Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 12 (1933-1934)
- Issue
- 11 (7.1934)
- Date
- 1934-07-01
- Page
- Seite 438 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 438 Sie tue dies ohne Bedenken, weil sie Persönlichkeiten aus allen Richtungen an der Führung der Gemeinde beteiligt sehe und sich daher auch keine Richtung benachteiligt fühlen könne. Von einer Verschleierung der wahren Stimmung innerhalb der Gemeinde könne daher keine Rede sein, und die Veröffentlichung einer diesbezüglichen Erklärung der jüdischen Volkspartei im letzten Gemeindeblatt sei deshalb überflüssig gewesen. Der Redner sclüießt seine Ausführungen mit dem Wunsch und in der Ueberzeugung, daß, so schwer auchdie Zeiten sind, die Frankfurter Gemeinde, die schon viele Stürme überstanden hat, auch die jetzigen überstehen wird, wenn alle einmütig zusammenstehen und ihre Pflicht tun. Namens der Fraktion der jüdischen Volkspartei bittet Herr Dr. P o m meranz dem noch nicht erschienenen Fraktionsvorsitzenden Herrn Gerlich Ausführungen zum Etat vorzubehalten, sobald er anwesend sein wird. In Bezug auf die Ausführungen des Sprechers der konservativen Fraktion, soweit sie die Verlängerung der Legislaturperiode der Gemeindevertretung betreffen, begrüßt Herr Dr. Pommeranz die Veröffentlichung in der letzten Nummer des Gemeindeblattes. Er erblickt darin eine erfreuliche Entwicklung des Gemeindeblattes im Sinne einer elastischen und lebendigen Berichterstattung. Was die Verlängerung der Legislaturperiode selbst betreffe, so stehe er auf dem Standpunkt, daß ein Parlament die Stimmung der ganzen Gemeinschaft wiedergeben müsse, die es vertritt und es sei deshalb eine problematische Angelegenheit, wenn eine solche Körperschaft ihre Amtszeit selbst verlängert. Ohne auf Einzelheiten des Etats eingehen zu wollen, ist Herr Dr. Pommeranz der' Ansicht, daß dieser die Grundlage bieten müsse für eine Erweiterung des Arbeitskreises der Gemeinde zu einer alle Erscheinungen des jüdischen Lebens umfassenden Institution. (Der Fraktionsführer der jüdischen Volkspartei, Herr Gerlich, ist inzwischen erschienen, verzichtet aber auf weitere Ausführungen zum Etat, mit Rücksicht auf die bereits nahezu abgeschlossene Aussprache.) Hiermit ist die Generaldebatte erschöpft. Zur Spezialdebatte schlägt der Vorsitzende vor, den Etat in der von der gemischten Finanzkommission vorgelegten Fassung zu genehmigen unter Berücksichtigung der sich aus den der Vorlage beigefügten Vorstandsbeschlüssen in den einzelnen Kapiteln ergebenden Aenderungen. Hiergegen erhebt sich kein Widerspruch. Herr Dr. Geiger bemerkt hierzu, daß der für die baulichen Wiederherstellungsarbeiten im Philanthropin bewilligte Kredit von Rm. 7000.— in dem von der Kommission vorgelegten Etat noch nicht enthalten sei. Weiterhin erklärt Herr Dr. Geiger gegenüber den Ausführungen des Herrn Felix Meyer, daß die Veröffentlichung der Erklärung der jüdischen Volkspartei in der letzten Nummer des 'Gemeindeblattes dem Ermessen der Schriftleitung ausdrücklich überlassen gewesen sei. daß sie aber lediglich einen Loyalitätsakt der Jüdischen Volkspartei gegenüber darstelle. Eine elastische und lebendige Neutralität, wie sie durch diese Veröffentlichung Hen Dr. Pommeranz neuerdings glaube feststellen zu können, habe das Gemeindeblatt schon immer beobachtet. Dagegen entspreche der Wunsch, weltanschauliche Streitfragen in den Spalten des Gemeindeblattes auszutragen, nicht der Tradition und widerspreche dem bei Begründung de* Gemeindeblattes betonten Grundgedanken, daß das Blatt nicht der Tummelplatz für den Meinungsstreit der Parteien sein dürfe. Demgegenüber meint Herr Dr. Pommeranz, daß es Sache der Geschicklichkeit und der Elastizität der Schriftleitung sei. die Erörterung auch weltanschaulicher Streitfragen zuzulassen, ohne daß das Gemeindeblatt ein Tummelplatz für den Streit der Parteien werde. Hiernach wird beschlossen: 1. Den Vorlagen des Vorstandes betr. a) die Abänderung der Platzniietenordnung für die Synagogen, b) Bewilligung eines Kredits von Rm. 7000— für Wiederherstellungsarbeiten im Philanthropin, c) der Erhebung eines Bezugsgelds für das Gemeindeblatt zuzustimmen. 