Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 13 (1934-1935)
- Issue
- 8 (4.1935)
- Date
- 1935-04-01
- Page
- Seite 317 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 318 lin passierten i. J. 1934 12,795 Durchwanderer, davon 5.331 Männer, 5.116 Frauen und 2.348 Kinder. Der Bahnhofsdienst nimmt sich besonders auch der Chaluzim-Transporte an, die über Deutschland nach Palästina gehen. In Hamburg und Bremen versehen die Komitees des HilfsVereins in Fortsetzung ihrer jahrzehntelangen Tätigkeit den Fürsorgedienst für die Aus- und Rückwanderer, die diese Häfen passieren. In Schwiebus an der Ostgrenze Deutschlands wirkt seit Jahren ein Vertrauensmann. Der Hilfsverein betreute auch i. J. 1934 Waisen sowie Studenten, die unmittelbar vor dem Abschluss ihres Studiums standen. — In den letzten Monaten besuchte Dr. Felix Heimann aus Berlin im Auftrage des bei der Reichs Vertretung der deutschen Juden gebildeten Zentralausschußes für Hilfe und Aufbau mehrere Gemeinden der Rheinprovinz und Hessen-Nassaus. In Andernach, Bonn, Düren, Euskirchen, Fulda, Hachenburg (Westerwald), Koblenz, Neuwied, Selters, Trier, Wetzlar und Wittlich wurden Gemeindeversammlungen einberufen, in denen Herr Dr. Heimann über den Aufbau und die Aufgaben von Reichsvertretung und Zentralausschuß berichtete. Der gute Besuch dieser Versammlungen zeigte, welchem Verständnis Reichsvertretung und Zentralausschuß im gesamten Judentum begegnen. Das Interesse an deren Arbeit kam durch die rege Fragestellung, die sich regelmässig an die Vorträge anschloss, zum Ausdruck. — In mehrere jüdische Zeitungen ist aus der deutschen Presse eine Statistik übernommen worden, die die Zahl der Aerzte im Aerztekammerbezirk der Stadt Berlin am 31. 7. 1934 angibt. Zur Beurteilung des tatsächlichen Verhältnisses bedürfen diese Zahlen einer Ergänzung. Nach einer Mitteilung im Aerzteblatt für Berlin vom 10. März 1934 betrug Mitte 1933 die Zahl der Aerzte 6558, davon 3.423=52,2% Nichtarier. Am 31. 7.1934 betrug die Zahl 6.118, davon 2.549=41,2% Nichtarier. Die. Zahl der Nichtarier hat sich also innerhalb eines Jahres um 874vermindert. Dieser Gesamtabgang der Nichtarier setzt sich zusammen aus einem Verlust von 951 und einem Zugang von 77 nichtarischen Aerzten. Der Vergleich zwischen Juli 1933 und Juli 1934 lässt die Einwirkung der nichtarischen Gesetzgebung auf die rassische Zusammensetzung der Berliner Aerzteschaft deutlicher erkennen als der Vergleich der Zahlen vom 14. 2. 1934. Interessieren dürfte noch, daß nach dem Stande des Frühjahrs 1934 in Berlin von 3.157 Kassenärzten insgesamt 1.358=43% nichtarische Aerzte waren und daß in ganz Deutschland nach dem Stande im Frühjahr 1934 von ca. 32.000 Kassenärzten insgesamt 3.641=11,4% Nichtarier waren. — Nach einer neuen amtlichen Zählung betrug am 1. Januar 1935 die Zahl der Rechtsanwälte im Deutschen Reich 18.780, Davon waren 2.736 Nicharier. Von den zur Anwaltskammer Berlin gehörenden 2931 Rechtsanwälten waren 1092 nichtarisch. Im Breslauer Bezirk wurden unter 1017 Rechtsanwälten 234 Nichtarier gezählt; im Bezirk der Dresdener Anwaltskammer von 1773 Anwälten 68 Nichtarier. Im Oberlandgerichtsbezirk Hamm waren von 1275 Rechtsanwälten 84 nichtarisch, im Münchener Oberlandesgerichtsbezirk von 1010 137 nichtarisch. — Nach der vom Reichserziehungsministerium herausgegebenen „Deutschen Hochschulstatistik" waren im Sommer 1932 insgesamt 3950 Nichtarier in der deutschen Studentenschaft, im Sommer 1933 nur noch 1900; im Wintersemester 1933/34 waren bei zahlreichen Fächern keine Juden mehr neu eingeschrieben. Unter den 87.000 männlichen Studierenden des Wintersemesters 1933/34 waren nur noch 590 jüdisch, in den ersten beiden Semestern studierten davon nur 13. Von den im Wintersemester 1933/34 studierenden 15.000 Frauen waren 223 Jüdinnen. — Der Reichsstand des deutschen Handwerks hat in einem Rundschreiben Erläuterungen zur Durchführung der Handwerkerverordnung gegeben. Danach bittet der Reichsstand» das Handwerksabzeichen, das von den Handwerkskammern ausgegeben wird, nicht an nichtarische Handwerker zu verleihen. — Wie der Pressedienst der NSDAP mitteilt, hat der Reichswirtschaftsminister und Preussische Minister für Wirtschaft und Arbeit folgenden Runderlass ausgegeben: Wie der Reichs- und Preussische Minister des Innern mir mitteilt, hält er es nicht für angebracht, die Abhaltung von handwerklichen Unterrichtskursen für auswanderungswillige Juden zu verhindern oder zu erschweren, da jede Massnahme zu begrüssen ist, die diese Auswanderung der Juden fördert. 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