Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 13 (1934-1935)
- Issue
- 8 (4.1935)
- Date
- 1935-04-01
- Page
- Seite 307 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite W wart war der zweite Teil des Programms vorbehalten; hier fanden dankbar gesetzte Lieder Artur Holdes (denen eine gewisse Verwandtschaft zu den Bezirken Wagners, Brahms und Richard Strauss nicht schlecht ansteht) in Gerta Oppenheim eine stimmbegabte kultivierte Inferpretin, während Else Hofmann ihren ergiebigen Sopran in den. Dienst stillerer Gesangslyrik Max Kowalskis stellte. Der „Kammerchor" sang ausserdem noch recht hübsche Volkslieder "für Chor und Klavier von Herbert From m. An sich hübsches Stimmaterial ist bei Bettina F e i 11 e r trotz ihrer starken Musikalität noch nicht so gefördert, daß von ihrem Vortrag bereits jetzt eine nachhaltige Wirkung zurückbliebe; auch Anna V a 11 e, die über einzelne sehr klangschöne Töne verfügt, konnte eine stärkere seelische Ausdruckskraft nicht erzielen. Hans Assen heims weicher Bariton klang trotz der Indisposition gut. Als Begleiter lieh Herbert Fromm den Solisten geschmackvoll und sicher Unterstützung. Der Abend fand ein sehr freundliches Echo — er war allerdings bei weitem nicht so stark besucht wie der vorausgegangene, was den Veranstaltern eine Lehre dahin sein kann, daß sie gut daran tun werden, ihren Konzerten auch — Seltenheitswert zu geben Ganz der Einführung in die „Jüdische Musik" diente am folgenden Tage ein vom Kulturbund im Rahmen der Palästinawoche veranstaltetes Sonderkonzert, das starke Anziehungskraft auszuüben vermochte. Ein vielseitiger Ausschnitt aus den Bezirken östlicher Volks- und Kunstmusik wurde geboten; der genauer Hinhörende konnte jedoch feststellen, daß mancherlei Brücken;- von dort zum westeuropäischen Kulturkreis bestehen. Das wurde etwa deutlich bei der frischen, koloristisch reizvollen „Suite nach jüdischen Volksweisen" von Herbert Fromm, die dieser junge Musiker mit straffer Zeichengebung selbst zum verdienten Erfolg brachte. Hans Wilhelm Steinberg beschloss den Abend mit der Hadibuk-Suite von J. Engel, einer Komposition, die zumeist in ganz knapper Formulierung das zum Ausdruck bringt, was die Chassidim in Freud und Leid bewegt. Durch Steinberg und sein Orchester erhielt die &uite in ihren zart impressionistischen wie in den festlichen Farben treffliche Wiedergabe. „Palästinensische Lieder" für Jugendchor mit Instrumentalbegleitung, von Herbert Fromm mit Geschmack bearbeitet, trug ein Knabenchor unter Leitung von Dr. N. Ehrenreich in sorgsamer subtiler Abtönung vor. — Volks- und Jargonlieder1 des östlichen Kreises (in dem bekanntlich noch eine Art „Mittelhochdeutsch" weiterlebt), sang Janko Kauffmann mit kraftvoller, wohl geschulter Stimme und mit Betonung des humoristischen Einschlags. Kunstlieder von Engel, Miliner, Brandmann und Gnessin, die z. T. wiederum starke Anlehnung an die allgemeine musikalische Entwicklung gefunden haben, wurden von der Altistin Rosy Hahn mit großer Stimme und warmer Empfindung vermittelt. Beide Sänger hatten an M. Firnberg einen sicheren, gewandten Begleiter. Das wiederum nicht zu karg bemessene Programm des anregenden Abends wurde in allen Teilen dankbar aufgenommen. g. seh. Purimveranstaltung Um eine Ueberzahl von Veranstaltungen zu vermeiden, hatten sich die Gesellschaft für jüdische Volksbildung und der Jüdische Frauenbund zu einer gemeinsamen Purimfeier zusammengetan, die einen guten Besuch aufzuweisen hatte. Professor Dr. Werner begrüsste die Erschienenen und wies darauf hin, daß die erste Nummer des Programms (aus dem Oratorium Esther) zugleich eine Erinnerung an das G. F. Händel- Jubiläum bedeute. Janko Kauffmann, Lore Michaelis und Trude Strauss brachten die von Dr. Ehrenreich zurückhaltend begleiteten Partien wirkungsvoll zum Vortrag. Eine Reihe ostjüdischer Purimlieder, von Janko Kauffmann temperamentvoll und mit kräftiger Stimme dargeboten, ernteten besonderen Beifall. Den zweiten Teil des Abends füllte ein Schattenspiel „Dr. Johann Dolittle und seine Tiere", das Sem S t r u m f e 1 <l' nach Hugh Löftin frei bearbeitet