Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 13 (1934-1935)
- Issue
- 2 (10.1934)
- Date
- 1934-10-01
- Page
- Seite 58 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 58 den im Jahre 1756 hier bestatteten berühmten Gelehrten Rabbi Jakob Josua ben Zwi Hirsch (Falk), der in der jüdischen Welt unter dem Namen seines Hauptwerkes, .,Pne Jehoschua" bekannt ist, ein neuer Grabstein enthüllt. Der bekannte Bildhauer Leo Horovitz hat aus rotem Sandstein dem alten verwitterten ein neues Grabmal in derselben-Gestalt und mit derselben Inschrift nachgebildet. Gemeinderabbiner Dr. J. Hoffmann hielt die Gedenkrede, in der er den Werdegang und die Bedeutung des Gelehrten und seines Werkes schilderte. — Frankfurt a. O. Trotz mannigfacher Schwierigkeiten ist es der kleinen Gemeinde in Küstrdn gelungen, den Bau ihrer Synagoge zu vollenden. Die Einweihung des Neubaues fand -in besonders feierlichem Rahmen statt. — Groß-Gerau. Die Groß-Gerauer .JBeiniatzeitung" meldet:, „In einer der letzten Nächte wurde in die Synagoge eingebrochen. Im Innern wurde großer Unfug getrieben und verschiedene Gegenstände entwendet. Für die Namhaftmachung der Täter ist eine Belohnung ausgesetzt worden." — Halberstadt. Der Reichsbund gesetzestreuer jüdischer Gemeinden in Halberstadt hat im September 1928 den Antrag gestellt, es grundsätzlich als genügende Entschuldigung im Sinne des § 114 AVAVG. für die Unterlassung einer Meldung nach § 173 a. a. 0. gelten zu lassen, wenn ein arbeitsloser, orthodoxer Jude an einem Sonnabend oder jüdischen Feiertag die Erstattung der Meldungen aus religiösen Gründen unterläßt. Auf Grund dieser Eingabe hat der Präsident der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung mit Runderlaß vom 29. September 1928 — DJ 656/28 Br. — bekannt gegeben, daß „in TTebereinstimmung mit dem Herrn Reichsarbeitsminister keine Bedenken dagegen zu erheben sind, daß die Unterlassung der Meldungen an Sonnabenden oder an jüdischen Feiertagen als uenügende Entschuldigung gemäß § 114 a. a. 0. angesehen ward, wenn nachgewiesenermaßen bei dem Arbeitslosen religiöse Bedenken dagegen bestehen, und der Zweck der Arbeitsvermittlung darunter nicht leidet." Auf Grund einer erneuten Intervention des Reichsbundes gesetzestreuer jüdischer Gemeinden hat der Präsident der Reichsanstalt für Arbeitslosen Vermittlung und Arbeitslosenversicherung mit Runderlaß vom 9. September 1934 — JJJ 7661/230 — die Landesarbeitsämter darauf hingewiesen, „daß der Runderlaß vom 29. September 1928 — JJI 656/28 Br! — nicht aufgehoben ist, da er lediglich Rücksicht auf eine Religion nimmt, deren Ausübung auch im nationalsozialistischen Staat jedem freigestellt ist." Vom Präsidenten des Landesarbeitsamtes Brandenburg ist eine gleiche Anweisung an die einzelnen Berliner Arbeitsämter ebenfalls ergangen. — Köln. Anläßlich der Anwesenheit von Dr. Ernst Simon (Frankfurt a. M.