Mannheim
Compact Memory

Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1934-12-01 · 4 (12.1934) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
13 (1934-1935)
Issue
4 (12.1934)
Date
1934-12-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3094266-3094412-3094416--4413-3099206
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

FRANKFURTER ISRAELITISCHES GEMEINDEBLATT Amtliches Organ der Israelitischen Gemeinde Das Gemeindeblatt erscheint monatlich. Bezugspreis für Gemeindemifglieder riertel jährlich 45 Rpfg. (einschl. Zustelhrags- und Erhebungskosten). — Preis der Einzelnummer 25 Rpfg. — Jahresbezug für Nichtmitglieder der Gemeinde RM. 3.— zuzüglich Porto. — Schriftleitung: Fahrgasse 146; Fernsprecher: Sammel-Nummer H: 27544. — Postscheckkonto: Frankfurt a. M. Nr. 33521. — Anzeigenverwaltnng: Annoncen-Expedition M. Isaac & Co., Rarensteinstrafie 11, I., Fernsprecher 44868 und 44888. — Anzeigen nach Tarif. — Anzeigenschluß für nächste Nummer: 28 D' Z. — Die Sthriftleitung übernimmt für den Inhalt des Gemeindeblattes nur die preßgesetzliche Verantwortung. Nachdruck nur mit Erlaubnis der Schriftleitung gestattet 13. Jahrgang Frankfurt a. M., Dezember 1934 Nr. 4 Chanukkah In seinem Buch »Die jüdischen Altertümer" berichtet Flavius Josephus über die Makkabüerkämpfe. Wir bringen zwei Kapitel im Auszug nach der Übersetzung von Martin (Köln 1853). Matlathias der Hasmonäer Um diese Zeit wohnte in Modiim, einem Flecken in Judäa, ein Mann Namens Mattathias, ein Sohn Johannes des Sohnes Simons aus dem Stamme des Asmonäer; er war Priester ans der Ordnung Joarib und stammte von Jerusalem. Er hatte fünf Söhne, Joannes mit dem Zunamen Gaddes, Simon mit dem Zunamen Matthes, Judas mit dem Zunamen Makkabäus, Eleazar mit dem Zunamen Kuran und Jonathas mit dem Zunamen Apphus. Dieser Mattathias war sammt seinen Kindern durch den Untergang der Verfassung, die Plünderung der Hauptstadt, die Beraubung des Tempels und die Unterdrückung des Volkes in den tiefsten Schmerz versetzt und erklärte, es sei besser, für die Gesetze der Vorfahren zu stejben, als ein so schimpfliches Leben zu führen. Als nun die Frohnvögte, die der König bestellt hatte, um die Juden zur Befolgung seiner Vorschriften zu zwingen, auch nach Modiim kamen und daselbst die Darbringung der vom König befohlenen Opfer verlangten, wandten sie sich an Mattathias, der besonders um seiner Bildung willen hohes Ansehen genoß, und verlangten von ihm, er solle mit den Opfern den Anfang machen; nach ihm würden sich dann seine Mitbürger richten, und er werde sich dadurch die Gnade des Königs erwerben. Mattathias jedoch weigerte sich aufs Entschiedenste und erklärte, wenn alle andern Stämme aus Furcht oder aus Augendienerei Antiochus' Befehlen nachkämen, so könne doch weder er, noch seine Kinder, jemals zur Uebertretung der väterlichen Satzungen bewogen werden. Kaum hatte er dieß gesprochen, als einer der Juden hervortrat und das von Antiochus geforderte Opfer darbrachte. Da griff Mattathias -'m höchsten Zorne mit seinen Söhnen zum Schwert, tödtete jenen Juden auf der Stelle, erschlug ebenso Apelles, den Beamten des Königs, der jenen dazu gebracht hatte, sammt einigen Soldaten, stürzte den Altar um und rief mit lauter Stimme: „Jeder, der noch für das Gesetz unserer Vorfahren und den Dienst des wahren Gottes eifert, folge mir!'' Bei diesen "Worten zog er sich mit seinen Kindern in die Wüste zurück und ließ seine ganze Habe in dem Flecken. Dasselbe thaten noch viele Andere, die mit Weib und Kind in die Wüste flohen und in Höhlen ihren Aufenthalt nahmen. Als dieß die Kriegsobersten des Königs vernahmen, riefen sie die ganze Macht, die sich in der Burg*) zu Jerusalem fand, unter die Waffen und folgten