Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 13 (1934-1935)
- Issue
- 3 (11.1934)
- Date
- 1934-11-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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FRANKFURTER ISRAELITISCHES GEMEINDEBLATT Amtliches Organ der Israelitischen Gemeinde Das Gemeindeblatt erscheint monatlich. Bezugspreis für Gemeindemitglieder Tierteljährlich 45 Rpfg. (einschl. Zustellungsand Erhebungskosten). — Preis der Einzelnummer 25 Rpfg. — Jahresbezug für Nichtmitglieder der Gemeinde RM. 3.— zuzüglich Porto. — Schriftleitung: Fahrgasse 146; Fernsprecher: Sammel-Nummer H. 27544. — Postscheckkonto: Frankfurt a. M. Nr. 33521. — Anzeigenyerwaltung: Annoncen-Expedition M. Isaac Sc Co., Ravensteinstraße 11, I., Fernsprecher 44868 und 44888. — Anzeigen nach Tarif. — Anzeigenschluß für nächste Nummer: 23 Nov. — Die Schriftleitung übernimmt für den Inhalt des Gemeindeblattes nur die prefigesetzliche Verantwortung. Nachdruck nur mit Erlaubnis der Schriftleitung gestattet. 13. Jahrgang Frankfurt a. M., November 1934 Nr.a Das jüdische Handwerk Zum 25 jährigen Bestehen des jüdischen Handwerkervereins Handwerk und Gewerbe im deutschen Judentum von Wilhelm Marcus, Berlin, Vorsitzender des Zentralverbandes jüdischer Handwerker und des Reichsverbandes dos jüdischen Mittelstandes Viele Jahre haben die jüdischen Handwerker und Gewerbetreibenden Deutschlands innerhalb der deutschen Judenheit um die ihnen zukommende Anerkennung gekämpft. Mit unbeirrbarer Hingabe haben sie sich eingesetzt für die Gleichstellung in beruflicher und gesellschaftlicher Beziehung. Dieses Ringen um die Erfüllung einer selbstverständlichen Forderung wurde mit den Ereignissen im vergangenen Jahr nur äußerlich zu einem Abschluß gebracht. Trotz dieser für das deutsche Judentum einschneidenden Entwicklung ist die innere Einstellung weiter Kreise noch nicht so den veränderten Verhältnissen angepaßt, wie es die an uns gestellten Aufgaben verlangen. Dennoch kann mit Befriedigung festgestellt werden, daß dank der Einsicht und des Erkennens eines erheblichen Teils unserer Glaubensgenossen, besonders in der Führung, unbestreitbar ein Wandel eingetreten ist, der hoffen läßt, daß innerhalb der jüdischen Mittelstandskreise da« Gemeinschaftsbewußtsein so weit gestärkt wird, daß auch in Bezug auf die Berufsstruktur eine Gesundung in den kommenden Jahren herbeigeführt wird. Nur so wird die deutsche Judenheit ihr wirtschaftliches Fundament sichern und damit eine bessere Einordnung in die Allgemein Wirtschaft, mit der sie auf Gedeih und Verderb verbunden ist, erreichen. Die Bemühungen der jüdischen Organisationen, .insbesondere des seit Jahrzehnten bestehenden Zentralverbandes jüdischen Handwerks Deutschlands und des aus der Zeit herausgeborenen Reichsverbandes des jüdischen Mitteistandes, sind auf einen planvollen Umbau der jüdischen Berufs- und Wirtschaftstruktur gerichtet und verfolgen in erster Linie den Gedanken, die heranwächsende Jugend den produktiven manuellen Berufen zuzuführen. Wird diese Politik systematisch und weit vorausschauend verfolgt, dann gewinnt das Handwerk, das in Deutschland einige dreißigtausend-Menschen umfaßt, im Laufe der Jahre die ausschlaggebende Stellung in der deutschen Judenheit. Es ist klar, daß sich ein derartiger Strukturwandel, der das wirtschaftliche Gesicht der deutschen Judenheit entscheidend umgestalten wird, nur langsam vollziehen kann. Es wird sich über Generationen , erstrecken müssen. , ' . « Zum-mindesten .bedenklich wärg, es, die JSesamtheit des jüdischen Nachwuchses nur in die handwerklichen Beruie^zCbfingen. Bereits jetzt zeigen sich bei all dem Eifer, der in Bezug auf die Berufsumschichtung angewandt wird, derartige Tendenz. Sie haben in der Praxis dazu geführt, daß z. B. in kaufmännischen Betrieben eine große Anzahl von Lehrstellen einfach nicht besetzt werden kann, weil sich die jungen Mensehen von einer Zukunft im Handel wenig versprechen, zudem auch aus der allgemeinen Entwicklung der Zeit heraus oft eine tiefe Abneigung gegen die Handels- und Vermittlerberufe empfinden. Handwerk und Mittelstand haben innerhalb der deutschen Judenheit als ihre wichtigsten wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Träger darüber zu wachen, daß alle Maßnahmen, die zur Förderung und Sicherung getroffen werden, in stärkstem Maße ihnen,-die für die Erhaltung der Judenheit in Deutschland den Ausschlag geben, zuteil werden. In Erkenntnis der augenblicklichen und zukünftigen Stellung von Handwerk und Mittelstand innerhalb des jüdischen Lebens haben die jüdischen Körperschaften Wirtschafts-Hilfseinrichtungen ins Leben gerufen, die in hervorragendem Maße gerade diesen beiden Gesellschaftsgruppen eine tatkräftige Förderung angedeihen lassen. Eine große Zahl geschwächter und gefährdeter Existenzen konnte vor dem Erliegen bewahrt werden. Mit Hilfe der jüdischen Arbeitsnachweise konnte eine erhebliche Anzahl jüdischer Arbeitskräfte wieder eingeordnet werden. Es ist bezeichnend, daß gerade die mittelständischen Betriebe nach den gemachten Erfahrungen der Arbeitsämter sich aufnahmewilliger zeigten und Einstellung von nachtjüdischem und jüdischem Personal vorgenommen haben, die oft weit über das Erforderliche der wirtschaftlichen Notwendigkeit des Betriebes hinausgingen. Als die beste Hilfe für alle jüdischen Mittelstandsbetriebe hat sich aber, wie zu jeder Zeit, die Arbeitszuführung erwiesen. Sie setzt allerdings eine festgefügte Solidarität der jüdischen Glaubensgemeinschaft voraus, die sich in immer stärkerem Maße durch die Tat zeigen muß. Soweit für die jüdischen Handwerker und Gewerbetreibenden aus ihrer spezifisch . jüdischen Lage heraus besondere wirtschaftliche Probleme entstehen, haben sie durch eigene Initiative, sich Organisationen geschaffen, die auf eine wirksame Unterstützung der allgemeinen Bestrebungen zur Förderung und Sicherung der breiten Schichten der deutschen Judenheit abzielen. Der Zentral- . verband jüdischer Handwerker Deutschlands hat von jeher seine - vornehmste Aufgabe darin gesehen, mitzuhelfen, .die ScbJ,de& einer