Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 12 (1933-1934)
- Issue
- 12 (8.1934)
- Date
- 1934-08-01
- Page
- Seite 475 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 475 Aussprache D Jüdisches Publikum! Studie von Alfred Auerbach Man darf als Künstler wohl auch einmal die Kritik umkehren. Die alten Schemata sind dahin, neue Formen wachsen über das in der Gewohnheit Verdorrte hinaus. Kritik am Publikum! Oeffentliche Kritik!? Die geheime war immer da, aber die offenkundige ist man wohl noch ungewohnt. Und doch ist das Publikum das Instrument, auf dem der Künstler spielt. Nicht immer kann sich der Schaffende der Nehenschwingungen erwehren, die in dem Menschenkreis schwirren, der da vor ihm sitzt. Heute schon gar nicht, denn es bedarf schon einer gewissen Zeit, bis die Hörer den Tag vergessen und mitgehen. Die Zeit zerrt an den Nerven. Ein Kuck, an Wucht keinem der Stöße vergleichbar, die den seelischen Bau erschütterten, hat dies Publikum gepackt. . Welches Kunstwerk sollte zu diesen innerlich aufgewühlten Menschen sprechen? Mußten diese Hörpr nicht unbewegt bleiben von dem, was versunkene Epochen vermeldeten? Blieber. die Gequälten nicht stumm und unberührt von gewesenen Problemen? Schob sich ihr Leid nicht wie eine dunkle Biesenwand vor all diese Vergangenheitssorgen? Man kann Kunstwerke jrroßer Art ia immer ,.aktuell" nennen, man kann immer darauf hinweisen, daß sie uns noch ansehen... gut, aber das ganz aufrichtige Gefühl läßt sich vom Verstand nicht beschwatzen, und in der Kunst hat die ..jrescheite Erwägung" nicht vorlaut zu sein. Wer aber wollte als Schaffender die lodernde Gegenwart erfassen und — aus dem Zeitleid Konjunkturgetue machen? Es ist nicht geschehen — glücklicherweise ...! Wie hat sich das jüdische Publikum in der Lage verhalten, die elementar einbrach? Man hat einen Abschnitt erlebt, der Bückschlüsse zu bilden erlaubt, mnn hat das jüdische Publikum an großen und kleinen Orten im Westen und Süden beobachtet, einfache und komplizierte Leute vor sich gehabt, überkritische Juden und die Publikumsart. die man gern mit dem häßlichen Ausdruck .,verwöhnt" zu bezeichnen sucht. Man hat Menschen gesehen, die gern ..zerdenken" und ..tifteln". Man hat Debatten über die Wahl der Kunstwerke erlebt, die sich als kunstverständig" gaben und im Grunde mehr altmodische, überlebte geistige Eitelkeit verrieten als gut war. Man hat aber auch im theoriefernen Schaffen die Freude gehabt, daß die Ueberzahl des Publikums Kunst nicht mehr als Angelegenheit der Vor- oder Nachdebatte aufnimmt, sondern als seelische, unmittelbare Gabe. Der Sommer bringt eine Pause — es gilt, sie zu nutzen. Das jüdische Publikum muß in der nächsten 'Schaffenszeit noch innerlicher, noch ichferner, noch des seelischen Aufbaues froher herankommen, es muß noch mehr erkennen, daß Kunst keine Spielerei ist, die von betriebsamen Lieferanten beschafft wird. Es gilt, in der jetzigen Spanne zwischen Winter und Winter die Wandhing des Publikums zum reinen Instrument für die Schaffenden weiterzuführen. Der gesegnete Ort Die unter diesem Titel im „Frankfurter Israelitischen Gemeindeblatt" (April) erschienene Arbeit erinnert an eine ähnliche Berthold Auerbachs. Im Jahre 1881 feierten der Großherzog und die Großherzogin von Baden das Fest der Silbernen Hochzeit. Unter vielen sinnigen Gaben wurde