den Judei in die Wüste. Anfangs versuchten sie diejenigen, die sie ergriffen, auf andere Gesinnung zu bringen, indem sie ihnen zusprachen, sie sollten auf ihren eigenen Vortheil bedacht sein und sie nicht zwingen, daß sie Gewalt brauchten und nach Kriegsrecht mit ihnen verfuhren. Als jene aber nicht.auf. diese Reden hörten, sondern in Ihrer feindlichen Stellung beharrten, griffen sie dieselben an einem Sabbath an und verbrannten sie in den Höhlen, wo sie sich be- *> der Burg Zion fanden, ohne daß sie Widerstand geleistet oder auch nur die Eingänge versperrt hätten; sie enthielten sich nämlich des Widerstandes um des Tages willen und wollten nicht sündhafter Weise die Feier des Sabbathes verletzen, an dem uns alle Arbeit verboten ist. Demnach wurden jene mit Weib und Kind, im Ganzen gegen tausend, in den Höhlen vom Rauche erstickt. Indessen entgingen auch viele den Nachforschungen der Söldner; diese schlössen sich sämmüich an Mattathias an und wählten ihn zu ihrem Anführer. Mattathias stellte ihnen nun zuerst vor, daß sie auch am Sabbathe kämpfen müßten, und sagte, wenn sie, um das Gesetz zu bef »Igen, so fortführen, so würden sie sich selbst den größten Schaden zufügen, weü dann die Feinde zu ihrem Angriffe immer den Tag wählen würden, an dem sie sich nicht vertheidigen, und so würden aie sämmüich ohne Schwertstreich umkommen müssen. Durch solche Vorstellungen benahm er ihnen ihre Zweifel, und daher ist bei uns bis auf den heutigen Tag die Sitte geblieben, .nöthigenfalls auch am Sabbathe zu fechten. Mattathias sammelte allmälig eine große Macht um sich, ließ die Altäre niederreißen und befahl von denen, die darauf geopfert hatten, jeden zu tödten, dessen man habhaft werden könne; viele nämlich hatten sich aus Furcht davor unter die umwohnenden Völkerschaften zerstreut. Alle Kinder, die noch nicht beschnitten waren, ließ er beschneiden und die Frohnvögte des Königs austreiben. Kaum war er jedoch ein Jahr lang Anführer gewesen, so fiel er in eine Krankheit. Da ließ er seine Kinder rufen, versammelte sie rings um sich und sagte: „Liebe Kinder, ich muß den uns allen bestimmten Weg gehen. Ich lasse euch meinen Geist zurück und bitte euch, denselben nicht in euch ersterben zu lassen. Denkt, daß die Gottheit, wenn sie eine solche Gesinnung in euch wahrnimmt, euch ihren Schutz nicht entziehen, sondern euch wieder in den Besitz eurer Selbständigkeit und eurer Freiheit führen wird, in der ihr dann ohne Furcht nach ünsern eigenen Gebräuchen leben könnt. Sind auch eure Leiber sterblich und hinfällig, so wird euch doch das Andenken an eure Taten unsterblich machen. Vor Allem aber lege ich euch ans Herz, die Eintracht zu bewahren und jeden Vorzug, den der Andere hat, willig anzuerkennen, damit jeder mit seinen Talenten den übrigen dienen könne. Euren Bruder Simon, der Ueberlegung .hat, betrachtet als Vater, und folgt seinem Rathe, Makkabäus aber wählt um seiner Tapferkeit und Stärke willen zu eurem Feldherrn. Sucht dann alle Gerechten und Gottesfürchtigen an euch heranzuziehen, um eure Macht zu verstärken." Nach diesen Ermahnungen an seine Kinder flehte er den Herrn an, ihr Bundesgenosse zu werden und dem Volke seine Selbstständigkeit wieder zu verleihen, starb dann bald nachher und ward in Modiim begraben. Nach Beendigung der Trauer, die das ganze Volk um ihn anstellte, erhielt sein Sohn Judas, genannt Makkabäus, im hundertsechsundvierzigsten Jahre den Oberbefehl Seihe Brüder und alle Anderen unterwarfen sich ihm bereitwillig, und so verjagte er die Feinde aus dem Lande, ließ die Juden, die an ihren eigenen Gesetzen zum Verräter geworden waren, hinrichten und reinigte das Land von aller Befleckung.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.