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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1934-09-01 · 1 (9.1934) · p. Seite 15

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
13 (1934-1935)
Issue
1 (9.1934)
Date
1934-09-01
Page
Seite 15 (sequence 17)
Language
German
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Seite 15 Friedhofsgärtnerei Das Friedhofsamt der Israeli fischen Gemeinde ist durch die mit allen neuzeitlichen Anlagen ausgestattete Friedhofsgärtnerei in der Lage, sämtliche vorkommenden gärtnerischen Arbeiten auf den Friedhöfen der Gemeinde auszuführen. Es übernimmt die Neubepflanzung der Grabstätten mit Efeu, Sedum, Immergrün und Blumen, sowie deren dauernde und jähr weise Pflege. Fachmännische Beratung und Kostenberechnungen werden gebührenfrei durch die Friedhofsgärtnerei, Eckenheimer Landstraße 238 (ternspr. Zeppelin 52042) oder durch das Gemeindebüro, Fahrgasse 146, Zimmer 37 (Fernspr. Hansa 27544) zur Verfügung gestellt. Die Gemeindemitglieder werden gebeten, sich bei Bedarf an Topfpflanzen und S c n nittblumen der auf den Friedhöfen befindlichen Verkaufsstellen zu bedienen. Nähere Auskunft erteilen die Pförtuer. Mit Rücksicht auf das Verkaufsverbot am Sonntag werden die Friedhofsbesucher febeten, ihre Blumenbestellungen bis spätestens Freitagnachmittag in der riedhofsgärtnerei aufzugeben. Auf dem. neuen Friedhof an der Eckenheimer Landstraße werden laut Gemeindebeschluß alle gärtnerischen Arbeiten in eigener Regie des Friedhofsamtes der Gemeinde ausgeführt. Oeffnungszeiten der Friedhöfe Die Friedhöfe an der Rat-Beil-Straße und an der Eckenheimer Landstraße sind in der Zeit vom 1. April bis 15. Sept. von 7—19 Uhr geöffnet. — Freitags wird eine Stunde vor Beginn des Sabbats geschlossen. Samstags und an den jüdischen Feiertagen sind die Friedhöfe geschlossen. Gedäditnislichter Zum Andenken an Verstorbene können in den Gemeindesynagogen Gedächtnislichter gebrannt werden. Die im Voraus zahlbaren Gebühren betragen: für ein Licht am Jahrzeitstag Rm. 1.— für ein Licht während des Trauerjahres (11 Monate und am ersten Jahrzeitstag) Rm. 75.— für ein ewiges Licht am Jahrzeitstag Rm. 100.— für ein ewiges Licht am Jahrzeitstag einschließlich V e r r i ch - tung des Kaddischgebets Rm. 200.— Fundsache Am Sonntag, den 12. August, wurde auf einer Bank im Portal des Neuen Friedhofs ein schwarzseidener Damenschirm mit gebogener Krücke gefunden. Abzuholen im Büro der Friedhofsverwaltung. Zuwendungen Die Gemeindebibliothek erhielt Bücherspenden von den Herren G. Damann-Berlin, Adolf Rosenfeld und Dr. J. Rothschild-Fulda. Aus der Gemeindevertretung Sitzung vom 15. August 1934 Sitzungsbericht von Bürodirektor I. Meyer In Anwesenheit von 21 Gemeindevertretern und 7 Mitgliedern des Gemeindevorstands eröffnet Herr Felix Meyer an Stelle des beurlaubten Herrn Dr. Merzbach die Sitzung. Vor Eintritt in die Tagesordnung gedenkt der Vorsitzende namens der Gemeindevertretung des großen Verlustes, der das Vaterland durch das Hinscheiden des allverehrten Herrn Reichspräsidenten betroffen hat. Wir deutschen Juden, so führt der Vorsitzende aus, betrauern schmerzlich mit dem gesamten deutschen Volk den Heimgang dieser überragenden Persönlichkeit, deren Charaktereigenschaften und nicht zu überbietende Pflichttreue uns jederzeit vorbildlich waren. Getreu der Vorschrift unseres Judentums, das die Ehrerbietung vor dem Staatsoberhaupt zu einem der wichtigsten Gebote erhoben hat, haben wir deutsche Juden stets in tiefer Ehrfurcht die außergewöhnliche Gerechtigkeitsliebe und Frömmigkeit Paul von Hindenburgs bewundert und uns durch kein Zeitgeschehen davon abhalten lassen, die seltene Größe dieser geschichtlichen Persönlichkeit anzuerkennen. Das Andenken an den verewigten Reichspräsidenten wird in unseren Reihen stets in hohen Ehren gehalten werden. Der Vorsitzende gedenkt sodann in tiefer Wehmut des schweren Verlustes, den die Frankfurter Gemeinde durch den Heimgang des Teppich- und Gardinenhaus S. GUTTMANN, Neue Krame 16 wünscht seinen Kunden und allen Gemeindemitglieder ein glückliches Neues Jahr Vorstandsmitglieds und stellvertretenden Vorsitzenden des Vorstandes, des Herrn Dr. Eduard Baerwald, erlitten hat. Nach längerem heroisch getragenen Leiden, das uns alle mit tiefster Sorge und Anteilnahme erfüllte, wurde er, auf den die Frankfurter Gemeinde noch große Hoffnungen setzte, seiner Familie, seinem überaus großen Freundeskreis und der