-Haifa) fand eine Arbeitsgemeinschaft für die gesamte jüdische Lehrerschaft Kölns statt. An ihr nahmen 5 Lehrerkollegien und eine Abordnung der Bonner, jüdischen Lehrerschaft teil. — Im Alter von 76 Jahren ist in Köln der Ehrenvorsitzende des Landesverbandes Linksrhein des Centraivereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens und Ehrenvorsitzende des Kölner jüdischen Wohlfahrtsamtes, Bernhard Feilchenfeld, nach monatelangem Siechtum gestorben. Feilchenfeld war der unbestrittene Schöpfer des Kölner jüdischen Wohlfahrtsiwesens, wie es heute im jüdischen Wohlfahrtsamt organisatorisch zusammengefaßt ist. — Regensburg. Die Jüdische Gemeinde in Floß bei Weiden in der Oberpfalz (Bayern) besteht am 2. Oktober 250 Jahre. Im Jahre 1684 ließen sich dort vier Juden mit Genehmigung der zuständigen Behörde nieder. Die Gemeinde vermehrte sich im Laufe der Jahrhunderte stark. Durch Abwanderung am Ende des 19. Jahrhunderts ist sie jedoch zu einer Kleingemeinde geworden, die heute dem Bezirksrabbinat Regensburg angeschlossen ist. Europa Ausland Belgien Die belgische Regierung hat ihren bisherigen Vizekonsul in Haifa, Rosenfeld, einen Juden, zu ihrem Konsul für Haifa ernannt. Die Ernennung wird im Amtsblatt der Regierung veröffentlicht. — Der in Washington verstorbene belgische Gesandte in den Vereinigten Staaten, Paul May, dessen sterbliche Ueberreste auf einem belgischen Kriegsschiff in Begleitung -eines Vertreters des Präsidenten Roosevelt nach Belgien gebracht wurden, fand auf dem Antwerpener jüdischen Friedhof nach streng jüdisch-orthodoxen Zeremoniell statt. Freistaat Danzig Die Danziger Außenhandelskammer ist vor wenigen Tagen konstituiert worden. Ihrem Vorstand gehören mehrere jüdische Kaufleute an, die auf dem Gebiete des Außenhandels besondere Erfahrungen haben. England In London wurde ein interterritorialer jüdischer Kameradschaftsbund '(World Jewry Fellowship) gegründet, der es sich 'zur Aufgabe gemacht hat, überall jüdisches Bewußtsein zu stärken und für jüdische Einheit einzutreten. Die Ziele der neuen Organisation liegen weder auf politischem, noch auf religiösem Gebiet, sondern bestehen in der Verbreitung der Kenntnis von der Rolle . der Juden in der Menschheitskultur, der Förderung, gegenseitigen Verstehens und der Freundschaft zwischen Juden und Nichtjuden und der Stärkung aller auf harmonische Zusammenarbeit verschiedener Menschengruppen gerichteten Bestrebungen. — In einem soeben veröffentlichten Bericht einer Kommission des englischen Innenministeriums zum Studium von Eherechtsfragen wird die Behandlung von Ehestreitigkeiten durch das, jüdische rabbinische Gericht (Beth Din) als vorbildlich bezeichnet und ihre Nachahmung durch außergerichtliche Schlichtungsstellen in ganz England empfohlen. Prankreich Am 2. September dieses Jahres wurde in Taintmx in den Vogesen ein von der französischen Regierung errichtetes Denkmal des Größrabbiners Abraham Bloch eingeweiht, der am 29. August 1914 unter erschütternden Umständen im Kriege fiel. Holland Am 3. Oktober ist das deutsch-jüdische Arbeitslager im Wieringermeer-Polder (früher ZuydernSee) offiziell eröffnet worden. Das Lager wurde durch Vermittlung des Komitees für spezielle jüdische Interessen mit Hilfe der holländischen Regierung geschaffen. 150 Kolonisten befinden sich bereits in dem Arbeitslager und werden eine dreijährige landwirtschaftliche Ausbildung erhalten. Italien Zum Nachfolger des vor kurzem verstorbenen Leiters des Wissenschaftlich-kriminologischen Instituts in Rom, Prof. Ottolen/hi, der Jude war, ist wieder ein jüdischer Gelehrter, Prof. Bestecke in echt Silber und versilbert Trauringe in modernen Formen Brillanten auch stets Gelegenheiten Armbanduhren in allen Preislagen Äuto-Bcto*Selir<3fi^ $&ffep. Damentafchen " lederwareri ■"■ HÖISERSTR.S FRANKFURT AM MAIN. POSENS POSEN Silberfchmiede KRISERSTR.5.riächft Roßmarkt