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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1935-05-01 · 9 (5.1935) · p. Seite 343

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
13 (1934-1935)
Issue
9 (5.1935)
Date
1935-05-01
Page
Seite 343 (sequence 5)
Language
German
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Seite 343 Zuzug Männer Frauen Zus. Gemeindestatistik in Zahl und Wort vom Lothar Bauer Ueberraschende Ergebnisse, aber — Die Zahl derer, die die trockenen Zahlen der Statistischen Übersicht des Gemeindeblatts monatlich mit Interesse verfolgen, ist immer mehr im Wachsen begriffen. Der in erster Linie beachtete Rückgang der Geburtenzahl ist eine Erscheinung, die immer wieder die Tendenz der Bevölkerungsentwicklung zeigt, die in ihren Auswirkungen auf die Schulpolitik, auf die Ueberalterung der jüdischen Bevölkerung Deutschlands und die Massnahmen, die in Berücksichtigung dieser Tatsache getroffen werden müßen, vor allem das Interesse der Gemeindeführung finden muß. Die Ziffern für 1934 sind im letzten Gemeindeblatt vorgelegt worden. Ihr Ergebnis überrascht, wenn man sich die Gesamtentwicklung vor Augen hält und wenn nicht noch Korrekturen, die erst in den nächsten Monaten zu übersehen sind, Veränderungen bringen werden. In Fortführung der Tabellen, mit denen im vorigen Jahr die Gemeindestatitik dargestellt wurde, soll auch für 1934 die Entwicklung aufgezeigt werden. Die Abwanderung Zuzug und "Wegzug 1929 1930 1931 1932 1933 1934 929 938 977 748 760 844 643 705 701 599 761 859 1572 1643 1678 1347 1521 1703 Wegzug Männer Frauen Zus. 1004 1278 1237 976 1913 860 621 995 945 780 1566 840 1625 2273 2182 1756 3479 1700 Verminderung durch Wegzug Männer Frauen 75 340 260 228 1153 16 Zus. 22* 290 244 181 805 19* 53 630 504 409 1958 3* *) Mehr Zuzug — eine einmalige Erscheinung Die Statistik, die die Gesamtentwicklung unserer Gemeinde zeigt, lässt eine unerwartete Endziffer erkennen. Während 1933 eine Verminderung um 2242 Köpfe (nach Berichtigung der im Vorjahr wiedergegebenen Ziffern auf Grund der endgültigen Feststellungen) das Vorjahr 1932 um das dreifache übertroffen hatte, ergibt sich für 1934 nur eine Abnahme der Gemeinde um 307 Personen, die niedrigste Zahl seit 192 9. Dies ist einzig, und allein darauf zurückzuführen, daß nach den bekanntgewordenen Feststellungen die Abwanderung auf die Hälfte z u r ü c kgegangen ist, während sich der Zuzug ganz wesentlich erhöht hat. Dabei handelt es sich vermutlich um eine Erscheinung, die einmalig ist und kaum geeignet erscheint, das Bild der Gesamtentwicklung auf die Dauer zu beeinflussen. Der Unterschied zwischen Männern und Frauen in der A b - Wanderung ist 1934 nicht so groß wie im Vorjahr. Während damals die Zahl der wegziehenden Männer die der Frauen um 250 übertraf, ist die Differenz 1934 nur 20. Die Zahl der Wegzüge ging überhaupt ziemlich genau auf die Hälfte zurück, ein Beweis dafür, daß die Auswanderungswelle von 1933 einer ruhigen und langsamen Ueberlegung Platz gemacht hat. Soweit das Wegzugsziel bekanntgegeben wurde, ist festzustellen, daß 1934 803 Personen nach dem Ausland gegangen sind, gegenüber 2134 im Jahre 1933. Möglicherweise sind in