Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 13 (1934-1935)
- Issue
- 6 (2.1935)
- Date
- 1935-02-01
- Page
- Seite 231 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 231 Berlin. Wie der „Völkische Beobachter" meldet, empfing der Eeichs- und Preussische Minister des Innern, Dr. Wilhelm Frick, einen Berliner Mitarbeiter der „Hearst Press", um ihm verschiedene für die amerikanische und die deutsche Öffentlichkeit aktuelle Fragen über den Aufbau des neuen Deutschland zu beantworten. Eine dieser Fragen betrifft die zukünftige staatsrechtliche Stellung des nichtarischen Bevölkerungsteils in Deutschland. Der Mitarbeiter der „Hearst Press" fragte Dr. Frick, ob das bisherige allgemeine, gleiche, unmittelbare und geheime Wählrecht für beide Geschlechter in Geltung bleibe und ob auch die nichtarische deutsche Bevölkerung künftig das aktive Wahlrecht ausüben dürfe. Eeichsminister Dr. Frick gab darauf folgende Antwort: „Das allgemeine, gleiche, unmittelbare und geheime Wahlrecht zum Reichstag wird für beide Geschlechter aller deutschen Staatsbürger weiterhin in Geltung bleiben. Die Frage, ob die nichtarische Bevölkerung des Dritten Reiches das aktive Wahlrecht erhält oder nicht, hängt von der weiteren Gestaltung des Staatsbürgerrechtes im Deutschen Reich ab. Nach den Grundsätzen der NSDAP vom Jahre 1920 sollen Staatsbürger des Deutschen Reiches nur Deutsche sein. Deutsch ist aber nur der, der deutschen Blutes ist." — Das Rassepolitische Amt der NSDAP veröffentlicht die Zahlen über den Stand der südischen Bevölkerung in Deutschland im Jahre 1933. Danach betrug die Zahl der jüdischen Einwohner in Deutschland 1933 noch 499682 oder 0,77%. Der Rückgang gegen 1925 um 11,5 v. H. sei, so bemerkt das Rassepolitische Amt, in der Hauptsache auf Auswanderung und auf den Geburtenunterschuß der Juden zurückzuführen. Seit dem Stichtag des 16. Juni 1933 dürfte die Zahl weiterhin abgenommen haben, weil die Auswanderung anhielt und die Fruchtbarkeit der jüdischen Ehen nach den eingelaufenen Berichten besonders gering gewesen sei. Die Ziffern, die sich aus der Konfessionszugehörigkeit ergeben, seien aber unvollständig, weil sie nicht nach der Rasse unterschieden. Man müsse vermuten, daß der Anteil der jüdisch-vermischten Bevölkerung bei uns mehrfach so groß sei wie der Anteil derer, die sich auch heute noch zum jüdischen Glauben bekennen. — Das „Deutsche Aerzteblatt" veröffentlicht Zahlen über die nichtärisehen Aerzte. Danach gab es bei Beginn der nationalen Revolution 6488 jüdische Aerzte in Deutschland oder 13% der Gesamtzahl. Im Jahre 1933 wanderten 578 jüdische Aerzte aus. 1667 nichtarische Aerzte sind von der Kassenpraxis ausgeschlossen worden; von ihnen wanderten fast 500 aus. 1199 sind in Deutschland noch ärztlich tätig, 3641 sind zur Behandlung der pflichtversicherten Bevölkerung zugelassen. Die restlichen 1070 nichtarischen Aerzte setzen sich aus solchen zusammen, dia ihre Zulassung beantragt haben, aus alten Aerzten oder aus solchen, die aus irgend einem Grunde schon früher keine Kassenpraxis gehabt haben. Von den 5900 nichtarischen Aerzten, die heute noch in Deutschland leben, sind 2400 Fachärzte, 3500 allgemein praktische Aerzte. Der durchschnittliche Anteil der nichtarischen Kassenärzte an der Gesamtzahl beträgt heute 11,4%. Nach Ausschluß der 1667 nichtarischen Aerzte sind noch 3641 oder 60% als Kassenärzte tätig. — Der Reichsminister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung hat eine neue Habilitationsor du u n g erlassen. Durch sie wird die Einrichtung der freien Privatdozenten an den Hochschulen beseitigt, statt dessen ein neuer akademischer Grad geschaffen, der Dr. habil., der keine Lehrberechtigung verleiht und ausserdem die eigentlichen Dozenten, die Lehrberechtigung haben, von den habilitierten Doktoren unterschieden. Als Voraussetzung für den Dr. habil. wird arische Abstammung des Bewerbers und seiner Ehefrau verlangt. Dozent kann ebenfalls nur werden, wer Beamter werden kann, wozu bekanntlich auch arische Abstammung erforderlich ist. Es ist also in Zukunft nicht möglich, daß jüdische Bewerber habilitierte Doktoren an einer Universität werden. Ebensowenig können sie künftig die Lehrberechtigung an einer Hochschule danach erhalten. — Die Zentralverwaltung der jüdischen Ha ndwerker schulen, die der Jewish Colonisation Association (JCA) in Warschau angeschlossen sind, hat sich bereit erklärt, vorläufig 50 Schüler aus Deutschland zur Ausbildung in den ausgezeichnet ausgestatteten jüdischen Handwerkerschulen in Polen aufzunehmen. Es handelt sich um Ausbildung in Maschinenschlosserei, Tischlerei, Weberei, Malerei und Dekoration etc. Die Ausbildung ist vorläufig auf ein Jahr vorgesehen, die Kosten werden sich auf ca. 35,— RM. pro Monat belaufen. Interessenten werden gebeten, sich umgehend beim Zentralausschuss für Hilfe und Aufbau, Berlin-Charlottenburg, Kantstrasse 158, zu melden.— Die Gesundheitsverwaltung und das Krankenhaus der Berliner jüdischen Gemeinde veranstalten im Verlauf des Winters am 15. Januar, 5. und 26. Februar, sowie am 26. März wissenschaftliche Abende für Aerzte im großen Saal des Logenhauses in der Kleiststrasse. — Am 25. Dezember 1934 fand im Logenhaus zu Berlin, eine Sitzung der Vorstände und Ausschüsse des „Reichsverbandes der jüdischen Lehrervereine" und des „Jü- £nuch Inventur-Verkauf nur gute-Waren zu billigsten Preisen Spitzenhaus S. Marx Schillerstrasse 14 Damen-Wäsche, Strümpfe Modewaren, Handschuhe Für Dauerwellen, Haarfä ben, Haararbeiten und Schönheitspflege. zum ersten Fachmann DAS STADT¬ GESPRÄCH QUALITÄTSWARE im INVENTUR-VERKAUF von MODE RICHTER DAS SPEZIALHAUS der GUT ANGEZOGENEN FRAU GOETHESTR. 22 (gegenüber Pfüller) TEL 23833 Inventur-Verkauf! 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