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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1934-12-01 · 4 (12.1934) · p. Seite 157

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
13 (1934-1935)
Issue
4 (12.1934)
Date
1934-12-01
Page
Seite 157 (sequence 35)
Language
German
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JUGEND UND GEMEINDE Beilage zum Frankfurter Israelitischen Gemeindeblatt Herausgegeben von der Jugendkommission der Israelitischen Gemeinde_ Hr. 4______;_:_DEZEMBER i 934 Alle Artikel sind persönliche Meinungsäusserungen der Verfasser, die Schriftleitung der Beilage übernimmt nur die pressgeselzliche Verantwortung. — Beiträge für die Beilage und Zuschriften sind an die Schriftleitung der Beilage, Fahrga*se 146, zu richten. Ein Wettbewerb Um unseren Lesern eine Chanukkahfreude zu machen, rufen wir zur Beteiligung an einem Wettbewerb auf. Vier Preisaufgaben sind gestellt. Die erste wendet sich an dieJugendlichen, diePh a n t a s i e und zeichnerisches Geschick haben, die Gelesenes, das ihnen lebendig vor die Augen getreten ist, mit dem Bleistift oder Pinsel zum Bild gestalten können. Die zweite Aufgabe ist für die gedacht, die es verstehen, das Erleben einer dramatischen Dichtung wiederzugeben. Der Jugend in den Bünden, ihrem Streben, bei ihren Heimabenden jüdisches Geistesgut zu erfassen und zu vermitteln, gilt die dritte Aufgabe. Und die letzte geht an den Kreis derer, die durch die Umschichtung dazu gekommen sind, sich als Handwerker auszubilden oder zu betätigen. Wir möchten von ihnen, auf die heute alle mit besonderem Interesse schauen, einmal hören, wie ihnen die oft schwere Arbeit allmählich lieb geworden ist. Die Aufgaben lauten: 1. Eine Illustration zu einer jüdischen Erzählung oder einem jüdischen Gedicht. (Das Buch, in dem der illustrierte Stoff gefunden wurde, Verfasser und Ueberschrift der Erzählung oder des Gedichts sind genau anzugeben.) 2. Eindrücke von der Aufführung des „Jeremias". 3. Vorschläge für die Ausgestaltung eines Heimabends mit dem Thema: Jüdische Sagen. (Skizzierung des Verlaufs — Begründung des Gewählten — Angabe der Quellen.) 4. Wie ich Freude an handwerklicher Arbeit gewonnen habe. Die besten Arbeiten werden mit Bücherpreisen ausgezeichnet. Auch ist eine Veröffentlichung im Gemeindeblatt in Aussicht genommen. Die Teilnahme am Wettbewerb bei den Aufgaben 1—3 steht Jugendlichen bis zum 18. Jahre frei; bei der 4. Aufgabe ist für die Jugendlichen keine Grenze des Lebensjahres gesetzt. Die Arbeiten müssen bis zum 20. Dezember an die Schriftleitung des Gemeindeblattes eingesandt werden. Die schriftlichen Darstellungen dürfen nicht länger als drei Quartseiten in Schreibmaschinenschrift sein. Bei allen Arbeiten ist Name, Anschrift und Alter des Einsenders anzugeben. Unser Oneg Schabbaf „Schon wieder!" denkt Ihr Euch. Weiß man denn heute der jüdischen Jugend gar nichts anderes mehr zu sagen, von gar nichts anderem ihr mehr zu erzählen als von Oneg Schabbat? Oneg Schabbat ist nunmehr bei uns eingezogen, wir gehen sehr, sehr fleißig (??) in die verschiedenen Feiern, die in jeder der Gemeindesynagogen uns geboten werden. Wir haben also unseren Oneg Schabbat.' Darum aber dreht es sich gerade: wir wollen einmal fragen, wie weit er Eue r Oneg Schabbat ist. Seit mehr als einem Monat bringt man nun Samstag morgen solche Feiern an Euch heran, sind es aber schon Eure Feiern? Das heißt doch Feiern, die