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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1934-07-01 · 11 (7.1934) · page 3

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
12 (1933-1934)
Issue
11 (7.1934)
Date
1934-07-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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FRANKFURTER ISRAELITISCHES GEMEINDEBLATT Amtliches Organ der Israelitischen Gemeinde ■ ——————— ■ ——~————r~rr. ............ ■ 1 -——t-t- Das' Gemeindeblatt erscheint monatlich. Bezugspreis für Gemeindemitglieder vierteljährlich 45 Rpfg. (einschl. Zustellungs- und Erhebungskosten). — Preis der Einzelnummer 25 Rpfg. — Jahresbezug für Nichtmitglieder der Gemeinde RM. 5.— zuzüglich Porto. — Schriftleitung: Fahrgasse 146; Fernsprecher: Sammel-Nurrimer H. 27544. — Postscheckkonto: Frankfurt a. M. Nr. 33521. — Anzeigenverwaltung: Annoncen-Expedition M. Isaac & Co., Ravensteinstrafle Ii. I., Fernsprecher 44868 und 44888. — Anzeigen nach Tarif. — Anzeigenschluß für nächste Nummer: 25. Juli — Die Schriftleitung übernimmt für den Inhalt des Gemeindeblattes nur die preßgesetzliche Verantwortung. Nachdruck nur mit Erlaubnis der Schriftleitung gestattet. 12. Jahrgang Frankfurt a. M., Juli 1934 Nr. 11 Gemeindeblätter Sinn und Aufgabe Innerhalb der jüdischen Publizistik in Deutschland nehmen die Gemeindeblätter eine besondere Stellung ein: sie scheiden sich von der L i t e r a t u r in der Weise aller Journale; so ernsthaft und gewissenhaft sie ihrer Aufgabe, die jüdischen Menschen zu bilden, dienen, so sehr sind sie von der Aktualität ihrer Zeit umfangen. Daher haben die Gemeindeblätter selten das. v/as wahre Literatur auszeichnet, den „Ewigkeitswert". Ja man ist versucht zu sagen: es wäre gegen ihren Sinn und ihre Aufgabe, Ewigkeitswert zu haben. Sie sind für die Zeit und die Zeitgenossen, für einen ganz bestimmten Kreis von Zeitgenossen, und je mehr sie diesem Kreis in seiner augenblicklichen, stets veränderten Lage bedeuten, desto größer ist ihr Tageswert, desto ferner sind sie dem Literarischen. Aber auch innerhalb des Gebietes der jüdischen Presse haben die Gemeindeblätter eine besondere Färbung. Sie ist nicht allein in der Periodizität ihrer Erscheinungstermine begründet. (Wenn auch durch die oft Wochen auseinanderliegenden Erscheinungstermine der Gemeindeblätter ihre Lebendigkeit und der notwendige Kontakt mit den Lesern leiden kann.) Die besondere Eigenart der jüdischen Gemeindeblätter beruht auf der Mittelstellung, die sie als offizielle Organe der Gemeindeverwaltungen einerseits und als Lesestoff für einen verschiedenartigen Menschenkreis andererseits zu beziehen haben. Diese Mittelstellung zu finden, ist in einer Zeit der starken innerjüdischen Frontenbildung innerhalb der Gemeinden schwieriger denn je. Em-3r Reihe von Gemeindeblättern ist es nicht gelungen. Sie sind zu Informationsblättern über Begebenheiten geworden, die in den jüdischen Zeitungen, die wöchentlich erscheinen, meist längst diskutiert worden sind. Das Aktuelle wird hier in einem lethargischen Zustand vorgeführt. Ein anderer, der weitaus größere Teil der Gemeindeorgane bemüht sich sichtbar — jede Nummer dieser Blätter beweist es — die Linie zu beschreiten, die der amtlichen Aufgabe und dem privaten Bedürfnis der Leserschaft gleichmäßig nahekommt. Das jüdische Gemeindeblatt als amtliches Organ der Gemeindeverwaltung soll ein Abbild des Lebens