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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1935-04-01 · 8 (4.1935) · p. Seite 329

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
13 (1934-1935)
Issue
8 (4.1935)
Date
1935-04-01
Page
Seite 329 (sequence 39)
Language
German
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Für die Frau Mitteilungen aus den Interessengebieten der Frau Beiträge und Zuschriften sind zu richten an Frau Stephanie Forchheimer, Frankfurt a. M.. Feldbergstr. 31 Die Frau deckt den Sederlisch Keines unserer Feste hat wie das Pessaeh-Fest seinen Niederschlag so ganz im Hause; es ist ohne die Vorbereitung der Frau nicht zu denken, die in der gewissenhaften Beobachtung der Reinigungsvorsehriften vom Boden bis zum Keller die äussere und innere Atmosphäre schafft, die notwendig ist, um das Symbol der Weihe, ohne die das „Freiheitsfest" seinen Sinn verlöre, zu schaffen. Mit wochenlangem Mühen um diese „Reinheit" des Hauses, die weit tieferen Sinn hat als schlechthin mit Sauberkeit und Ordnung ausgedrückt wäre, adelt die jüdische Frau jedes Jahr neu die von Arbeit und Ungemütlichkeit erfüllten Wochen vor dem Pessachfest. Nun ist es so weit; des Hauses Ordnung lacht vom Flur bis zum Dache aus jedem Stück der Wohnung, der Gast darf kommen, alle Vorbereitungen für ihn sind getroffen. Es war bestimmt nicht ganz leicht für manche Hausfrau, der die beschränkten Geldmittel verboten, sich eine Hilfe zu nehmen, oder schadhaft Gewordenes ersetzen und ergänzen zu können; es mag mancher Seufzer dies ersehwerte Arbeiten begleitet haben — nicht nur der Arbeit wegen, die doch früher so freudig getan wurde mit Gedenken an die Familientafel am Seder, im Ausblick auf den Besuch der Kinder, die selbstverständlich zum gemeinsamen Seder-Abend ins Elternhaus kamen. Ja, es ist nicht einfach, mit derselben Bereitschaft seine Pflichten zu erfüllen, und doch zu wissen, die Kinder werden in diesem Jahr nicht kommen.....Aber schnell die Tränen, die so leicht kommen wollen, zerdrückt; es ist Erew- Pessach, der Seder-Tisch muß gedeckt sein, hergerichtet sein durch die Frau des Hauses, als Vollendung und Krönung der arbeitsreichen letzten Tage und Wochen. In diesem Abschluss liegt eine Steigerung, ein Höhepunkt geradezu, wie ihn eigentlich nur die Frau selbst nach getaner Arbeit in seinem ganzen Umfang empfinden kann. Hier passt das Wort: „S i e füget zum Guten den Glanz und den Schimmer" im wahrsten Sinne des Wortes; denn der Seder-Abend, er breitet wirklich Glanz und Schimmer im jüdischen Hause aus: er führt zurück das Herz der Eltern zu den Kindern, und das Herz der Kinder zu den Eltern. (Maleachi III). Und sollte das allein nicht Grund genug sein für die Frau und Mutter, auch den äusseren Rahmen so zu gestalten, daß die Seder-Tafel jedem der Teilnehmer wie mit „Glanz und Schimmer" überstrahlt erseheinen muß? Die Lichter sind mit dem Segensspruch „... der uns geheiligt hat durch Seine Gebote, und uns befohlen hat, anzuzünden die Lichter für den Feiertag____" e n tzündet Gerade dies Wort drückt den tieferen Sinn aus; das Entzünden, das Weitertragen und Weiterpflanzen der geistigen Fackel, die das Licht im jüdischen Brauch .ausdrücken soll; das Helle und Frohe, das Schöne ins jüdische Leben, an die zu Ehren des Festes gedeckte Tafel zu zaubern, das alles liegt in der Pflicht des Hadlokas haneir für die jüdische Frau. Dies ist ihre ureigenste Aufgabe, der sie sich bei jedem Entzünden des Lichtes an Sabbat und Feiertagen bewusst werden sollte. Heute brennen noch mehr Lichter an der Tafel als am Freitag Abend; es ist ja nicht nur die Familientafel, es ist der historische Abend, die Nacht, die sieh aus¬ Wenn mich der Gedanke drängt, und ich kann ihn bloss in der Weise darstellen, daß er einen unter zehntausend, einen Denkenden befriedigt und fördert, während er