Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 12 (1933-1934)
- Issue
- 12 (8.1934)
- Date
- 1934-08-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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FRANKFURTER ISRAELITISCHES GEMEINDEBLATT Amtliches Organ der Israelitischen Gemeinde Das Gemeindeblalt erscheint monatlich. Bezugspreis für Gemeindemitglieder vierteljährlich 45 Rpfg. (einschl. Zustellungs- und ErhebuDgskosten). — Preis der Einzelnummer 25 Rpfg. — Jahresbezug für Nichtmitglieder der Gemeinde RM. 3.— zuzüglich Porto. — Schriftleitung: Fahrgasse 146; Fernsprecher: Sammel-Nummer H. 27544. — Postscheckkonto: Frankfurt a. M. Nr. 33521. — Anzeigenverwaltung: Annoncen-Expedition M. Isaac & Co., Ravensteinstraße 11, I., Fernsprecher 44868 und 44888. — Anzeigen nach Tarif. — Anzeigenschluß für nächste Nummer: 1. Sepr. — Die Schriftleitung übernimmt für den Inhalt des Gemeindeblattes nur die preßgesetzliche Verantwortung. Nachdruck nur mit Erlaubnis der Schriftleitung gestattet. 12. Jahrgang Frankfurt a. M., August 1934 Nr. 12 Gottes Ratschluss hat uns den langjährigen stellvertretenden Vorsitzenden des Gemeindevorstands Herrn Rechtsanwalt und Notar Dr. Eduard Baerwald entrissen, nachdem wir ihn, von schwerer Krankheit scheinbar genesen, uns wieder geschenkt geglaubt. Mit Eduard Baerwald ist der Mann dahingegangen, in dem wir in berechtigtem Vertrauen einen Führer in schwerer Zeit erblickten, den die ganze Gemeinde ausnahmslos als den Bekenner verehrte, der in seiner heißen Liebe zu Deutschland sich jederzeit für dessen Glück und Ehre eingesetzt, der aber zugleich seinem angestammten Glauben in unvergleichlicher Treue angehangen und ihm schwerste Opfer gebracht. In Demut beugen wir uns dem Walten der Vorsehung. Unsere Trauer und unser Schmerz sind unermesslich wie unsere Dankbarkeit. Frankfurt am Main, den 20. Juli 1934. Die Verwaltung der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt a. M. In deren Namen: Jusfizrat Dr. Blau Vorsitzender des Vorstands Eduard Baerwald zum Gedächtnis Die Frankfurter Gemeinde trauert um einen ihrer Besten! Mit Eduard Baerwald ist nicht nur einer ihrer treuesten Söhne und wertvollsten Mitarbeiter dahingegangen — wir trugen mit ihm auch eine Hoffnung zu Grabe; denn die Erfüllung mancher der Lösung harrenden Aufgaben waren seiner Bearbeitung vorbehalten. Zu früh, hat das unerbittliche Schicksal diese Hoffnungen vernichtet. Nach Herkunft, Veranlagung, Neigung und Willenterichtung war er, wie kaum ein Anderer, für die Gemeindearbeit geeignet und zum Fuhreramt berufen. Aus altjüdischer Familie der deutschen Ostmark stammend, der Sohn des unvergessenen Direktors unserer Schule, des Phüanthropins, selbst Schüler dieser Schule, wuchs er auf in gleicherweise mit jüdischem Wissen ausgerüstet wie mit allgemeiner Bildung ausgestattet, und in der deutschen Heimat mit unversiegbarerLiebe verwurzelt. Nach dem Besuch des Frankfurter Städtischen Gymnasiums widmete er sich dem Rechtsstudium und ließ sich im Jahre 1902 alsbald nach bestandenem großen; Staatsexamen in Frankfurt a. M. als Rechtsanwalt nieder. Er wurde Mitarbeiter einer der ältesten Frankfurter Anwaltsfirmen, der auch die unvergeßlichen früheren Mitglieder unseres Gemeindevorstandes, Geh. Justizrat Dr. Salomon Fuld und Julius Plotke angehörten. Die Erwartungen, die man auf den jungen Anwalt gesetzt hatte, wurden voll erfüllt: durch seine reichen Kenntnisse, seinen großen Fleiß, sein liebenswürdiges Wesen und seine außerordentliche Gewandtheit verstand er es, in kürzester Zeit das Vertrauen nicht nur seiner Kollegen, sondern auch einer zahlreichen und angesehenen Klientel zu erwerben, die, je länger er für sie tätig war,