Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 13 (1934-1935)
- Issue
- 10 (6.1935)
- Date
- 1935-06-01
- Page
- Seite 391 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 391 Haushaltsplan eingestellt. Wenngleich die Notwendigkeit einer Bolchen Massnahme allseits anerkannt werde, so hält es Herr Dr. Mainzer für notwendig, darauf hinzuweisen, dass gewisse Versuche für die Betäubung der Schlachttiere mit dem Ziel der Ermöglichung eines einwandfreien rituellen Schlachtverfahrens im Interesse der Fleischverbilligung ernsthaft erprobt und von den in Betracht kommenden Stellen beschleunigt studiert und begutachtet werden sollten. Weiterhin stellt Herr Dr. Mainzer mit Genugtuung fest, daß es offenbar möglich gewesen ist, den in den Entwurf eingestellten Posten Kulturbund in der im vorigen Jahr bewilligten Höhe zu ersparen. In Bezug auf den Posten P h i - lanthropin weist Herr Dr. Mainzer erneut diejenigen Kreide, die der Ansicht seien, daß das Schulwerk der Gemeinde unverhältnismässig hohe Lasten auferlege, auf die Pflicht der Gemeinde hin, ihren Kindern," besonders in der heutigen Zeit, eine vorzügliche Schulbildung zu verschaffen, die sie befähige, den schweren Lebenskampf zu bestehen, auch wenn damit Opfer gebracht werden müssen. Schliesslich spricht Herr Dr. Mainzer die Hoffnung aus, daß die schwere Zeit, in der wir leben, ein starkes und opferfreudiges Geschlecht finden werde, das es ermögliche, die Frankfurter Gemeinde in ihrem Bestand zu erhalten. Herr Felix Meyer hält es für nötig zur Aufklärung der Gemeindemitglieder hinsichtlich der notwendigen Aufgaben und der Verwendung der Steuermittel gleichfalls auf einige Punkte einzugehen: Man könne die freudige Genugtuung aussprechen, daß es gelungen sei, das Schulwerk der Gemeinde (Philanthropin) in vollem Umfang aufrecht zu erhalten, sodaß es in der Lage sei, dem starken Zustrom von Kindern, der sich durch die geänderten Verhältnisse ergeben habe, Aufnahmemöglichkeit zu gewähren. Die Schule könne im gegenwärtigen Zeitpunkt ihre Höchstfrequenz (34 Klassen mit rund 1200 Kindern) verzeichnen. Wenn auch, bedingt durch die historische Entwicklung, sie nicht immer den Wünschen der konservativen Gemeindemitglieder entsprochen hätte, so gebühre doch ihrer Leitung und ihrem Lehrerkollegium die Anerkennung, daß sie sich bemühe, im Kähmen der gegebenen finanziellen Verhältnisse allen berechtigten Ansprüchen mehr und mehr gerecht zu werden.. Es ergehe deshalb an die massgeblichen Instanzen der Appell, in diesen Bemühungen nicht zu erlahmen und alles zu tun, um die jüdischen Erfordernisse der Zeit zu erfüllen. Die in diesem Jahr besonders erhöhten Ausgaben für die Einrichtungen der sozialen Fürsorge seien von den Gemeindekörperschaften gerne bewilligt worden, da diese es als ihre dringendste Pflicht ansehen, den Aermsten der Armen zu helfen. Andererseits sei es ein unabweisbares Gebot für die Gemeindemitglieder, sich auch ihrerseits ihren sozialen Pflichten nicht zu entziehen und nach wie vor in noch stärkerem Masse als bisher freiwillige Beträge an die Jüdische Wohlfahrtspflege zu entrichten, da diese trotz der, erhöhten Subvention der Gemeinde auf stärkste Unterstützung der Gemeindemitglieder angewiesen sei. Auch die Beratungsstelle für Wirtschaftshilfe sei weit über den bisherigen Kähmen hinaus bedacht worden, weil die Gemeindebehörden davon überzeugt seien, daß diese Einrichtung, die sich vorzugsweise der wirtschaftlichen Stützung und beruflichen Umschichtung der jüdischen Jugend widmet, eine dringende Notwendigkeit ist und weitgehender Förderung dringend bedarf. Das Gemeindeblatt, das Verbindungsorgan