2. Den Haushaltsplan für das Rechnungsjahr 1934 unter Berücksichtigung der sich in Kapitel X, iGrundstücksver- - waltung, gemäß vorstehendem Beschluß unter b) ergebenden Aenderung in Einnahme und Ausgabe festzustellen im Ordinarium auf . . . . . Rm. 1149 699.— im Extraordinariuni auf . . . „ 21000.— in der Fondsverwaltung auf . „ . 44 852.— und in der Nebenverwaltung auf „ 10.328.— In dieser Höhe ist der Etat für 1934 genehmigt. Eine Zusammenstellung der Endziffern der einzelnen Kapitel des Ordinariums ist an. anderer Stelle ■ dieser Nummer veröffentlicht. (Schriftl.) Der Vorsitzende dankt allen bei der Aufstellung und Durchberatung des Etats beteiligten Mitgliedern der Gemeindeverwaltung und .Gemeindebeamten. Die von den Herren Cohen und Dr. Freimann geprüfte Jahresrechnung für das Rechnungsjahr 1932/33 wurde gleichfalls genehmigt. Der vom Vorstand vorgelegte Entwurf eines leuen Beamtenregulativs mit Besoldungsordnung wurde an die Rechtskommission verwiesen. Hieran schloß sich eine nichtöffentliche Sitzung, in der hauptsächlich Personalangelegenheiten erledigt wurden. Jüdische Chronik Deutschland Ansbach. Die Justizpressestelle des Landgerichts Ansbach gibt bekannt: „Als Folge der Ausschreitungen in Günzenhausen am Abend des 25. März 1934 fand in der Zeit vom 11. bis 16. Juni vor der Großen Strafkammer des Landgerichts Ansbach eine Hauptverhandlung wegen schweren Landfriedensbruchs statt. Gegen 19 Angeklagte wurden Gefängnisstrafen von drei Monaten bis zehn Monaten verhängt. Bei fünf Angeklagten erfolgte Freisprechung bezw. Einstellung des Verfahrens. Die Hauptverhandlung hat zu der jeden Zweifel ausschließenden Feststellung geführt, daß die Ursache der beiden Todesfälle Selbstmord gewesen ist." — Berlin. Im Rahmen der vom Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden gemeinsam mit dem Zentralausschuß der deutschen Juden für Hilfe und Aufbau in mehrere preußische Provinzen unternommene Kultur fahrten haben in der Zeit vom 18. April bis 13. Mai 1934 in 38 Gemeinden Kulturabende stattgefunden. — Der Zentralausschuß der deutschen Juden für Hilfe und Aufbau teilt mit: Die vom Zentralaüsschuß der deutschen Juden für Hilfe und Aufbau zusammen mit der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden eingeleitete Beitragskartenaktion für Hilfe und Aufbau kann nur von Erfolg begleitet sein, Avenn sich weiteste Kreise des deutschen Judentums als freiwillige Helfer in ihren Dienst stellen. Den jüdischen Frauen fällt hierbei eine besonders wichtige Aufgabe zu. Nur durch ihre Mithilfe wird es erreicht werden können, daß die Beitragskarten für Hilfe und Aufbau in jedem jüdischen Hause zu finden sind. Wir fordern alle jüdischen Frauen auf, dem Rufe ihrer Spitzenorganisation Folge zu leisten. Freiwilliger Dienst am großen Hilfs- und Aufbauwerk muß eine Ehrenpflicht für jede deutsche Jüdin sein! — Unter Leitung des Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde zu Berlin und Mitglieds der Reichsvertretung der deutschen Juden, Direktor Heinrich Stahl, fand am 14. Juni in der Synagoge Fasanenstraße ein G e - meindeabend statt, der der Aufgabe gewidmet war,. Wirken und Ziele der Reichsvertretung einem weiten Kreise von H^naiHHlHHHBaMHHHHaBMHMiHHHMaHHHBHnBHHHaBH^HB^HHIHBMH AUSLAND-, spez. PALÄSTINATRANSPORTE / ALBERT HERZ Sammelladungen Möbel - Koffer (Lift-Vans) Schnellverkehr mit Trajektwagen INTERNATIONALE SPEDITION EIGENE LAGERHÄUSER VERPACKUNG -—-1-~—7-TI , . FRANKFURT-M. eigener Fuhrpark Versicherung nach England ohne Umladung TeL30576 Guüeutstrasse 31-