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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1934-09-01 · 1 (9.1934) · page 3

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
13 (1934-1935)
Issue
1 (9.1934)
Date
1934-09-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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FRANKFURTER ISRAELITISCHES GEMEINDEBLATT Amtliches Organ der Israelitischen Gemeinde Das Gemeindeblatt erscheint monatlich. Bezugspreis für Gemeindemitglieder vierteljährlich 45 Rpfg. (einschl. Zustelhings- und Erhebungskosten). — Preis der Einzelnummer 25 Rpfg. — Jahresbezug für Nichtmitglieder der Gemeinde RM. 3.— zuzüglich Porto. — Schriftleitung: Fahrgasse 146; Fernsprecher: Sammel-Nummer H. 27544. — Postscheckkonto: Frankfurt a. M. Nr. 33521. — Anzeigenverwaltung: Annoncen-Expedition M. Isaac & Co., Ravensteinstraße 11, L, Fernsprecher 44868 und 44888. — Anzeigen nach Tarif. — Anzeigenschluß für nächste Nummer: 28 Sept. — Die Schriftleitung übernimmt für den Inhalt des Gemeindeblattes nur die preßgesetzliche Verantwortung. Nachdruck nur mit Erlaubnis dör Schriftleitung gestattet. 13. Jahrgang Frankfurt a. M., September 1934 Nr. 1 Paul von Hindenburg Durch den HeimgaiiiK des Reichspräsidenten Generalfeldmarschalls Paul von Hindenburg, ist mit dem gesamten deutschen Volke in- und außerhalb der Reichsgrenzen das deutsche Judentum in tiefe Trauer versetzt worden. Unter Hindenburg haben die waffenfähigen Jünglinge und Männer des deutschen Judentums in dem großen Krieg der Jahre 1914—18 für den Schutz und die Ehre des Vaterlandes gekämpft und geblutet. Unter ihm hat in einer Reihe von Jahren friedlicher Entwicklung die deutsche Judenheit in allen ihren Schichten für die Heilung der Wunden des Krieges sich eingesetzt. Die Erfahrung von dem Einsatz an Treue und Tapferkeit der Juden, die Paul von Hindenburg während des Krieges gesammelt hat, kommt in manchem seiner Worte zum Ausdruck. Die Spanne dieses reichen Lebens führte aus der Zeit der deutschen Vielstaaterei bis in die Gegenwart des geeinten Deutschen Reiches. In dieser Epoche hat sich ein denkwürdiger Abschnitt auch jüdischer Geschichte auf deutschem Boden vollzogen, einer Geschichte voll Hoffnung und Enttäuschung. Hindenburgs Gläubigkeit und Treue waren es, die ihn, den siegreichen Schlachtenlenker des Krieges, den gütigen Leiter des Vaterlandes im Frieden, den Herzen aller Deutschen teuer gemacht haben. Als Sinnbild des geraden, gläubigen und wohlmeinenden Menschen bleibt Paul von Hindenburgs Leben, Werk und Bild den deutschen Juden unvergänglicher Besitz. Um dem tiefen Empfinden der deutschen Juden Ausdruck zu geben, hat die Reichsvertretung folgende Depesche an .das Büro des Herrn Reichspräsidenten gerichtet: „Tiefe innige Trauer um den Heimgang des Reichspräsidenten erfüllt die deutschen Juden. Als ein Mann, dessen Persönlichkeit dem Gedanken der tapferen Pflicht seine Wirklichkeit gab, als ein Mann, der dem Alter, das die Bewährung eines Lehens erwarb, seine Größe verlieh, als ein Mann, der das gemeinsame Ganze immer sah, immer auf das Vaterland, das alle umschließt, den Blick, richtete, als ein Mann der Geschichte, stand Hindenburg vor der Welt. In der Treue der deutschen Juden wird sein Bild allezeit bleiben." Die Reichsvertretung der deutschen Juden gez.: Baeck Hirsch Aus Anlaß des Ablebens des Herrn Reichspräsidenten von Hindenburg wurden in allen Frankfurter Synagogen Trauergottesdienste abgehalten, in denen die Herren Rabbiner in Predigten des Verblichenen und seiner Bedeutung für das deutsche Judentum gedachten. Im großen Saal des Saalbaus hat der Reichsbund Jüdischer Frontsoldaten,Frankfurt a. M.,eine Gedenkfeier für den verstorbenen Generalfeldmarschall und Reichspräsidenten veranstaltet. Auf der, dem Anlaß entsprechend hergerichteten Bühne hatten Abordnungen des Reichsbunds Jüdischer Frontsoldaten, Vertreter des „Schild" und verschiedener Jugendorganisationen mit ihren Fahnen Aufstellung genommen. Die Feier wurde von Orgelspiel (Organist Würzburger) und Sologesängen (H. Bornstein) umrahmt. Rabbiner Dr. S a 1 z b e rg e r schilderte in seiner Gedenkrede die Bedeutung Hindenburgs für Deutschland und für das deutsche Judentum. Er ging dabei von dem Spruche: „Mit der einen Hand führte er das Schwert und mit der anderen arbeitete er" aus, den Hindenburg kurz vor seinem Tode sich erwählt habe, und würdigte ihn als den Soldaten und Arbeiter am deutschen Volke, der im jüdischen Soldaten den Kameraden gesehen und ihn so geschützt habe. Dr. Felix Kauffmann, der Vorsitzende des Reichsbunds Jüdischer Frontsoldaten, gedachte des Verstorbenen als des Menschen, dessen Leben dem deutschen Volke gewidmet und dem die Kameradschaft immer ein hohes Ziel gewesen sei. Dem jüdischen Soldaten, der im Weltkrieg für Deutschland sein Leben eingesetzt und unter dem siegreichen Feldherrn gekämpft habe, gelte auch in dieser Trauerstunde um den Reichspräsidenten Dank und Gedenken. Zum Zeichen dessen verharrten die Erschienenen eine Minute schweigend und sangen dann gemeinsam das Lied vom guten Kameraden.

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