Gemeinde allzu früh entrissen. Was Eduard Baerwald für die Judenheit und im engeren Sinn für die von ihm innigst geliebte Frankfurter Gemeinde geleistet und bedeutet hat, wurde bei seiner Beisetzung, die ein überwältigendes Zeugnis von seiner Beliebtheit ablegte, von den berufensten Seiten gewürdigt. Wie oft hatten auch wir, so fährt der Vorsitzende fort, bei den Sitzungen der Gemeindevertretung Gelegenheit, die umfassenden Kenntnisse, das warmherzige Interesse, die Schlagfertigkeit seiner Redekunst, vor allem aber die bestrickende Liebenswürdigkeit der Persönlichkeit des Verewigten zu bewundern. Selbst bei gegensätzlichen Auffassungen hatte jeder das Gefühl: Hier steht und spricht ein Mann, dessen Herz von einer tiefen Liebe zur Gemeinde und Gemeinschaft erfüllt und dem jedes Wort der Ausdruck seiner innersten Ueberzeugung ist. Seine der Gemeinde entgegengebrachte Liebe wurde denn auch in reichstem Maße erwidert, und ich bin der Ueberzeugung, im Namen der gesamten Gemeindevertretung zu sprechen, wenn ich dem Wunsch Ausdruck verleihe: Mögen der Frankfurter Gemeinde stets Männer mit den Qualitäten eines Eduard Baerwald zur Verfügung stehen! Sein Andenken wird von der Gemeindevertretung stets in höchsten Ehren gehalten werden und nie verlöschen. Die Anwesenden hatten sich zu Ehren der Verewigten von ihren Plätzen erhoben und die Ausführungen des Vorsitzenden stehend angehört. Der Vorsitzende begrüßt hierauf Herrn Dr. Max Mainzer, der nach längerer Krankheit zum ersten Male wieder erschienen ist und gibt der Freude der Gemeindevertretung über seine Wiederherstellung Ausdruck. Der Vorsitzende wünscht Herrn Dr. Julius Mankiewicz, der sich einer Operation unterziehen mußte, baldige vollkommene Genesung. Der Vorstand gibt davon Kenntnis, daß infolge Antrags der liberalen Fraktion der Gemeindevertretung gemäß der abgeänderten Wahlordnung Herr Rechtsanwalt und Notar Dr. Fritz O p p e nheimer an Stelle des ausgeschiedenen Gemeindevertreters Isi Clemens Kahn zum Mitglied der Gemeindevertretung berufen worden ist. Herr Dr. Oppenheimer hat das Amt angenommen und ist in der heutigen Sitzung erschienen. Er wird von dem Vorsitzenden willkommen geheißen, mit dem Wunsche, daß seine Mitarbeit der Gemeindevertretung zum Nutzen gereichen möge. An Stelle des verstorbenen Herrn Dr. Baerwald sowie des aus: geschiedenen Herrn I. Stern-Bing werden die Herren Dr. Richard R h e i n s t e i n und Dr. Franz Wolf für die Zeit bis zum 31. Dezember 1936 in den Vorstand gewählt. Dem Entwurf eines Nachtragsvertrags zum Pachtvertrag betr. Mazzenbäckerei für die Backperiode 1934/35 wird zugestimmt. — Im Anschluß hieran wird davon Kenntnis gegeben, daß ein ungenannter Gläubiger eines der Gemeinde gewährten Steuerdarlehens auf Rückzahlung seines Guthabens von RM. 1000.— zugunsten der Jüdischen Notstandsküche verzichtet hat. Dem ungenannten Spender wird besonderer Dank ausgesprochen. — Es folgt die Genehmigung des Entwurfes eines Abkommens mit der Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler über die Verwaltung des Rothschild- Museums, Museum jüdischer Altertümer, sowie die Bewilligung eines Betrages von RM. 700.— für dringend notwendige Wiederherstellungsarbeiten an den Portalgebäuden des Friedhofs Rat-Beilstraße. Schließlich gibt der Vorsitzende Kenntnis von der für den 26. August geplanten Gedenkfeier des R J F für den verstorbenen Herrn Reichspräsidenten und ersucht die Gemeindevertreter an dieser Feier teilzunehmen. Weitere Vorlagen betreffen die vorsorgliche Bewilligung eines Nachtragskredits von RM. 2400.— für Umbauarbeiten im Hause Königswarterstraße 26 und die Verteilung einer 1. Rate von Subventionsbeträgen an die Jugendorganisationen gemäß dem Vorschlag der Jugendkommission, die debattelos genehmigt werden. Anläßlich der Organisation und Durchführung der von der Jüdischen Wohlfahrtspflege auch in diesem Jahr eingerichteten Ferienspiele für erholungsbedürftige jüdische Kinder hat Herr Julius Werner auf Rückzahlung eines Steuerdarlehens von RM. 1000.— zu Gunsten dieser Ferienspiele verzichtet. Frau Professor Freimann hat in aufopferungsvoller Arbeit erfolgreich die Einrichtung dieser Ferienspiele und damit die Versorgung hilfsbedürftiger jüdischer Kinder betrieben. Die Gemeindevertretung schließt sich dem Dank, den der Vorstand der Genannten ausgesprochen hat, an. Hieran schloß sich eine nichtöffentliche Sitzung.

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