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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1935-03-01 · 7 (3.1935) · p. Seite 284

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
13 (1934-1935)
Issue
7 (3.1935)
Date
1935-03-01
Page
Seite 284 (sequence 34)
Language
German
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JUGEND UND GEMEINDE Beilage zum Frankfurter Israelitischen Gemeindeblatt Herausgegeben von der Jugendkommission der Israelitischen Gemeinde_. Nr. 7 __MÄRZ 1935 Alle Artikel sind persönliche Meinungsäusserungen der Verfasser, die Schriftleitung der Beilage übernimmt nur die pressgesetzliche Verantwortung. — Beiträge für die Beilage und Zuschriften sind an die Schriftleitung der Beilage, Fahrgasse 146, eu richten. Zum Tag der jüdischen Jugend Vom 9. —11. März findet in Berlin, veranstaltet vom Reichsausschuß der jüdischen Jugendverbände, ein „Tag der jüdischen Jugend" statt. Vertreter aller Bünde werden an dieser ersten gemeinsamen Tagung jüdischer Jugend in Deutschland teilnehmen. Diese Tatsache berechtigt uns zu großen Erwartungen für die künftige gemeinsame Arbeit der jüdischen Bünde. Es ist allerdings notwendig, daß, wenn sich diese Erwartungen erfüllen sollen, die Teilnehmer sich vor allem anderen ihrer Verantwortung für die gesamte jüdische Jugend bewusst sind, also ihre Bundesinteressen hintanzustellen in der Lage sind. Das Gelingen dieses „Tages der jüdischen Jugend" wird davon abhängen, ob alle von einem starken Wollen nach Gemeinschaft beseelt sind. Die gemeinsam erfahrene Situation verlangt eine ebensolche Antwort über alles Doktrinäre und Parteigebundene hinaus. Der Reichsausschuss der jüdischen Jugendverbände ist in den Verhandlungen mit der Reichsjugendführung, die die Arbeit der jüdischen Bünde neu geregelt haben, zum alleinigen Vertreter dieser Bünde bestimmt worden. Wir erfuhren von seiner Tätigkeit durch die Landesausschüsse und stellen fest, daß seine Arbeitsich hauptsächlich auf die organisatorischen Fragen beschränkte, die sich durch die Bestimmungen der Reichsjugendführung für jüdische Jugendarbeit ergaben. Dann kam im Herbst 1934 das Führerschulungslager in Lehnitz. Der Reichsausschuss der jüdischen Jugend trat in ein neues Stadium ein. Hier erwies es sich, daß gemeinsame Arbeit möglich war, als sich Menschen vom B. d. j. J., Hechaluz, Bachad, gesamtjüdischen Verband und von anderen Bünden zum gemeinschaftlichen Lernen trafen. Hier in Lehnitz wird es wohl gewesen sein, daß man den Gedanken eines „Tages der jüdischen Jugend" fasste. Lehnitz war nur ein Anfang, ein guter Anfang, weil mit Lernen begonnen wurde, jetzt kommt es darauf an, einen Schritt weiter zu gehen und zur Gestaltung vorzudringen. Die Bünde bemühen sich, ihr Eigendasein in voller Form sich zu bewahren, sei es, daß/ler weltanschauliche Aspekt ihrer Arbeit zur Ausschliesslichkeit führt, sei es, daß sie durch Aussprache fürchten, Menschen aus ihren Reihen zu verlieren. Die Erziehungs- und Bildungsarbeit kann gewiss nicht von der Weltanschauung getrennt werden. Aber ebenso wie „es Ideale gibt, die ihre bleibende Wahrheit in sich tragen" (Schweitzer), ist der Bildungstoff in vielen unveränderlich. Durch den großen Mangel an Führern und Lehrern bedingt, entsteht mit der Zersplitterung in der Bildungsarbeit die Gefahr, daß nur Stückwerk geleistet wird. Die gemeinsame Bildungsarbeit kann am zweckmässigsten nach folgendem Gesichtspunkt gestaltet werden: Bildungsarbeit für diejenigen die im Gallith verbleiben — der Grund des Hierbleibens mag verschieden sein —, und diejenigen