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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1935-01-01 · 5 (1.1935) · p. Seite 202

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
13 (1934-1935)
Issue
5 (1.1935)
Date
1935-01-01
Page
Seite 202 (sequence 36)
Language
German
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Seite 202 Heute wurde einmal für eine Reihe von Menschen- und von diesen Menschen selbst gesprochen, die größtenteils nicht organisiert sind. Es kann den Bünden der Vorwurf nicht erspart werden, daß sie die gemeinsame Aufgabe, sich der erwerbslosen unorganisierten Jugendlichen anzunehmen, bis jetzt noch nicht erfüllt haben. Ueber die Totallösung, die jeder einzelne dieser Bünde zweifelsohne erstrebt, darf die soziale Einzelaufgabe, die immer besteht, nicht vergessen werden. Dem Tageshejm der erwerbslosen jüdischen Jugend ist .bisher von den Bünden noch nie eine Bereitschaft zur Mitarbeit gezeigt worden. Möge dieser Vorwurf als Aufforderung dienen! Noch einmal: Jüdische Jugend — Recht auf Vergnügen, Pflicht zur Haltung Der Aufsatz in der vorigen Nummer von „Jugend und Gemeinde" stellte eine Meinungsäußerung zu einem an anderer Stelle erschienenen Aufsatz über das Tanzen dar. Wir geben hier einer anderen Ansicht Raum, ohne unsere eigene Stellung zu der Frage äußern zu wollen. Die Schriftleitung Unter dieser Überschrift hat sich ein Beitrag der letzten Nummer dieser Beilage mit der Frage des Tanzens befasst. Und wenn diesem Artikel noch ein weiterer angereiht werden soll, so gewiss nicht deshalb, weil das „Problem" als solches zu wenig behandelt worden wäre, sondern im Gegenteil: weil diese Frage (wie dort sehr richtig zu Anfang* der Ausführungen gesagt wurde) bestimmt nicht so sehr im Vordergrund unserer Sorgen zu stehen braucht. Der Verfasser jenes Aufsatzes hat gewiß recht, wenn er sich gegen Veranstaltungen, die dem so oft phrasenhaft zitierten „Ernst der Zeit" widersprechen, wandte, aber daraus dasRecht herzuleiten, alle öffentlichen jüdischen Veranstaltungen, bei denen getanzt wird, abzulehnen, scheint zu weit zu gehen. Es ist ein Irrtum, wenn er glaubt, daß all die jungen Menschen, die heute noch die gerügten Vergnügen mitmachen, die Zeit nicht verstanden hätten, wenn er glaubt, sie verinnerlichen zu müssen. Es ist nun mal keine Oberflächlichkeit, die uns veranlasst hat, — vor allem in der letzten Zeit — gewisse Verananstaltungen zu besuchen, nein, es ist nur eine natürliche Reaktion, die sich bei jedem von uns — dem Einen früher, dem Anderen später — bemerkbar macht. Wir alle tragen die Schwere der Zeit, wir alle sind uns der Pflicht zur Haltung ebenso 'bewusst, wir alle fressen den Kummer, den wir außerhalb und innerhalb erleben in uns herein, aber einmal rebelliert die Jugend in uns, der Drang, jung sein zu dürfen, all das Schwere — wenn auch nur kurze Zeit — vergessen zu können, und da verarztet uns der Verfasser jenes Aufsatzes musikalische und literarische Abende!!! — Nein, nein und dreimal nein!, schreit es dann., in uns. Wir haben ja hierzu (bei solchen Stimmungen) gar kein Verständnis, wir können ja das; was uns geboten werden soll, gar nicht erfassen!! Ergo,---wir gehen tanzen! Aber dann, wenn wir mal wieder getanzt, uns einen Abend lang in leichter Unterhaltung zerstreut haben, dann stehen wir wieder mit festen Beinen auf dem Boden und haben wieder unseren Optimismus, unseren jüdischen Optimismus und glauben nicht, uns an unseren jüdischen Brüdern und Schwestern versündigt zu haben.. — Wir sehen der Zeit in ihrer ganzen Schwere offen ins Auge, wir kämpfen den Kampf genau wie jener Aufsatzschreiber, aber wir gehen Kleinigkeiten und Unwichtigkeiten — denn das ist das „Problem" in unseren Augen — nicht mit dem Vergrößerungglas zu Leibe, sondern wir versuchen sie zu ergründen und zu verstehen, wenn sie vorhanden sind; und wenn wir es verantworten können, so beugen wir uns vor ihnen. — Wenn uns aber dann, die Büchse für „Hilfe und Aufbau" als mene tekel hingestellt wird, so protestieren wir aus unserem jüdischen. Empfinden heraus genau so hiergegen wie gegen das zu Ende zitierte Wort: beides soll Würdigerem vorbehalten bleiben! H. B. Was bleibt? —-- Wohin man sah und hörte: Chanukkah! Wohl jeder erlebte eine Feier mit, sei es zu Hause, sei es im Bund, sei es im Verein. Und jeder fand: es war noch nie so schön wie in diesem Jahr! Warum wohl? Weil es dieses Mal ein neues Wunder zu feiern gab: das Wunder unserer eigenen Heimkehr aus der Fremde, aus der uns Gott rief, das Wunder des neuentzündeten Lichtleins in unserer Seele. Alle haben wir das empfunden, auch schon die Kleinen und Kleinsten, die zum Oneg Schabbat zu uns kommen. Und darum haben sie uns gebeten, den Schabbos Chanukkah mit einer eigenen Feier weihen zu dürfen. Und wir haben gefeiert, gedichtet, gesungen, Trendel gespielt, Theater gespielt Wir haben uns aufs Neue gefreut an der Chanukkahgeschichte, deren Inhalt unserem gegenwärtigen Lebens- und Zeitgefühl so ganz entspricht, an den eigenhändig verfertigten Menoroth mit den schlanken Wachskerzen, wenn sie auch — weil ja Sabbat war — nicht angezündet werden durften. Und jetzt? Vorbei sind Spiel und Gesang, verloschen ist der Lichterglanz. Und der Chanukkahleuchter steht von Wachstropfen gesäubert wieder im Schrank: „Vorbei!" Wir wissen aus Erfahrung: Feste, ernste und fröhliche, ergreifen und beglücken nicht allzu lange. Die guten Vorsätze, Pläne und Erinnerungen gehen bald im Alltag unter. Aber dennoch' stellen wir heute wieder die Frage, vor allem an die Jugend, religiösem Erlebnis und religiöser Forderung heute aufgeschlossener denn je: „Was bleibt uns vom Chanukkahfest?" Und diese Frage ist gleichzeitig eine Hoffnung. Chanukkah ist von je das Fest der Kinder, das Fest des Beginnens einer neuen Generation, einer neuen Zeit. Es ist das Fest der Lichter, die ein junger Glaubender wieder aufflammen Hess, das Fest des Aufbruchs, des Wunders. Es ist damit zum Fest der Gegenwart geAvorden und besonders der Jungens und Mädels, die sich den frommen Wunderglauben bewahrt oder wiedererobert haben, die nun mit eigener Kraft mithelfen, den Weg zum geweihten Licht zurückzugehen, denen, die es aus den Augen verloren haben und im Dunkel umherirren. Die Vergangenheit, die Gestalt des Makkabäers, der für seinen Gott kämpft, ist selbst den Kleinen gegenwärtig. Vom-Chanukkahfest bleibt ihnen diesmal mehr als früher. Sie vergessen vielleicht die fröhlichen Spiele im Licht der Menorah, vergessen die fleissig gelernte Schlusstrophe von „Moaus zur", vergessen womöglich auch jenen Schabbos Chanukkah. Aber sie vergessen nicht, warum sie sich am Fest so beteiligt fühlten, warum sie gedichtet und an jedem Abend ein neues Lichtlein angesteckt haben. Sie vergessen nicht, was ihnen dabei klar geworden ist: ihre Verantwortung und ihre Pflicht. Lotti Höxter NEUES THEATER DIREKTION: Bis einschl. 7. Januar: GASTSPIELE HEINZ in „IHR ERSTER MANN' Erfreuen Sie Ihre Verwandten und Freunde mit einem Geschenk, das über die Freude des Augenblicks zum dauernden Gewinn wird. Schenken Sie Geschenk-Bons für je 5 Theaterkarten mit 30prozentiger Ermäßigung auf die Kassenpreise. Preise für je 5 Karten zwischen Mk. ,4.75 und Mk. 20.—_ ■__. RUHHANN von Gustav von Moser. ARTHUR HELLMER Ab 8. Januar: GASTSPIELE LEOPOLDINE KONSTANTIN in „EINE FRAU OHNE BEDEUTUNG" v. Oscar Wilde

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