vielleicht der großen Masse unerträglich erscheint, so spreche ich kühn und offen das Wort aus, das den Vernünftigen erleuchtet, mag auch der Tadel der unwissenden Menge mich treffen. Maimonides zeichnen soll von allen anderen Nächten des jüdischen Jahres. Also wird die Hausfrau besonders festlich und schön den Sedertisch herrichten. Einen bequemen Sessel vor den Platz des Hausherrn stellen, weiss überzogen, mit einem Kissen versehen, denn wie ein „freier Mann", behaglich angelehnt, soll er als Hausherr den Seder geben. Nie mehr' als an diesem Abend erkennt der Jude seine Bestimmung, die Kontinuität der Tradition durch die Jahrhunderte. Er isst mit seiner Familie das „Brot des Elends", das seine Väter bei ihrem Auszug aus ägyptischer Gefangenschaft gegessen; ihm zeigte es sein Vater, und er zeigt es seinem Sohne. Tradition wird an diesem Abend lebendige Geschichte. Die Sederschüssel, die wie ihr Name sagt, nach der bestimmten Ordnung von der Hausfrau hergerichtet vor den Platz des Hausherrn gestellt wird, enthält die Symbole der Erinnerung, Erinnerungen an Leid und an Erlösung. Sie kennzeichnen das ungewöhnliche des Sedertisches und fordern geradezu eine Erklärung des Vaters heraus, der Vater hat die Pflicht sie seinem Sohne auf die Frage: Ma nischtano haleilo hase? Was zeichnet diese Nacht vor allen anderen aus — zu begründen. Das ist im jüdischen Brauchtum etwas so bedeutsames: die Kraft des gesprochenen Wortes, die Unterstreichung des Geschehens durch das erklärende Wort, wie es in ihrer Ausführlichkeit und einprägsamen Form die „Hagadah schel Pessach", die vor jedem Teilnehmer am Sedertisch liegen soll, zeigt. Alles erhält seinen Sinn, alles hat seine Bedeutung. Ja, die Hausfrau darf nichts vergessen beim Decken des Sedertisches. — Der mit Wein gefüllte Becher, der Jahr für Jahr für den Propheten Elijahu bereit gestellt wird auf dem Tisch, ist ein sinniges Zeichen des nie verzagenden Hoffens, ist der messianische Glaube, der uns Juden durch unser schweres Leben begleitet. Der Becher Wein für den Propheten Elijahu, er wird nicht getrunken, er wartet wie schon so manches Jahr und wir warten mit..... Der Tisch ist gedeckt; die Hausfrau hat das ihrige getan; nun hat der Hausherr das Wort; die Haggadah wird aufgeschlagen und gemeinsam gelesen und gesungen, gefragt, erklärt und beantwortet. Der uralte Sang von der Errettung unseres Volkes durch Gottes starke Hand, von der „Knechtschaft zur Freiheit", von der „Mühsal zur Freude" angestimmt. Und wenn ihr an die Stelle in der Haggadah kommt „Wees hotenu hizil — und unsere „H ä u s e r" hat E r erneuert", dann darf dieser Satz im Gange der Geschichte vielleicht variiert angewandt werden auf. alle die Frauen, die Jahr um Jahr, in Gewissenhaftigkeit und Treue den Sedertisch gedeckt haben für die Familie. Cilly Neuhaus Kunst und Leben Wenn in diesen Blättern, die den Interessen der Frau gewidmet sind, über Kunst gesehrieben wird, so liegt es wohl am nächsten, zuerst von ihrer Beziehung zur Wohnung, zur Häuslichkeit als dem eigentlichen fraulichen Bereich zu sprechen. Es ist eine merkwürdige Tatsache, daß der Besucher sogenannter gutbürgerlicher Wohnungen in vielen Fällen wohl ein durchaus anzuerkennendes Qualitätsgefühl für Formen und etc. vorfindet, daß aber dieses Qualitätsgefühl, gewissenhaft noch bei der Wahl der kleinsten Aschenschale, häufig versagt, wenn es sich um den Schmuck der Wände handelt, die Bilder. Es hängen oftmals in den gepflegtesten Wohnungen minderwertige Malereien, die die Harmonie der Räume gründlich zerstören. Die früheren, überfüllten Bilderwände, an denen ein Bild dem anderen die Wirkungsmöglichkeit nahm, sind zwar verschwunden, aber Farben von Möbeln, Gebrauchsgegenständen, Teppichen, Tapeten auch die heutige, an sich vernünftige Beschränkung auf ein paar

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