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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1934-12-01 · 4 (12.1934) · p. Seite 155

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
13 (1934-1935)
Issue
4 (12.1934)
Date
1934-12-01
Page
Seite 155 (sequence 33)
Language
German
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Seite 155 bereit sind, kann man in überfüllten Veranstaltungen jüdischer Vereine leicht beobachten. ' Wie ein Zusammensein im eigenen Hause festlich zu gestalten ist, dafür kann man kein Rezept angeben. Es muß dies dem Takt und der Geschicklichkeit der einzelnen Frau überlassen werden. Auch wenn wirtschaftliche und seelische Not den Sinn belasten, muß man es doch fertig bringen, sich nur für einige Stunden frei machen zu können, nicht zuletzt für die Kinder. Vom Nachdenken über unser Schicksal ändert sich nichts. König Salomo sagt: „Wenn au schwach bist am Tage der Not, wird deine Kraft noch mehr erlahmen." Aber wir Frauen wollen uns nicht unterkriegen lassen von traurigen Gedanken! Wir wollen standhalten trotz größter Sorgen! Daß dies Gebot der Stunde erfüllt werden kann, zeigt die unverdrossene Arbeit, welche die Frauenvereine, immer wieder auf verschiedensten Gebieten in steter Hilfsbereitschaft zu leisten vrsuchen. Wir wissen, daß viele — längst nicht genug — Frauen ihre Kraft für notleidende Mitbürger einsetzen. Könnten wir doch in diesem Jahr zu Chanukkah erleben, daß jede jüdische Frau das Fest zu einem Fest ihres Heimes werden läßt, wo bei Lichterschein, Spiel, Gesang und gemütlicher Unterhaltung ohne Aufwendung größerer Geldmittel die Kinder und die Freunde des Hauses glückliche Stunden verbringen! Zu einer Quelle der Kraft würde uns das Fest! Dr. Frieda Fuch3 Kindbett in der Judengasse Wer hat nicht schon einmal staunend ein Wochenstubenbild der Renaissance betrachtet, eine jene: berühmten Johannes- oder Mariengeburten Ghirlandajos oder Dur» rs, wo allen modernen Regeln d-?r Wochenpflege zum Trotz eine unfaßlich große Menge von Frauen in überflüssiger Geschäftigkeit wichtigtuerisch durcheinander wimmelt? Nicht anders als in den Patrizierhäusern von Florenz oder Nürnberg war in der Judengasse zu Frankfurt am Main ein Kindbett eine Angelegenheit der breiten Oeffentlichkeit. „Wann eine Jüdin in Kindesnöten sitzet", berichtet unF3re Quelle (Johann Jacob Schudt: Jüdische Merkwürdigkeiten, Frankfurt-M. undLeipzig 1714—1717) „so laufen Kinder, Mägde, Männer, Weiber, alles ohne Unterschied im Zimmer der Gebärenden ohne Scheu aus und ein." Es war sogar eine besondere Ehre, „ein gar verdienstliches Liebeswerk", das den vornehmsten Frauen des Ghetto zukam, zu einer Kreisenden, die man noch im 18. Jahrhundert mit dem schönen, sonst nicht mehr üblichen altdeutschen Worte eine „Gewinnerin" nannte, gerufen zu werden. Bei keiner Gelegenheit des Leba s gab es eine solche Atmosphäre des Aberglaubens und der Dämonenangst wie im Kindbett. Dies ist keineswegs eine Eigenart des Ghetto, denn viele abergläubige Bräuche, die hier sich eingenistet haben, sind von der christlichen Umwelt entlehnt. Es ist ja so verstandlich, daß diese Menschen, die nicht wußten, warum jedes Wochenbett ein Kampf um Leben und Tod war, tite es nicht fassen konnten, warum ihre Säuglinge, kaum geboren, ihnen wieder hinwegstarben, bösen Geistern und heimtückischen Unholdinnen die Schuld beimaßen. Lilith, das Nachtgespenst, Adams entlaufene Frau, lauert den Nachkommen Evas auf, sie quält die Männer der Wöchnerinen, sie tötet grausam Mutter und Kind. Darum beschreibt der Hausvater, wenn die schwere Stunde seines Weibes herannaht, Kreidekreise an allen Wänden und an der Tür, er heftet Zettel die Bettvorhänge der Frau mit der Beschwörungsformel: n'b'b pn mn dtk „Adam, Eva, hinaus Lilith!" oder mit dem Namen der dreiWochenbett-Schutzengel Senoi, Sansenoi, Sammangeloph. Diese drei Enge', so will es die jüdische Sage, hat Gott der Lilith nachgeschickt, als sie Adam entlief. Sie holten sie am Meere ein, an der Stelle, an der rp;iter Pharao ertrank. Dort erklärt sie den Engeln, sie sei bestimmt, die Knäblein acht, die Mägdlein zwanzig Tage nach der Geburt?>x 'ötc-n. Sie wolle aber zurückweichen, wenn sie an einem Kindbatt K.-n.-u: Senoi, Sansenoi, Sammangeloph finde. Wenn die Wehen der Kreißenden einsetzen, fangen die versammelten Weiber an zu beten. Schlichte deutsche Verse: „Auff mein rechten Fuß trett ich, Gott den Herrn bett ich, Daß er entbind Mutter und Kind ] Gehoben soll es wären Zu Gottes Ehren." ' oder auch: „Auff dem Berge Karmel Stehet eine Hindin und schreyet. So kommt ein Engel vom Himmel Und spricht, warumb schreystu so, Ich bin eine Gewinnerin, Ich bin eine Gebärerin. Gott wird Dir und allen Menschen helfen." Wenn die Geburt nicht voran schreiten wollte, griff man zu weiteren Mitteln. Man drückte der Kreißenden den Synagogenschlüssel in die Hand. Auch soll es geschehen sein, daß man in harten Kindesnöten eine Jungfrau herbeigeholt, die aber Braut sein mußte. Die kämrt.te ihr Haar in der Gewinnerin Schoß. War das Kind geboren, und es war ein Knabe, dann herrsehte Jubel im Haus. Der Knabe wird willkommen geheißen mit den Worten: nbwb n» na-o cbipf? an "ist ..ein Knabe kam auf die Welt, Segen kam in die Welt," bei der Geburt eines MädchenB „weinen die Wände". (Um keine falschen Vorstellungen aufkommen zu lassen, muß hier gesagt werden, daß diese Höherbewertung des männlichen Kindes, die man in dieser schroffen Form sonst nur in den von salischen Erbgesetzen beherrschten Kreisen des hohen Adels findet, nur im Augenblicke der Geburt so ausgesprochen in Erscheinung tritt. Wir haben Beispiele genug, daß unsere Vorfahren, denen das Leben sonst fast alle anderen Freuden vorenthielt, leidenschaftlich an ihren Kindern hingen, an den Töchtern nicht weniger als an den Söhnen. (Siehe etwa: Die Memoiren der Glückel von Hameln.) Bei einem Mädchen fand etwa sechs Wochen nach der Geburt die sogenannte Holekreisch statt, eine Feier, die nicht auf dem Boden PASSENDE FEST-GESCHENKE rffacliü RZELLAN-B'ÄR I

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