Menschen, die nach Erez gehen. Die Tarbutharbeit des Hechaluz ist zumindest in ihrer Anlage für die letzte Gruppe vorbildlich, denn sie ist dadurch gekennzeichnet, daß sie sich nicht nur nach dem weltanschaulichen und geistig-kulturellen Prinzip ausrichtet, sondern auch nach dem existenziellen Moment, d. h. sie ist auf dem zukünftigen Leben des Einzelnen als arbeitender Mensch in Erez aufgebaut. Sinngemäss muss sich die Bildungsarbeit für die andere Gruppe junger jüdischer Menschen aufbauen. So sehr wir uns dessen bewusst sind, daß wir nur unter Besinnung auf jüdische Werte als Juden wirklich leben können, so wahr ist es, daß das in 10 oder 15 Jahren an Lernen Versäumte nicht in wenigen Monaten nachgeholt werden kann. Exklusivität des Jüdischen ist von Gefahr. Wir wissen nicht, ob und wie sich unsere Zukunft hier gestaltet. Wir können aber nur dann ihre Träger sein, wenn wir als Juden Menschen mit dem geistigen und bildungsmässigen Weitblick dieser Zeit sind. Welche ungeheure Aufgabe aber liegt auch für die gemeinsame Arbeit in der beruflichen Fortbil du n g unserer Menschen! Die politische Annäherung scheint innerhalb der jüdischen Jugend stärker vorangeschritten zu sein als in der älteren Generation. Eine gewisse Differenziertheit wird immer bleiben, das können wir ohne Bedauern feststellen. Von dem Tag der jüdischen Jugend, an aber muß die Forderung, der Dr. Friedrich Brodnitz vor kurzem wieder Ausdruck verliehen hat, verbindlich für alle sein: „Jeder deutsche Jude, und der junge vor allem, muß sich mit der Aufbauarbeit in Palästina verbunden fühlen, aber er muß sich auch zur Aufbauarbeit in Deutschland bekennen. G a 1 u t h und Erez, das muß unsere Parole sein, mehr noch, der Wille zum verantwortungsbewussten Einsatz." Fragen der Berufswahl und der Umschichtung, der Lebensgestaltung des Einzelnen und der Gesamtheit werden an dieser Tagung behandelt werden, denn diese sind Probleme, die nicht den einzelnen Bund allein angehen, sondern alle. Es kann in diesem Zusammenhang nicht auf alle Fragen im einzelnen eingegangen werden. Wir wissen, wie notwendig es ist, sie einer Klärung, vielleicht einer Lösung zuzuführen. Die Stosskraft der Jugend leidet durch die Zersplitterung bei ihrem Auftreten in der jüdischen Oeffentlichkeit. Wieviele Forderungen beispielsweise in den Gemeindegremien hätten verwirklicht werden können, wenn sich die Jugend zu gemeinsamer Aktion zusammengefunden hätte. Zusammenarbeit der Jugend auf diesem Gebiet bedeutet nicht Kampf gegen eine Institution, sondern für sie. Es wird bei diesem Tag der jüdischen Jugend darauf ankommen, die gemeinsame Haltung hervorzukehren, nicht aber sich auf Kompromissformeln zu einigen. Es soll auch nicht gesagt werden: wir haben recht gehabt, denn unsere Forderung hat sich in Wirklichkeit umgesetzt, daher ist eure Ideologie falsch; das ist jüdischer Jugend nicht würdig, ebenso wenig wie der Vorwurf, man habe den Oneg Schabbath der Zionisten, der von Bialik geschaffen wurde, in den anderen Gruppen übernommen. Die gemeinsam erfahrene Situation verlangt eine einheitliche Antwort; die Antwort ist Solidarität der jüdischen Jugend. Solidarität ist mehr als gemeinsames Lernen, mehr als gemeinschaftliches Veranstalten von Feiern, nicht nur Erfüllung der sozialen Aufgaben, Solidarität ist gesamtjüdischer Einsatz der Jugend für die Gesamtheit, ist der Weg junger Juden zu einer lebendigen jüdischen Gemeinschaft. Edgar Gerson ^MH0 ^f^t* ^C 35iMio<$ef Ütv Gemeinte A Srtvllllfl &JU batmUumiüWer Sfflertömer f

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