger junger Frauen, denen das Judentum geistige Nahrung verweigerte, und die sich darum leidenschaftlich von ihm fort dorthin wandten, wo ihnen das sehnlich Gewünschte geboten wurde: die jüdischen Frauen der Berliner „Salons", die Töchter Mendelssohns. Frau Schenirer kam aber bei der militärischen Evakuierung Galiziens nach Wien und fand dort Zugang zum jüdischen Wissen. Sie kehrte heim, erfüllt von dem glühenden Wunsch, auch ihre Mitschwestern an ihrem Schatz teilhaben zu lassen. In allerbescheidenster Form gab sie im elterlichen Hause, in ihrem eigenen Zimmer Unterricht; aber die Zahl der Schülerinnen wuchs so, daß sie notdürftig die Fortgeschrittneren unter ihnen schon selber zur Unterweisung mit heranziehen musste: in diesem Stadium ihres Werkes fand sie tatkräftige und weitsichtige Hilfe bei der Orthodoxie, die die Wichtigkeit dieser Arbeit erfasste, (die nun den bedeutungsvollen Namen „Beth Jakob" erhielt) und aus einer großen Etage—sie dient heute noch zu Schulzwecken—schliesslich in ein sechsstöckiges Haus zog, das aber sehr bald auch nicht mehr genügte: denn dort war nun das Seminar (neben der Centrale in Wien), aus dem die jungen Lehrerinnen hinauszogen in die „Städtchen" und verlorenen Dörfer, um überall opferwillig und * tatkräftig, Schülerinnen um sich zu versammeln. Sommerkurse in stillen Walddörfern sorgten für dauernde Verbindung mit der Ein Talent können wir nach einer einzigen Manifestation erkennen — für die Anerkennung eines Charakters bedürfen wir aber eines langen Zeitraums und beständiger Oeffentlichkeit. Heinrich Heine Centrale, dem Austausch von Erfahrungen, der eigenen Weiterarbeü; lernen und diskutieren und spielen in freier Natur — wie fremd! der Gewohnheit und wie stark ein Beweis für die Art dieser Bildungsarbeit! In Krakau nun, in dem grossen, vor der Fertigstellung schon längst überfüllten Seminar lehrte Frau Schenirer noch selbst zwischen jugendlichen Mitarbeiterinnen, lauter einstigen Schülerinnen. Unmöglich den Eifer bei den Studien, die Opferwilligkeit dieser oft unvorstellbar armen Mädchen zu schildern, ihre glühende Beredsamkeit, ihre leidenschaftliche Festfreude! Eine Hingabe an Geistiges brannte in diesen Mädchen, wie ich sie nirgendwo sonst gespürt habe — und sicher war es das Fluidum dieser wirklich „berufenen" Jugendführerin, die sie in diese Bahn gelenkt hatte, statt diese Kräfte sich spielerisch zerflattern zu lassen wie es so oft in dem Alter geschieht! Wir wiscen ia alle, daß eine wirklich begnadete Lehrerin in diesen Jahren der Eeife in jungen Menschen schlummernde Kräfte wecken, ihnen Richtung geben kann. Wenn, wie in Beth Jakob, mit grosser Klugheit diese Führung nicht abbricht, wenn die Schülerin nun aus der Schule ins Leben tritt, sondern weiter wirksam bleibt, dann ist zu liofien, was wir alle im Int?re?sa des innerlich und äußerlich so hart bedrängten polnischen Judentums hoffen, daß das von dieser schlichten und bescheidenen, dabei innerlich glühenden und willenstarken Frau geschaffene Schulwerk in ihrem Sinne nicht nur wie jetzt für zehntausende, sondern noch für viel mehr jüdische Mädchen ein! Kraftquelle bleiben möge! D. E. Arbeitstagung der Wizo Am 6. Mai traten die Delegierten der Ortsgruppen des Verbandes jüdischer Frauen für Palästinaarbeit (Wizo) zu einer zweitägigen Arbeitstagung in Berlin zusammen, bei der als Vertreterin des Frauenbundes Hannah K a r m i n s k i, Berlin, anwesend war. Der erste Sitzungstag gab einen Ueberblick über die Arbeit der deutschen Wizo im letzten Jahre. Am zweiten wurde eine Reihe praktischer Fragen erörtert. Frau Edith H i r s c h begrüßte die Anwesenden und wies auf die besonders angesichts der heutigen Situation nicht zu verkennende Bedeutung der Wizo hin. Zielsetzung und Aufgabe dieser am Palästinaaufbau interessierten Frauenbewegung präzisierte dann noch Dr. Franz Meyer, der im Namen der Zionistischen Vereinigung für Deutschland sprach. Im Mittelpunkt der Vormittagssitzung stand der Rechenschaftsbericht von Frau Edith Hirsch. Der Bericht legte nicht nur Zeugnis ab von der für Palästina und die jüdische Allgemeinheit bedeutsamen praktischen Arbeit dieser Bewegung, sondern bewies darüber hinaus, daß der für eine fnichtbare und intensive Gemeinschaftsarbeit notwendige Ernst, aber auch die aufbauende und nicht zersetzende Kritik an der eigenen Arbeit und das Streben nach Vervollkommnung unter den Frauen der Wizo lebendig ist. für (Reise und Sport ßeinenkostume, Husen, (Röcke Sporimäntel, ßeinenmänfel, in jeder Preislage — für jeden Geschmack 6. <5icf)el LIEBFRAUENSTRASSE 6