in Eurem eigenen Leben eine Rolle spielen. Feiern, von denen man sagen kann, daß man sie nicht für Euch, sondern daß Ihr sie für Euch macht, wobei mir ein Helfer zugegen ist. Und nun überlegt Euch das alles einmal! Wie stehst Du zu Deiner Schabbatfeier? Wenn man z. B. fragen würde, wie stehst Du zu Deinem Freunde, da würde Dir sicher sofort eine Menge wichtiger Dinge einfallen. Solche, an die Du gern_ denkst, weil sie Dir an Deinem Freunde gefallen und andere, die Dir sehr mißfallen an ihm. So machen wir es einmal mit dem Oneg. Wie gefällt Dir Dein Oneg? Da fallen Dir zunächst alle schönen Sachen ein, etwa die Lieder oder die Geschichten und Märchen, die vorgelesen werden. Oder vielleicht auch ein hübscher Brauch, den Du noch nicht kanntest. Vielleicht hast Du Dich gar einmal gefreut, mit Jungens oder Mädels zusammen zu sein, die Dich nicht gleich an die Schule erinnerten, also richtige Schabbos-Gesellschaft waren. Und sicher gefielen Dir noch eine Menge Dinge. Dann aber fällt Dir ein, was Dich geärgert hat, was Dir also nicht gefiel. Manchmal war die Feier wie eine Religionsstunde, oder es ging zu laut zu, oder es wurde zu wenig gesungen, oder Du hattest ganz andere Dinge erwartet als die, die dann kamen. Du sollst nun nicht etwa beim Kritisieren bleiben: findest Du nicht auch, daß wir es anderen überlassen wollen, immer zu schimpfen anstatt selbst anzufangen, es besser zu machen? Worin würdest Du es denn also besser machen im Oneg Schabbat? Erzähl* mal all Deine Vorschläge und Wünsche! Gerade darauf kommt es an, wenn ich am Anfang gesagt habe, daß der Oneg Euer Oneg werden soll. Ihr sollt nun sagen, wie Ihr ihn Euch wünscht. Das könnt Ihr nun um so besser, weil Ihr doch die Erfahrung einiger Wochen habt. Anregungen sollen alle verwertet und verwirklicht werden, so weit es nur geht. Dann legen wir eine Sammelmappe von Erfahrungen und Neuerungswünschen an — und bauen so gemeinsam unseren Oneg. Und an noch etwas denke ich, was ich für ganz besonders wichtig halte: wie wirkt sich denn der Oneg Schabbat auf Deinen übrigen Schabbat aus? Ich meine das so, ob nun etwa der Samstag eine ganz bestimmte und hervorragende Rolle innerhalb Deiner Woche spielt. Nicht nur, weil auch an ihm schulfrei ist, sondern vielleicht darum, weü Du an ihm Dinge erlebst, die Dir sehr wichtig sind. Ueberlegt Euch auch mal, ob sich dieser Samstag nicht auch auf Euer Leben und Lernen während der übrigen Woche auswirkt! Und zum.Schluß noch eine Bitte: wißt Ihr, das Schwierigste an dem ganzen Sabbatfeiern ist doch wohl, daß es zu Hause nicht so leicht eingeführt werden kann, auch wenn Eure Eltern es wollen. Da erzählt mal, wie das bisher bei Euch zu Hause war, vor allem aber überlegt Euch, wie Ihr salbst möglicherweise Euren Eltern helfen könnt, den Sebabbat zu Hause einzuführen! Das also sind die neuen Ueberlegungen wegen des Oneg-Schabbat. Wem aber sollt Ihr sie erzählen? Hier diesem Gemeindeblatt, unser em Jugend blatt. Das wird wirklich zu unserem Jugendblatt, wenn wir nur erst einmal begreifen, daß wir hier alle unsere Angelegenheiten besprechen und mit einander vielleicht auch lösen können. Fangt also einmal mit der Schabbosfrage an. Keiner fehle, denn ich glaube, hierzu hat jeder etwas zu sagen. Bericht, Erfahrungen, Wünsche. Wir alle zusammen, w i r a 11 e f ü r e i u ä n d e v l Fanget an und schreibt! Dr. Heinrich L e m 1 e

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