den 239 Zuwanderern aus dem Ausland gegenüber 106 im Vorjahr Zurückkehrende enthalten. Im ganzen bleibt zu berücksichtigen, daß alle diese Frankfurter Ziffern einmalig und für die Entwicklung der gesamten jüdischen Bevölkerung in Deutsehland durchaus untypisch sind. ' ■ Die Schrumpfung der Gemeinde Verkleinerung der Gemeinde durch: Geburtenziffer um 40% gesunken Natürliche Bewegung Sterbeübersdmss lleberschuss der Austritte Abwanderung*» übersdinss Insgesamt . Geburten Todesfälle Sterbeüberschuss M. Fr. Zus. M. Fr. Zus. M. Fr. Zus. M. Fr. Zus. Knaben Mädch. zus. Männer Frauen zus. Männer Frauen insges. 1929 56 90 146 65 10 75 75 *22 53 196 78 274 1929 131 126 257 187 216 403 56 90 146 1930 62 77 139 73 ■ 29 102 340 290 630 475 396 871 1930 128 108 236 190 185 375 62 77 139 1931 1932 1933 1934 80 99 116 128 85 102 110 119 165 201 226 247 76 52 16 32 37 39 42 31 113 91 58 63 260 228 1153 16 244 181 805 *19 504 409 1958 *3 416 379 1285 176 366 322 957 131 782 701 2242 307 1931 1932 1933 1934 97 60 *53 29 93 67 54 38 190 127 107 67 177 159 169 357 178 169 164 157 355 328 333 314 80 99 116 128 85 102 110 119 165 201 226 247 541 «'v 17, 583 1024 314 188 502 2072 1479 3551 2927 |2250 5177 498 486 984 1039 1069 2108 541 583 1125 Praktisch ist es ein Bild der Zuwanderung nach Frankfurt aus kleinen Gemeinden der angrenzenden Bezirke, in denen die Juden auf dem «Lande sehr stark vertreten sind, wie Hessen, Hessen-Nassau und Franken, und wo sich der Lebensraum der Juden im abgelaufenen Jahre wesentlich verengt hat. Zum kleinen Teil mögen diese zugewanderten Menschen junge Leute sein, die . in Frankfurt ihre Berufsumschichtung suchen, zum grösseren sind es aber Ältere, die hier eine Dauerheimat suchen, in der sie ihren Lebensabend verbringen können. So ist, im Interesse einer gesunden Bevölkerungspoiitik, diese Vermehrung der Gemeinde nicht unbedingt zu begrüssen, sie ist, wie vieles andere, was aus den Zahlen spricht, ein Zeichen der Not. ERICH WIENER GENERAL-AGENT DER „VICTORIA ZU BERLIN' GÄRTNERWEG 5, TEL. 54460 Wesentlicher erscheint für das Jahr 1934 die natürliche Bevölkerungsentwicklung. Die Geburtenziffer ist um 40 von 107 auf 67 zurückgegangen. Trotz dieser niedrigen Zahl ist der Ueberschuß der Mädchen über die Knaben der höchste, den die Statistik kennt. 1929 bis 1931 wurden mehr Knaben geboren, seither regelmässig mehr Mädchen. Die ganze Jahreszahl beträgt nur ein Viertel der von 1929. Da sich in dieser Ziffer in erster Linie die Stimmung des Jahres 1933 ausdrückt, ist der Rückgang nicht unerwartet, wenn auch die Zahl der Eheschliessungen 1933 genau so hoch gewesen war wie 1932. Es darf dabei nicht ausser Acht gelassen werden, daß ein beträchtlicher Teil der Menschen, die sich 1933 verheiratet haben, ausgewandert ist und daß infolgedessen in den nächsten Jahren die Geburtenziffer schon aus diesem Grund niedrig bleiben wird. Die Zahl der Todesfälle ist niedriger als 1933, sodaß die natürliche Bevölkerungsbewegung eine Erhöhung des Sterbeüberschusses nur um 21 zeigt. Die Zahl der Todesfälle ist um 5% zurückgegangen, die der Gemeindemitglieder aber sicher um denselben Prozent-

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