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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1935-06-01 · 10 (6.1935) · page 3

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
13 (1934-1935)
Issue
10 (6.1935)
Date
1935-06-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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FRANKFURTER ISRAELITISCHES GEMEINDEBLATT Amtliches Organ der Israelitischen Gemeinde Das Gemeindeblatt erscheint monatlich, Bezugspreis für Gemeindemitglieder Tierteljährlich 45 Rpfg. (einschl. Zustellung!- und Erhebungskosten). — Preis der Einzelnummer 25 Rpfg. — Jahresbezug für Nichtmitglieder der Gemeinde RM. 3.— zuzüglich Porto. — Schriftleitung: Fahrgmsae 146; Fernsprecher: Sammel-Nnmmer H. 27544. — Postscheckkonto: Frankfurt b. M. Nr. 33521. — Anzeigenrerwaltung: Annoncen-Expedition M. Isaac & Co., Rarensteinstrafie 11. I., Fernsprecher 44868 und 44888. — Anzeigen nach Tarif. — Anzeigenschluß' für nächste Nummer: 28. Juni — Die Schriftleitnng Übernimmt für den Inhalt des Gemeindeblattes nur die preßgesetzliche Verantwortung. Nachdruck nur mit Erlaubnis der Schriftleitung gestattet. 13. Jahrgang Frankfurt a. M., Juni 1935 Nr. 10 AN DIESEM TAGE WARD DIR DEIN GESETZ Aufstöhnte der Berg in Wolken Rauchs gehüllt Vom Brausen der Posaunen wild durdibebt: Und aus des Chaos dunklem Wogen hebt Sidi des Gesetzes steingehaunes Bild. Und Einer stand, wie Säulen ragend stehen, Ein Pfeiler zwischen Gott und seiner Welt: Und Mosche sah, was nie ein Mensch gesehen, Die Glorie Gottes, die Gerichtstag hält. Und dein Gesetz ward dir an diesem Tage! — Du standest zagend in des Volkes Menge Am Fuss des Bergs in angstgebundner Enge Und warst ein Zittern und ein Ton von Klage, Bis dass der Eine dir die Weisung brachte. — Es neigen sich in Furcht die Menschenherden — Doch als der Herr sein Licht in uns entfachte War der Gehorsam vor dem Innewerden. BEN-CH ORIN Betrachtung zum Wochenfest von Gemeinderabbiner Dr. Salzberger Es ist eine eigentümliche Tatsache, daß die uns geläufigen Namen unserer Hauptfeste mehr ein Äusserliches und Zufälliges als ihren vollen religiösen Sinn oder ihre ganze geschichtliche Bedeutung -wiedergeben. Von biblischen Zeiten bis heute heisst das Fest der Befreiung aus Aegypten nicht S'man cherusenu sondern Pesach, d. i. Ueberschreitung, nach der Nacht, in der der Todesengel über die Häuser Israels schonend hinweggeschritten, während er in denen der Aegypter die Erstgeborenen schlug. Aehnlich heisst das Fest der Wanderung Sukkaus, weil Gott Israel während der vierzig Jahre der Wüste in Hütten hatte wohnen lassen. Rausch haschono ist die üblich gewordene Bezeichnung für den Tag, mit dem wohl ein neues jüdisches Jahr beginnt, dessen Größe aber doch darin beruht, daß er als einer der „gewaltigen Tage", als „Tag des Gerichts", die Tage der Einkehr und Umkehr eröffnet. Einzig der Versöhnungstag wird mit seinem schönen Namen seiner einzigartigen religiösen Bedeutung gerecht. Will man die Namen nicht religionsgeschichtlich, etwa von ursprünglichen Naturfesten, herleiten, so könnte man sagen, der Reichtum und die Tiefe der Gedanken, deren Träger die einzelnen Feste sind, sei zu groß, als daß sie sich auf einen von ihnen hätten festlegen lassen, und je weniger bezeichnend die Namen waren, desto größere Möglichkeiten für Beziehungen und Sinngebungen Hessen sie offen. Das würde insbesondere von dem Wochenfest gelten. Es verdankt diesen Namen dem Gebot der Thora, die sieben Wochen, die vom zweiten Tage Pesach bis zu ihm hinführen, zu zählen. Ehemals, als Israel, ein Volk von Bauern, im eigenen Lande wohnte, waren diese Wochen die Zeit der Gersten- und der Weizenernte, und noch heute erinnert die weniger bekannte Bezeichnung des Chag haschowuaus als Fest der Erstlinge und die Lektüre des Buches Ruth, dessen Erzählung in der Erntezeit spielt, vielleicht auch der Brauch, die Synagogen mit frischem Grün zu schmücken, an seine alte natürliche Bedeutung. Aber welche grossen geschichtlichen Erinnerungen und religiösen Gedanken heben sich von diesem idyllischen Hintergrunde ab! ,J3as Fest der Wochen" ist uns zum Fest der Offenbarung vom Sinai, der Gesetzgebung, der Auserwählung Israels und des Bundes zwischen Gott und Israel geworden. Es besteht — und nicht nur innerhalb des Judentums — bei religiösen Menschen kein Zweifel darüber, daß ohne die Annahme einer göttlichen Offenbarung die Ueberwindung des Heidentums in der Welt und das heisst die Entstehung und Geschichte der Eingottreligion undenkbar wäre. Aber so gewiss die Tatsache solcher Offenbarung, so unerklärlich und geheimnisvoll ist sie. Sie widerspricht jeder wissenschaftlichen Theorie wie jeder natürlichen Erfahrung. Sie ist nicht auf eine Stufe zu stellen mit der Offenbarung Gottes in der Natur oder in der Geschichte, die ja nicht unmittelbar, sondern nur mittels jener möglich ist: erst musste das Dasein und Walten eines Schöpfers und Lenkers der Welt offenbart sein, um ihn dann in den Gesetzen der Natur und der Geschichte zu entdecken: „den Ewigen, der Himmel und Erde, das Meer und alles was darin ist, erschaffen" (4. Gebot), „der Israel herausgeführt hat aus dem Lande Ägypten, dem Hause der Knechte" (1. Gebot). Was wir' Offenbarung eines Menschengeistes, etwa in seiner künstlerisch genialen Konzeption nennen, mag Erleuchtung sein, ist aber nicht das Erleben, „wie spricht ein Geist zum anderen Geist". Wir können hier dem Glauben an ein Wunder, das die Verständigen so gern belächeln, nicht ausweichen: es ist das Wunder eines einmaligen Einbruchs des Himmlischen ins Irdische, des Göttlichen ins Menschliche, dort und damals, am Sinai zu Moses Zeit. Bis dahin, sagen unsere Weisen, galt das Psalmwort: „Der Himmel ist Gottes Himmel, aber die Erde gab er den Menschenkindern"; in jener Stunde aber kamen Himmel und Erde zusammen. Mag Gott in Propheten und

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