Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 13 (1934-1935)
- Issue
- 5 (1.1935)
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 187 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 187 Bernhard Sekles Die reiche Lehensarheit von Bernhard Sekles, der am 7. Dezember, 62jährig verstarb, ist fast völlig mit Frankfurt verbunden. Ein Jugenderlebnishat ihn, der eigentlich Kaufmann werden sollte, zu seinem eigentlichen Beruf geführt: Im Zoologischen Garten seiner Vaterstadt hörte er als Knabe die primitive Musik eines exotischen Volksstammes, die ihn damalsmächtig fesselte und eigentlich nie mehr losliess. Sekles selbst erklärte daraus die starke Vorliebe für „fremdartige orientalische Farbengebung", die, für die Mehrzahl seiner Tonschöpfungen — auch für seinen größten Bühnenerfolg „Schahrazade" (1917) — so charakteristisch ist. Auch der jüdischen Musik hat er sich . in den letzten Jahren genähert — sein Orchestervorspiel „D y b u k" (1928) wurde übrigens wie mehrere seiner Kompositionen u. a. von Furtwängler aufgeführt. Seine allerletzte Vertonung galt, einem Psalm, und wehmütig meinte er, von der Krankheit schon ergriffen, daß er selbst ihn wohl nicht mehr werde hören können.; Am Hochschen;Konservatorium, dessen Schüler er einst gewesen war, hat er nach kurzer Tätigkeit als Theaterkapellmeister in Heidelberg und Mainz, 37 Jahre lang gewirkt, zuerst als geistvoller, stets anregender-Lehrer der theoretischen Fächer, im letzten Decennium (bis 1933) als Leiter der Anstalt, für die er immer seine besten Kräfte einsetzte. Groß ist der Kreis seiner Schüler, und viele von ihnen haben es zu Ruf und Ansehen gebracht: Rudi Stefan, Hindemith, Ottmar Ge r s t e r, Cyrill Scott u. a. haben seinen Unterricht, den er mit Witz und Laune zu beleben wußte, genossen; Sekles hat „nie nach Regel messen wollen, was nicht nach seiner Regeln Lauf", sondern stets mit Einfühlung versucht, der Individualität werdender Talente Rechnung zu tragen. •« Eine große Reihe von Kompositionen*) in fast allen musikalischen Disziplinen zeigt Sekles als feinsinnigen, den modernen Apparat und die Satzkunst glänzend beherrschenden Musiker, der zumeist eigene stille Wege gegangen ist, ohne den Zeitströmungen nachzujagen. — Sein großes Können stellte er öfter in den Dienst des musikalischen Unterrichtes; er blieb sieh-nim Herzen der Klassik und Romantik zu, tiefst verhaftet. *) Ueber Sekles kompositorische Bedeutung siehe auch Artur Holdes Würdigung in Nr. 1, Jahrgang 13 des Frankfurter Israelitischen Gemeindeblattes. Bernhard Sekles war ein Musiker und Komponist, dessen man sich m Ehren erinnern wird, auch im „Kulturbund deutscher Juden", bei dem er eifrig mitgearbeitet hat, und in dessen Kreis verschiedene seiner Tonschöpfungen aus neuerer Zeit zuerst erklungen sind. Georg Schott Max Schüler Am. 18. Dezember ist der Frankfurter Maler Max Schüler ira 81. Lebensjahre verschieden. Mit ihm ist ein Künstler dahingegangen, dessen Werke jahrzehntelang in den Ausstellungen der Frankfurter Künstler einen ehrenvollen Platz behaupteten. Schüler wurde in Gesecke (Westfalen) geboren, bildete sich in Düsseldorf, München und Paris heran und wurde schliesslich in Frankfurt ansässig. Seine besondere Begabung führte ihn zur Porträtmalerei, und hier hat er sich ein Ansehen geschaffen, das weit über die Grenzen unserer Stadt, ja weit über Deutschland hinaus reichte. Könige und Politiker, Künstler und Kunstfreunde waren unter seinen Auftraggebern, und die Reihe seiner Werke stellt einen bezeichnenden Ausschnitt des Kunst- und Geisteslebens der Jahrzehnte um die Wende dieses Jahrhunderts dar. Auch in den Ausstellungen der Frankfurter jüdischen Künstler war Max Schüler repräsentiert. Zuletzt zeigte die diesjährige Chanukkah-Kunstschau ein Selbstbildnis des Malers von ungemeiner Frische und Lebendigkeit. Mit seinem Hinscheiden verlieren die jüdischen Künstler Frankfurts ihren Senior, verliery^e Porträtmalerei einen'Meister jener Bestrebung, die in der Exakten Witdergabe der äusseren Erscheinung zugleich das Wesenhafte geben wollte. Ludwig Cohnstädt Vor Schluss dieser Nummer trifft die Nachricht ein, daß Professor Dr. h. c. Ludwig Cohnstädt im Alter von 37 Jahren einer Lungenentzündung erlegen ist. Der Verewigte, der erst'ivor kurzem den Tod seiner Gattin beklagen musste, war, der eigentliche Schöpfer der deutschen Handelsjournalistik. Zuerst als Mitarbeiter Leopold Sonnemanns, bald aber als selbständiger Leiter, hat er den Handelsteil der Frankfurter Zeitung zu dem ersten unabhängigen Handelsblatt in Deutschland gemacht. Seine Methoden wurden von der ganzen deutschen Handelspresse übernommen und gelten heute noch. Professor Cohnstädt war eine bescheidene, stille1 Persönlichkeit, allen öffentlichen Ehrungen abhold. Trotzdem wurde ihm an seinem siebzigsten Geburtstag der Professortitel verliehen. Von der aktiven Mitarbeit in der Tagesjournalistik hat sich der Verstorbene schon vor dem Kriege zurückgezogen. Bis vor wenigen Jahren war er im Aufsichtsrat der Frankfurter Societäts-Druckerei tätig. Lebensmittel. Kolonialwaren, Weine, Konserven, Kaffee, Tee, Butter und Käse FRANKENTHAL Allerheiligenstra8e-79, An der Konstabier Wach« Prompter Stadtversand Tel. 23839 Witt^^entu^n Altbekannt gute Kofferu. 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