dem Jubelpaare auch ein Buch überreicht, das nur Beiträge von badischen Schriftstellern und Dichtern enthielt und von solchen auswärtigen, die dem großherzoglichen Hofe nahestanden. Zu diesen zählte in erster Linie Berthold Auerbach. In seinen Briefen an seinen Freund und Vetter Jakob Auerbach lesen wir, daß er ob dieser Aufmerksamkeit sehr erfreut gewesen, und daß er sich mit allerhand Plänen beschäftigte, welchen Beitrag er leisten wolle, bis er sich schließlich zu der literarischen Gabe entschloß: „Geschichten meiner M u 11 e r". In dem Buche, das nicht im Buchhandel erschienen, finden wir neben den „Geschichten" die Abbildung einer alten. Jüdin mit Haube und Scheitel neben ihr der „Jörg-Toni", der „Ettel", so hieß Auerbachs Mutter, von den Welthändeln erzählte. Von den fünf Geschichten lautet die erste: „Wenn ich mich bei echten, rechten Menschen befinde, erzähle ich gerne von meiner Mutter, und ich meine, ich dürfte auch dem herzlich verehrten Jubelpaare an seinem Ehrentage davon erzählen. Mein Vater starb 1840, meine Mutter 1852; wir waren 11 Geschwister. Meine Mutter hatte in ihrer Jugend viel im Hause des Rabbi Jehuda verkehrt, der neben meinem großelterlichen Hause, dem Gasthause zum Ochsen, in Nordstetten wohnte. Wenn meine Mutter den Namen des Rabbi nannte, verbeugte sie sich und sprach zwei hebräische Worte, die in deutscher Sprache heißen: „Sein Andenken sei gesegnet". Wenn wir Geschwister nun öfters, besonders als wir noch alle zu Hause waren, Streit hatten, sagte meine Mutter: ..Laßt Euch erzählen, was Rabbi Jehuda, sein Andenken sei gesegnet, gesagt hat: „Auf Grund und Boden der Bruderliebe ist der Tempel zu Jerusalem erbaut worden. Als einst König Salomo nicht schlafen konnte, weil er nicht wußte, wohin er den Tempel bauen sollte, da rief ihm eine Stimme vom Himmel: „Gehe hinaus auf den Berg Zion. denn dort ist der Platz. Dort haben zwei Brüder zwei Aecker nebeneinander; der eine ist reich und hat viele Kinder, der andere ist arm und hat keine Kinder. Morgen binden sie Garben, gehe hin und sieh!" Als Salomo am andern Morgen hinaus kam, stand der eine Bruder am unteren Ende des einen Ackers und sagte: „Ich bin reich und mein Bruder ist arm, ich will ihm von meinen Garben geben und schob Garben hinüber. Am oberen Ende des zweiten Ackers stand der andere Bruder und sagte: „Mein Bruder ist zwar reich, aber er hat viele Kinder; ich will ihm von meinen Garben geben und schob Garben hinüber". Salomo erwarb die Aecker und baute darauf den Tempel. Hört Ihr Kinder, auf Grund und Boden der Bruderliebe ist der Tempel zu Jerusalem erbaut worden." S. Rothschild, Worms. PIEPMEYER & OPPENHORST G. m. b. H. KOHLEN — KOKS KUNSTDÜNGER Neckarstr. 11 iiiiiiiiiiiiiim iiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiuiiig BRIKETTS | ZEMENT | Fernruf 33344 § iiiiiiiilliiiiiifi Dekatur-Anstalt für Herren-u. Damenstoffe KRAUSS Gegründet 1863 ZiEGELGASSE 22 (Laden) Telefon 29613 Ein Sortiment Sportkleider aus Ia ^eidenleinen, Wollm mousseline u. ähnl. Stoffen / Qfl. » Mk. 10.50 u l»3U Sportmäntel, Ulster u... Slipon in vielen Farben 1U 7C Mk. 29 75 u.lw»,J Ein weiterer Posten j*> Sommerkleider, fesche In rre Ware. . . . Mk. 15.50 u.'«*»'J Kostüme, modisch u engl. «»» Art aus wertvollen Stoffen IJf Eft Mk. 24.75 u. III. 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