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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1935-02-01 · 6 (2.1935) · p. Seite 244

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
13 (1934-1935)
Issue
6 (2.1935)
Date
1935-02-01
Page
Seite 244 (sequence 38)
Language
German
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Seite 244 Aber darüber hinaus stellen wir fest: Eine „kulturelle Autonomie" kann für uns nur dann von einer Beschränkung — als die sie vielleicht gedacht sein mag — zu einem Gewinn werden, wenn es wirklich gelingt, warmes, pulsierendes kulturelles Eigenleben in der ganzen jüdischen Gemeinschaft zu wecken. Wenn die Jugend auch hierbei vorleben will, so fordert sie doch mehr als Schuljugend und Jugendbund In der „Pädagogischen Woche" wurde dem jüdischen Publikum eine interessante Ueberraschung geboten: Das Philanthropin hatte sämtliche Frankfurter jüdischen Jugendbünden einen Saal zur Darstellung ihrer Arbeit zur Verfügung gestellt. Jeder Bund hatte dort seine Embleme, seine Symbole, seine Zeitschriften ausgestellt. Jedem Besucher war hierbei Gelegenheit geboten, sich über die Ziele und Ideologieen der einzelnen Bünde zu informieren. Mancher Besucher mag sich wohl erstaunt die Frage vorgelegt haben, welcher Zusammenhang zwischen Schule und Jugendbund bestehe. Denn bisher stand die Schule den Jugendbünden, soweit deren Ideologieen mit ihrer Anschauung nicht harmonierten, ziemlich indifferent gegenüber. Die Schule erkannte selten den pädagogischen Wert der Bünde für die Schuljugend. Sie wusste den Ernst und den Enthusiasmus, mit dem die Jugend an ihre Aufgabe heranging, nicht zu schätzen. Gar mancher Jugendbund hatte einen schweren Stand, um sich in der jüdischen öffentlichkeit durchzusetzen. Oft genug wurde er um seiner Idee willen, verspottet und verhöhnt. Aber nichtsdestoweniger kämpfte er mutig und unerschrocken .für ihre Verwirklichung, und nicht ohne Erfolg. Umso mehr ist das wohlwollende Verhalten, das das Philanthropin den Jugendbünden mit ihren Differenzierungen entgegenbrachte, zu begrüssen. In seiner, auch im Gemeindeblatt veröffentlichten Ansprache, hat Oberstudiendirektor Dr. D r i e se n sein Verständnis für die Arbeit der Jugendbünde klar und deutlich zum Ausdruck gebracht. Dabei hat er ihnen weitgehendes Vertrauen entgegen gebracht und vollste Unterstützung angedeihen lassen. Die Jugendbünde sind auf die Anerkennung ihrer Leistungen stolz. Sie wissen dieses Vertrauen zu sehätzen und werden sich dessen würdig zeigen. Nicht in gegenseitiger Bekämpfung wollen sie ihre wertvollen Kräfte vergeuden. Im edlen Wettbewerb werden sie gemeinsam kämpfen für die Erhaltung des Judentums und für alles, was ihm teuer und heilig ist. Die Jugendbünde sind sich ihrer Verantwortung bewusst. In erster Linie werden sie die Schuljugend als die kommende Trägerin ihrer Ideen zur Mitarbeit heranziehen. Sie soll schon frühzeitig zum jüdischen Selbstbewusstsein und Solidäritätsgefühl erzogen werden, als den Grundbedingungen zur Weiterarbeit. Gerade in der heutigen Zeit, in der die Judenheit schwer um ihre Existenz ringt, darf kein Schulkind, soweit es das aufnahmefähige Alter erreicht hat, der aktiven Mitarbeit fernbleiben. Die Jugendbünde können wesentlich zur Aktivierung der Schuljugend beitragen. Sie haben sich trotz aller Nöte und Sorgen noch den jugendlichen Frohsinn bewahrt, der die Sehuljugend mitreisst. Darum werben auch die Jugendbünde um das Vertrauen der Eltern. An sie ergeht der Ruf: SchiektEureKinderindieJugendbünde! Nur in der hündischen Erziehung unserer Jugend liegt die Gewähr für eine kommende starke jüdische Generation, die trotz aller Nöte des Lebens ihr Judentum zu wahren versteht. Abba Krautwirth, Nationale Jugend „Herzlia" („Betar") Warum ich zu keinem Bund den Weg finde In einer der letzten Nummern unseres Blattes hat ein Junge seinen „Weg zum Bund" beschrieben. Zu diesem Beitrag ist uns eine Einsendung zugegangen, der wir mit dem Wunsche Raum geben, daß aus den Kreisen der Jugendbünde eine Äusserung erfolgen wird. Schriftl. Wenn .ich als junger Jude mit dem starken Willen, in jüdischem Kreis aktiv zu sein, nicht den Weg zu einem jüdischen Bund finde, so wird bei der grossen Anzahl der auch in Frankfurt bestehenden Jugendbünde das zunächst