innerhalb der Gemeinde geben. Der Bedeutungswandel der jüdischen Gemeinde — von der Religionsgemeinde zur Organisation weitester Gebiete jüdischen Lebens — hat in der Haltung des Gemeindeblattes, wenn es wirklich Anspruch auf Lebendigkeit erheben will, Ausdruck zu finden. Nicht allein die mit ungekannter Stärke aufgetretenen, an die Gemeindeverwaltungen herangetragenen und von ihnen in Angriff genommenen Aufgaben der sozialen Fürsorge, Umschichtung, Hilfe — auch all das, was durch die veränderten Beziehungen zur nicht-jüdischen Umwelt mit unerwarteter Heftigkeit für das deutsche Judentum lebenswichtig geworden ist, muß im Gemeindeblatt das Interesse aller wecken und finden: der Neuaufbau, die Umsiedlung, die Auswanderung, Palästina. Der Sicherung der Lebensmöglichkeiten der deutschen Juden, der Aufrechterhaltung, Festigung und Pflege der Beziehungen zu den Orten neuen jüdischen Lebens dient heute die jüdische Gemeinde ebenso, wie sie um die Erfüllung der religiösen Bedürfnisse ihrer Mitglieder besorgt ist. Aus beiden Richtungen sieht sie Kraftquellen ihrer Existenz strömen: in der Wahrung und Festigung traditionellen Gutes, ihres Lebensbedürfnisses und in der Stärkung ihres Zukunftswillens erblickt sie ihre vorzüglichen Aufgaben. Hier ständige Unterstützung zu sein, der sich stets und täglich beweisenden Arbeit den bleibenden Nachklang zu bereiten oder künftiger Tätigkeit der Gemeinde den Weg zu ebnen, ist eine Aufgabe ihres „amtlichen Organs". Es soll nicht so sehr der Verbreitung von Bestimmungen, Verordnungen und Wünschen dienen, die die Verwaltung der Gemeinde ihren Mitgliedern zur Kenntnis gibt. Es soll vielmehr vom Leben der Gemeinde sprechen, wo immer es aufzuspüren ist. Ob \on den charitativen, sozialen, pädagogischen, bildnerischen, kulturellen Institutionen innerhalb der Gemeinde oder von den Fragen wirtschaftlicher Existenzsicherung der Juden in- und außerhalb Deutschlands gesprochen wird, ob von unseren Beziehungen zum Palästinaaufbau oder von der Bindung an unsere Heimat berichtet wird — es soll und will kein zufällig Zusammengetragenes sein. Ein Gesamtbild soll entstehen. Und daß es sich tatsächlich formt, liegt daran, daß es lebendige jüdische Dinge sind, um die es geht. Sinn der jüdischen Gemeindeblätter ist die jüdische Gemeinde. Und nur dann sind Sinn und Aufgabe der Gemeindeblätter erkannt, wenn das Spezifische, das Israelitische oder Jüdische Gemeinde heißt, aus ihren Seiten spricht. So wie die Gemeinde eine jüdische Organisationsform bestimmter, wenn auch keineswegs unwandelbarer Art ist. eine unpolitische, überpolitische, bindende, alle Lebensfragen des Individuums betreuende Institution, so hat das Gemeindeblatt den Unterbau zu festigen, auf dem die Arbeit der Gemeindeverwaltung sich zu entwickeln hat. Der Unterbau heißt: Vertrauen. Vertrauen in die Einsicht, daß es keine jüdische Lebensäußerung gibt, die nicht gehört werden müßte und die nicht ihr Teil beiträgt zu der Architektur des Gemeindekörpers. Daraus ergibt sich eine gewisse Buntheit des Inhalts der Gemeindeblätter, der keinesAvegs im Sinne einer Vielwisserei geboten wird, sondern der Zeugnis der Buntheit und Vielgestalt des Gemeindelebens ist. Diese Vielseitigkeit des Inhalts müßte, so könnte man glauben, dem Leser nur willkommen sein. In Wahrheit 3ind die meisten Leser der Gemeindeblätter von der Lektüre ihrer

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