und zu dem Erna P i n n e r die Figuren geschnitten hatte. Diese Schattenbildfiguren waren aus klarer Einsicht in die technische und ästhetische Gesetzmässigkeit des Schattentheaters gestaltet Die Umrissformen sind charakteristisch akzentuiert, jede Figur hat eine sehr individuelle Bewegungsmöglichkeit und verrät den gleichen überlegenen, stillen Humor, der dem Loftin'schen Text entspricht. So war die Voraussetzung gegeben, die reizende Erzählung des Dichters bildhaft &u gestalten. Leider sind aber; die ausführenden Künstler in ihrer Spielfreude dem Irrtum erlegen, beim Publikum die unbegrenzte Aufnahmefähigkeit vorauszusetzen, die der eigenen grenzenlosen Hingabe entsprochen hätte. Es war jedoch unmöglich, diesem Schattenspiel 2% Stunden zu folgen, und so musste man mit Bedauern feststellen, daß am Ende des Spiels (kurz nach Mitternacht) kaum 50 Personen mehr im Saale waren. Die liebenswürdige, graziöse Idee des Textes verträgt keine so breite Aufrollung und wenn, wie man es wünschen möchte, der ersten Aufführung noch Wiederholungen folgen, so muß rücksichtslos gestrichen und daran gedacht werden, daß selbst ein dramatisches Bühnenstück kaum länger als 2 Stunden die Interessen wachhalten könnte. Die Regie hatte Frau Liesel Simon, deren Erfahrung im Puppenspiel der Aufführung sehr zu gute kam. Auch als Sprecherin einiger Rollen zeigte sie ihre künstlerische Erfahrung und Sicher.' heit. Die Musik schrieben EI 1 en Bloch und Sem Strumfeld. Besonders einige straff rhythmisierte Songs verdienten im Rahmen der bemerkenswerten musikalischen Ausstattung Anerkennung und Beifall. Das Schattenspiel bedeutete einen Versuch auf einem Gebiet, das zu bearbeiten den Einsatz solch erfahrener Künstler lohnen würde. Ghr. Dela Lipfnskajas Kleinkunst Ziemt es sich in unserer heutigen Lage — so fragen manche — einen solchen Abend zu .veranstalten, zu besuchen, der der heiteren, oft leichten Muse gewidmet ist? Zweifellos hat auch das Bedürfnis nach seelischer Entspannung ein Recht: wie sehr es besteht, das bewies der dicht gefüllte große Saalbau, in dem dieser, wiederum von Max N e u m ann geleitete „Ton und Wort"- Abend stattfand. Dela Lipinskaja aber mag sich auf das Wort des Herrn Hartmann von Aue berufen, dessen Forderung „schwere Stunden sanfter zu machen und damit der Mensehen Sympathie zu erwecken" sie in hohem Masse erfüllt. Erstaunlich, wie dieses zierliche rote Personellen sogar im großen Raum, der an sich gewiß keinen geeigneten Rahmen für solche Kleinkunst bildet, durch klare sichere Wortpointierung Volkstümliches und Literarisches auf Deutsch, Russisch und Jiddisch zu zündender Wirkung bringt, wie sie mit ganz geringen Requisiten und hübschen Originalkostümen Steigerungen erzielt. Dela Lipinskaja hat soviel Anmut und Esprit, daß sie bis an die Grenzen dessen „was sich ziemt" gehen mag, ohne zu verletzen. Und vor allem: sie ist grundmusikalisch — weiss sich in kleinen Sächelchen vollendet selbst zu begleiten — bis der, ihren Absichten voll vertraute Walter L a j t a i die Begleitung am Flügel aufnimmt. Man hörte in zweistündigem Programm, das den Hörern keineswegs zu lang vorkam, „Scherz, Satire und Ironie" und gelegentlich auch „tiefere Bedeutung", und gerade wenn sie ein ernstes Gesicht aufsetzt, wenn sie — wie in der Ghettoscene „der junge Chassid" — in eine ganz andere ferne Welt führte, da schwang auch ein sonst nicht gehörter Ton mit, der über hellen Verstand, Geist, Laune, Stilgefühl hinausging, der aus dem Herzen stammte. Walter Lajtai zeigte auch in mehreren modernen Klavierstücken, daß er ein sehr gewandter, anschlagsicherer Pianist ist. Es wurde ihm freundlieh gedankt — der Hauptbeifall aber gehörte natürlich dem Publikumsliebling Dela Lipinskaja. g. seh. DIPL. INGENIEURE GANZ & JOSEPH INSTALLATION Licht- und Kraftanlagen Signal- und Türöffneranlagen Sabbath uhren ELEKTR. GERÄTE Motoren - Ventilatoren Elektr. Kühlschränke Reparaturwerkstätte BELEUCHTUNG Beleuchtungskörper RADIO I Glühlampen Lichtreklame Antennen bau II w Zugelassen bei den Elektr.-Werken Frankfurt a. 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