unverständlich sein. Haben wir aber in Frankfurt auch nur einen einzigen jüdischen Bund, der alles Parteipolitische strikte ablehnt, der aber seine Mitglieder — und darin, liegt wohl die grösste Schwierigkeit— etwa nur Duldung. Sie fordert Interesse, Unterstützung, Mitarbeit bei ihrem Wollen. Wir sind dankbar dafür, daß man uns eine kulturelle Autonomie geben will und wir hoffen einstens sagen zu können: Dies war uns genug gewesen. Dr. Kurt Freudenthal als Juden erzieht? Nicht als Nationaljuden, gleich den vielen zionistischen Bünden, und nicht als Juden und deutsche Staatsbürger, gleich den deutschjüdischen Bünden, sondern als Juden, die sich als Nachkommen der Väter Abraham, Isaak und Jakob, als Nachkommen derer, die einst am Berge Sinai aus Gottes Hand sein Gesetz erhielten, empfinden? Gibt es einen Bund, in dem Wissen gelehrt wird, nicht zugeschnitten, sondern reines Wissen? Wo ist der Bund, der von seinen Mitgliedern fordert: Wahret die Treue Gott und seinem uns überlieferten mündlichen und schriftlichen Gesetz! Es ist bedauerlich, daß es auch heute noch genug jüdische Menschen gibt, die für solche Fragestellung nur ein Achselzucken haben werden. Und doch haben gerade die letzten Jahre bewiesen, daß Diskussionsthemen über die man früher glaubte, leicht hinweggehen zu dürfen, heute in vorderster Linie erörtert werden. Wir haben es erfahren, daß der traditionell-gesetzestreue Jude nicht in gleichem Masse ein Opfer aller innerlichen seelischen Kämpfe wird, denen so viele unserer jüdischen liberalen Stammesbrüder erlegen sind. Wo ist der. Bund, der die trennenden Anschauungen streicht und sich auf den Boden der überlieferten Thora stellt? Wenn ein Bund auf den Boden der Thora bauen, zur Einigung rufen würde, auf dem Boden unserer Lehre, dann fände mit mir mancher den Weg zum Bund. Ast. Für die Einheit des deutschen Judentums Der „Jüdische Jugendbund Montefiore" Frankfurt a. M. hielt am 9. Januar im jüdischen Jugendheim seine Generalversammlung ab. Der von Edgar Gerson erstattete Geschäftsbericht — der erste seit dem Zusammenschluß der drei Bünde — zeigte zunächst die Aufgaben des Bundes in seiner Stellung zum „Verband der Jüdischen Jugendvereine Deutsehlands". Der Einsatz des Verbandes für die gesamtjüdische Idee mit dem Willen zur Einheit des deutschen Judentums sei eine alte Entscheidung. Diese Entscheidung beruhe auf der Einheit von Erkenntnis und Bekenntnis: geschichtlicher Erkenntnis unseres jüdischen Schicksals und Bekenntnis zu seiner Gestaltung. Die gesamtjüdische Idee als Entscheidung fordere daher von uns sowohl Arbeit Jür das deutsche Judentum als auch für Palästina. Ausser den demnächst zu gründenden Junggruppen .wird auch eine Erwachsenen-Organisation angegliedert, mit dem Ziel der Schaffung einer jüdischen Einheitsorganisation, um den Gedanken „Für die Einheit des deutschen Judentums" zur Tat .werden zu lassen. — Zur Arbeit im Bund übergehend, skizzierte er kurz das bisher Geleistete, das einen verheissungsvollen Auftakt im Rahmen des Programme^ darstelle. Die zukünftige Programmgestaltung nahm einen breiten Raum ein. Die Mitglieder (ca. 200) werden auch weiterhin in Arbeitskreisen erfasst, die vor allem die Aufgabe der Erziehung der jungen Menschen auf der Grundlage des Verbandes und der Vermittlung jüdischen Wissens haben. Der Werkkreis, dessen Leitung Herr Rabbiner Dr. L e m 1 e übernommen hat, wird neben der Programmgestaltung auch die Aufgabe einer systematischen Schulung der Arbeitskreisleiter haben. Die Freitagabend-Feiern, der Oneg-Schabbat und die verschiedenen Sprachkurse und Heimabende werden das Programm des Bundes vervollständigen.—Auf Grund des Kasserberichts wurde ein Betrag von RM. 250.— für soziaLe Zwecke vorgesehen. Einstimmig wurden in den Vorstand gewählt: Edgar Gerson, Hellmut Strauss, Alfred Speyer, Ilio Newiadomski, Erich Lehmann, Silvain Braun, Trude Fischl. — Mit dem Lied „Am Jisrael ehai" wurde der Abend geschlossen H. S. Die Einsendungen zum Wettbewerb In der nächsten Beilage „Jugend und Gemeinde" werden wir die Ergebnisse des Wettbewerbs in Nr. 4 veröffentlichen. Neben den Namen der Preisträger werden die besten Einsendungen ganz oder auszugsweise an dieser Stelle zum Abdruck kommen.

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