zwischen Gemeindeverwaltung und Gemeindemitgliedern, sei für viele geradezu ein Bedürfnis geworden. Es bewege sich auf einer ansehnlichen Höhe, wofür der Schriftleitung Dank gebühre. Zu wünschen sei, daß es dieser auch weiterhin gelingen möge, das Blatt wie bisher aktuell und interessant zu gestalten. In Bezifg auf die Möglichkeit der verbilligten rituellen Fleisch Versorgung wird mit Befriedigung festgestellt, dass dank der Anträge der konservativen Fraktion die hierfür erforderlichen Mittel, wenn auch in bescheidenem Masse nunmehr etatisiert seien. Im übrigen wird die Ansicht vertreten, dass die Gemeindevertretung nicht der Ort sei, wo auf die Frage der Betäubung beim Schächten eingegangen werden könne. — Das Krankenhaus ist dank der Bemühungen des Pl'legamts auf der seitherigen Höhe erhalten worden. Es sei dalier Ehrenpflicht der jüdischen Stadtärzte, noch mehr als bisher ihre Patienten dem Krankenhaus zuzuweisen, da der hohe hygienische Stand seiner Einrichtungen allen neuzeitlichen Anforderungen Genüge leiste. Die Steuererhebung werde infolge der Uebernahme der gesamten Steuerverwaltung auf die Gemeinde in der Uebergangazeit gewisse Erschwerungen mit sich bringen. Dagegen bestelle begründete Aussicht, daß, wenn die Gemeindemitglieder ihren steuerlichen Verpflichtungen pünktlich nachkommen, die Veranlagung und Erhebung woniger Kosten verursachen werde als bisher. In Verbindung damit begrüsst Herr Meyer die in der letzten Zeit,hier zugezogenen neuen Mitglieder und spricht die Hoffnung aus, daß sie sich im Rahmen der gegebenen Verhältnisse hier wohl fühlen und allmählich aus ihren Reihen tätige Mitarbeiter den einzelnen Zweigen der Gemeindeverwaltung erstehen werden. Die Finanzlage der Gemeinde sei nicht günstig, Avas sich aus der Notwendigkeit der Steuererhöhung ergebe. Aus diesem Grunde ergehe an die Beamten der Gemeinde der Appell, Mehrarbeit, wenn erforderlich, auf sich zu nehmen, Mehrforderungen zu unterlassen und in gleicher Weise wie bisher Verständnis für die finanzielle Notlage der Gemeinde zu zeigen. Schliesslich stellt Herr Meyer fest, daß die Zusammenarbeit mit den übrigen Fraktionen durchaus harmonisch verlaufe, weil jede Fraktion das Bewusstsein habe, daß sie im Rahmen der Gesamtarbeit ihr Recht finde. Dies möge auch in Zukunft so bleiben. Herr Dr. Pomeranz: Die Fraktion der jüdischen Volkspartei werde, wenn an sie die Frage ergeht, ob der vorliegende Etat zu bewilligen» sei, selbstverständlich diese Frage bejahen, wenn auch aus anderer Einstellung als die übrigen Fraktionen. Aus dieser besonderen Einstellung heraus seien einige Ausführungen notwendig: Die Jüdische Volkspartei sei der Auffassung, daß die Gemeinde ein Abbild der großen jüdischen Gemeinschaft ist und daß ihr Aufgabenkreis nicht nur ein örtlicher sein kann, sondern symbolisiert durch das in dem Etat enthaltene Kapitel „Beiträge für überlokale Zwecke" auch weitgehend der Allgemeinheit zu dienen habe. Wenn man den Etat daraufhin ansehe, könne man sich darüber freuen, daß die Gemeinde in der Tat eine solche überlokale Organisation darstelle. Von diesem Gesichtspunkt aus sei es berechtigt, einige Etatposten herauszuheben. Die Soziale Fürsorge hat sich von der bisherigen Armenfürsorge zu konstruktiver Sozialpolitik entwickelt. Sie arbeite bereits nach der Richtung, wo sich der stärkste Aufbau vollzieht, nämlich im Sinne der Ertüchtigung von Menschen, die JUWELEN GOLD SILBER Feinste Japan-Zuchtperlen TRAURINGE BESTECKE Armband - Uhren | UHREN-REPARATUREN zuverlässig, preiswert | An- und Verkauf aus Privatbesitz Posen S Dosen SILBERSCHMIEDE | KAISERSTR. 5 FRANKFURT AM MAIN \