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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1934-08-01 · 12 (8.1934) · p. Seite 477

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
12 (1933-1934)
Issue
12 (8.1934)
Date
1934-08-01
Page
Seite 477 (sequence 19)
Language
German
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Seite 477 III. Orchesler-Konzert des Kulturbundes Rhein-Main Heitere Musik Eine der negativen Auswirkungen der Kunst Wagners: die über Jahrzehnte hinaus anhaltende Unterschätzung Mendelssohns. Immer seltener erschienen in den Konzertprograinmen selbst die Werke, die das Genie Mendelssohns vielleicht am eindringlichsten bekunden, die Hebriden-Ouverture, die Brahms als eine Meisterltistung höchsten Ranges bezeichnet hat, das Violinkonzert E-moll und die Ouvertüre zum „Sommernachtsträum". Wäre der Nachwelt nichts mehr als diese drei Schöpfungen erhalten geblieben!, die Rehabilitation Mendelssohns mußte zu einem Zeitpunkt erfolgen, an dem das Ohr wieder stärker als ehedem auf die feinen, edlen Reize dieser in Form und Inhalt zu vollendetem Ausgleich gebrachten Musik reagierte. Die mächtig gesteigerte Pflege Mendelssohns, die wir jetzt erleben, hat eben nur teilweise ihre Ursache darin, daß wir als Juden gegenwärtig unseren größten Musikern mit erhöhter Hingabe huldigen. Weit mehr fällt ins Gewicht, daß Mendelssohns Seelenhaltung uns die Entspannung gibt, nach der der Hörer heute lechzt. Noch vor wenigen Jahren hätte ein Dirigent schwerlich aus eigenem Antrieb die gesamte „Sommernachtstraum"- M u s i k in Konzertform gebracht. Heute kann er auf ein begeistertes Echo rechnen. Allerdings nur dann, wenn ihm ein ausgezeichneter Klangkörper zu Gebote steht und wenn er sich selbst innerlich zu dieser Musik bekennt. Schon die „Ouvertüre", diese bezaubernde Genietat eines 17jährigen, verlangt eine Lockerkeit und Sensibilität der Tongebung, die Elfenspuk glaubhaft, werden läßt, sie verlangt die nachgestaltende Phantasie eines Dirigenten, dem sich die Vision der Szenik offenbart. Bei Steinberg werden die Geister des Waldes quicklebendig. Der Komponist und der Dirigent begegnen sich nicht zuletzt in einer wesentlichen Eigenschaft: sie sind beide „Presto-Naturen". Kein Wunder, daß Steinberg, wenn ihm die Partitur die Zügel freigibt, den Scherzo-Geist auf die Spitze treibt. Alle Abschnitte dieses Charakters, mit Einschluß der von Damen aus Chören Dr. Ehrenei eh s sauber und klangschön gesungenen Vokalpartien, bekommen dadurch zündende Wirkung. Bei den im Tempo mehr zurückgehaltenen Nummern, wie im „Hochzeitsmarsch", besteht die (durch die massive Akustik des Saales erhöhte) Gefahr eines gewissen dynamischen Mißverhältnisses zwischen Bläsern und Streichern. Für den stürmisch gezollten Beifall konnten sich mit Recht auch Gerda Oppenheim, deren tragfähiger Sopran gut führte, und Lore Michaelis bedanken. Alle großen Kapellmeister, Nikisch und Mahler eingeschlossen, haben mit Vergnügen einmal die Gelegenheit ergriffen, Öperettenmusik zu dirigieren. Es bedeutete für sie nicht nur Erholung, sondern zugleich Beweisführung, daß die klassische Operette auch dem an „Fidelio" und „Tristan" gereiften Musiker eine Aufgabe von hohem Reiz bieten könne. Steinberg arbeitet die Ouvertüre zu „Orpheus, in der Unterwelt" von Offenbach so geistreich, so spritzig und witzig heraus, daß seine Wahl keiner Rechtfertigung bedarf. Mit entzückendem Elan, in den einzelnen Teilen prachtvoll kontrastierend, erstanden die Walzerrhythmen der „Rosen aus dem Süden" von Johann Strauß, und voller Pikanterie und Raffinesse beschloß, ebenfalls ohne je die hohe künstlerische Linie zu verlieren, die „F1 ed e r m a u s"-Ouverture den Abend. Langanhaltende Ovationen bildeten den angemessenen Lohn. Für sie zeigte sich der Dirigent durch seine Zugabe wieder au3 den Revieren der Tanzmusik erkenntlich. A. H. «»»J* teJlSä3Ü2 Fahrgasse TW Ecke Börnesfr• Kons+abLWache Rossmarkt 17, I. Das Haus der gutangezogenen Frau erwartet S i e zum Saison« Schlußverkauf Kleider, Mäntel (mit u. ohne Pelz) Complets, Strickwaren bedeutend rednzlertePreise Ab 1. August 1934 befindet sich mein Hut-Salon Fellnerstrasse6, part. früher Edith Schmidt Atelier für elegante Damenhüte Telefon jetzt 57185 iwki^ PHOTO Die modernsten Kameras und alles Zubehör Entwickeln Kopieren Vergrössern EHRENFELD ZEIL 104 (neben Hauptpost) PERGAMENT Seiden-u Ölpapiere WELLPAPPE PÄCKPÄPÖI ßf HiUHMJS & C§ MrsirJ Telefon 231.11

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